So böse ist Foxconn doch wieder nicht

Ein Künstler berichtete Amerika von den Zuständen beim Elektronikzulieferer Foxconn. Der Skandal erschütterte das Land, Apple gelobte Besserung. Nun stellt sich heraus: Teile der Story waren frei erfunden.

Die Welt, die Mike Daisey schilderte, brach den Zuhörern das Herz: Der US-Künstler erzählte von zwölfjährigen Arbeiterinnen, deren Hände wie die alter Frauen aussahen, gezeichnet von Säure und Akkordarbeit. Er erzählte von Männern, denen er sein iPad zeigte und die zum ersten Mal das fertige, glänzende Ding in den Händen hielten, für das sie Tag für Tag, Woche um Woche schufteten.

Daisey berichtete Amerika von seinem Besuch bei Foxconn, jenem taiwanischen Unternehmen, das die Hälfte aller weltweit verkauften Elektronikartikel herstellt, von Apples iPhone über die E-Reader von Amazon bis zu den Handys von Nokia. Schon vor Monaten war die Firma in die Schlagzeilen geraten, weil sich verzweifelte Mitarbeiter von den Dächern der Fabriken gestürzt hatten oder bei Explosionen ums Leben gekommen waren. Den Zuhörern stockte der Atem - und für die Radioshow "This American Life" wurde Daiseys-Sendung Anfang Januar zur erfolgreichsten in der Geschichte.

Die Journalisten im Land griffen die Story auf und nutzten sie als Referenz für ihre Berichte zu Foxconn. Die "New York Times" trat mit einer Artikelserie eine Welle der Empörung los, die dazu führte, dass selbst der verschwiegene Apple-Konzern an die Öffentlichkeit ging und Kontrolleure in die chinesischen Fabriken schickte.

Erinnerungslücken

Nun ist die Empörung wieder groß - über die Macher von "This American Life". Denn seine Dolmetscherin konnte sich auf Nachfrage an viele Details gar nicht mehr erinnern. Kleinlaut gab Daisey am Freitag zu: Teile der Geschichte sind frei erfunden. Vieles habe er nie mit eigenen Augen gesehen.

Die Macher entschuldigten sich für die schlechte journalistische Arbeit und entfernten den Podcast eilig. Die großen Zeitungen urteilten: "unverzeihlich". Daisey selbst nahm alle ungeprüften Details aus seinem Stück und ergänzte es um einen erklärenden Prolog. Das Theater, in dem er seinen Monolog seit Monaten vor vollen Rängen vorträgt, beschwichtigte: "Mike ist ein großartiger Geschichtenerzähler, kein Journalist." Das Wichtigste sei doch, dass er auf die verheerenden Bedingungen aufmerksam gemacht habe.

Und im fernen Taipeh gab man sich selbstgerecht: "Wir sind froh, dass sich die Wahrheit durchgesetzt hat und alle Lügen aufgedeckt sind", so ein Foxconn-Sprecher. Man hoffe, dass die Journalisten nun selbst die Mühe auf sich nehmen und vorbeikommen würden, um sich ein Bild von den tatsächlichen Bedingungen zu machen.

Quelle: ftd.de

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