So sichert Zehetner nach der Schlappe auf der Hauptversammlung die Finanzierung

Eduard Zehetner, Immofinanz-Chef, hat die Unternehmenssanierung abgeschlossen. Wie er nach der Schlappe auf der Hauptversammlung nun die Finanzierung sichern und die Strategie neu ausrichten will.

Nichts als Papier. Auf dem Schreibtisch Berge von Unterlagen, an der Wand riesige Poster, die ein weit verzweigtes Immobilienimperium zeigen. Eduard Zehetner, Chef der Immo­finanz, scheint sich in dem Chaos wohl zu fühlen. Er lässt sich in seinen Bürosessel fallen und bilanziert: „Die Immofinanz ist saniert. Die Insolvenzwahrscheinlichkeit ist auf unter ein Prozent gesunken.“

Nach dem Abgang des unter Betrugsverdacht stehenden Ex-Immofinanz-Chefs Karl Petrikovics vor zwei Jahren stand der größte heimische Immobilienkonzern (Umsatz 2009/10: 719 Millionen Euro, operativer Gewinn: 394 Millionen Euro) vor der Pleite. Zehetner, damals beim Feuerfest-Konzern RHI als Sanierer tätig, kam und zog die Bremse: Stopp geplanter Immo-Projekte, Fixkostenreduktion, Fusion zwischen Immofinanz und der Schwestergesellschaft Immoeast.

Doch trotz der selbst verkündeten Sanierung steht der 59-jährige Topmanager nun vor neuen Hürden. Ende September musste der gebürtige St. Pöltener eine herbe Schlappe einstecken. Auf der Hauptversammlung stimmte eine Handvoll anglo-amerikanischer Großinvestoren gegen eine neue Wandelanleihe in Höhe von 800 Millionen Euro, die der Refinanzierung dienen sollte. Im FORMAT-Gespräch erklärt ­Zehetner nun, wie er die Finanzen neu ordnen – und nach einem beachtlichen Verkaufsprogramm neues Wachstum gene­rieren will. „Ziel ist, ab 2012/13 rund 600 Millionen Euro operativen Gewinn jährlich zu erwirtschaften“, verrät Zehetner. Fast
80 Prozent sollen dabei aus bestehenden Immobilien kommen.

Neuer Anlauf für frisches Geld  

Warum die geplante Kapitalmaßnahme überhaupt gescheitert ist, hat Zehetner schnell erklärt: „Die Berater der ausländischen Investoren orientierten sich bei der Ab­stimmung an einem Regelkatalog, der mit der individuellen Situation der Immo­finanz nichts zu tun hat.“ Aus Sorge, die neue Wandelanleihe verwässere den Aktien­kurs, stimmte die Beraterfirma namens RiskMetrics dagegen. „Ich habe nicht gerechnet, dass das passiert. Noch dazu, weil ich davor mit mehr als hundert Investoren in den letzten drei Monaten persönliche Gespräche geführt und keinen Widerstand geortet habe.“

Für den Immofinanz-Boss gibt es nun drei alternative Lösungen. Erstens, er beruft eine außerordentliche Hauptversammlung ein, bei der er über die geplante Kapi­talmaßnahme nochmals abstimmen lässt. „Ich bin mir sicher, genügend Aktionäre mobilisieren zu können. Viele waren bei der letzten Hauptversammlung nicht anwesend, sind aber für den Schritt.“ Va­riante zwei ist eine normale Anleihe mit 500 bis 600 Millionen Euro Volumen. ­„Diese Maßnahme kostet aber das Unternehmen mehr, weil der Zinssatz deutlich höher ist“, so Zehetner. Und als dritte Möglichkeit sieht der Manager eine ­Kombination aus einer kleineren Wandelanleihe, einer Kapitalerhöhung und dem Anzapfen bestehender Geldreserven. „Wir haben 500 Millionen Euro auf der hohen Kante“, rechnet Zehetner vor.

Insgesamt, inklusive der Refinanzierung von Projekten, hat die Immofinanz in den kommenden drei Jahren einen Kapital­bedarf von 1,7 Milliarden Euro. „Ein großer Vorteil ist, dass die Immofinanz viele hochwertige Objekte in Österreich besitzt, die im Notfall jederzeit verkauft werden können“, meint Martin Rupp, Fondsmanager bei der 3-Banken-Generali.

Bis 2015 will Zehetner ohnehin Liegen­schaften im Wert von 2,2 Milliarden Euro veräußern. Vor allem Objekte wie etwa das Nobelhotel Kempinski in St. Moritz, die nicht in den Kernmärkten liegen, stößt das Unternehmen ab. „Demnächst werden wir noch einige Zinshäuser in begehrten Wiener Lagen auf den Markt bringen“, so Zehetner.

Eingefrorene Projekte aufgetaut  

Im Gegensatz zur Ära Petrikovics will der jetzige Immofinanz-Chef die unternehmerischen Aktivitäten auf nur acht Länder zurück­fahren, darunter Österreich, Deutschland und Russland. In Summe steckt Zehetner jährlich rund 400 Millionen Euro in den Ausbau des Portfolios: Eingefrorene Projekte sollen schrittweise wieder belebt werden. Am darniederliegenden rumäni­schen Immobilienmarkt etwa hat Zehetner den aufgeschobenen Bau des Einkaufszentrums Gold Plaza im Oktober finalisiert. „Rumänien ist weiter schwierig“, gibt Zehetner zu, „aber es ist besser, ein nahezu fertiggestelltes Projekt zu voll­enden, als es einzumotten. So erwirtschaften wir wenigstens Mieteinnahmen“. Darüber hinaus sucht das Unternehmen in Russland nach neuen Akquisitionszielen.

Generell soll sich das Portfolio von ­Einkaufszentren und Wohnbauten hin zu Bürogebäuden verschieben. In Österreich etwa plant der Immo-Entwickler die Erweiterung des Businessparks am Wienerberg. Ende des Jahres verlegt die Immofinanz ­ihren eigenen Konzernsitz dorthin.

Die Restrukturierung dürfte auch das Vertrauen der Anleger zurückgebracht haben: Die Analysten der Deutschen Bank etwa bewerten seit kurzem das Unternehmen wieder – ein positives Signal für die Aktie. Der Kurs der Immofinanz stieg zuletzt auf knapp drei Euro. Zehetner selbst profitierte von seinem harten Kurs. „Ich habe mit Aktien und Wandelanleihen in den vergangenen Jahren einen sieben­stelligen Eurobetrag verdient“, gibt er offen zu. Er dürfte an weitere Kursgewinne glauben, denn alleine im September legte er sich ein weiteres, 800.000 Euro schweres Aktienpaket der Immofinanz zu.

Lästige Altlasten  

Dennoch kämpft ­Zehetner nach wie vor mit Altlasten. Demnächst bringt die Immofinanz Klagen gegen Exvorstände wie Karl Petrikovics sowie gegen die Lobbyisten Walter Meischberger und Peter Hochegger ein. Zehetner: „Es wurden Leistungen verrechnet, die nie erbracht wurden. Hier geht es um Untreue und Betrug.“ Umgekehrt laufen mehrere Schadenersatzklagen von geschädigten Aktionären gegen die in die Immofinanz integrierte Bankenhülle Aviso Zeta (früher: Constantia Privatbank). Gesamtvolumen: 180 Millionen Euro. „Mein Ziel ist es, am Ende des Tages 50 bis 80 Millionen Euro aus der Aviso Zeta für die Immo­finanz herauszuholen“, sagt Zehetner. Erst kürzlich wurden neue Staatsanwälte mit dem Fall Immofinanz beauftragt. Der Topmanager ärgert sich vor allem darüber, dass die Ermittlungen so lange dauern. „Wenn die Vergangenheit nicht abgeschlossen ist, steht die Immofinanz immer negativ in den Schlagzeilen. Das ist ein Unsicherheitsfaktor für das Unternehmen“, grollt er – und glaubt trotzdem, dass es bald zur Anklage kommt.
Kritische Äußerungen zu seiner ei­genen Unternehmensführung schmettert Zehetner ab: Eine Analystin von Cheuvreux bekrittelte die aus ihrer Sicht enttäuschenden Quartalszahlen. Kurzerhand griff Zehetner sie in ungewöhnlich scharfem Ton an. Analysten zu hofieren, wie es manche Konzernchefs tun, liegt ihm nicht: „Wer sich mit mir anlegt, sollte sich warm anziehen.“

Carolina Burger, Barbara Nothegger

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