Smart-City Singapur

Singapur will zum Vorbild für intelligente Städte werden - etwa mit Busspuren, die nur bei Bedarf entstehen.

Smart-City Singapur

Mit beinahe jedem Schritt hinterlässt ein Mensch Spuren: beim Betreten und Verlassen öffentlicher Verkehrsmittel, durch die Funksignale seines Handys, durch den Verbrauch von Strom oder die Verwendung von Taxis und Flugzeugen. Mit diesen riesigen Mengen an digitalen Informationen wird in Singapur seit gut zwei Jahren gearbeitet, um mehr über urbane Dynamiken zu erfahren. Dahinter steht ein Smart-City-Projekt des Massachusetts Institute of Technology (MIT), das der gebürtige Grazer Kristian Kloeckl leitet.

Er hat Verwendung für alle Arten von Daten. "Mir würden keine einfallen, die ich von vornherein ausschließen würde“, sagt Kloeckl, der dieser Tage in Österreich weilt, um das Projekt beim Austrian Innovation Forum im Klosterneuburger IST vorzustellen, das sich diesem Thema gewidmet hat. "Das Spannende ist, dass wir erst durch die Kombination verschiedener Informationen den Wert mancher Daten entdecken.“

Ziel der Sammelleidenschaft ist, Singapur smarter zu machen. "Wir wollen Städte besser verstehen und Technologien entwickeln, um Bewohnern in Echtzeit nützliche Informationen zu geben“, sagt Kloeckl. Dadurch soll vieles intelligenter erledigt werden können. Etwa indem die Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel auf ihrem Handy und auf Anzeigetafeln nicht nur erfahren, wann der nächste und der übernächste Bus kommt, sondern auch, wie voll die Fahrzeuge bereits sind.

Durch elektronische Fahrkarten haben die Verkehrsbetriebe in Singapur genaue Infos darüber, welche Strecken wann genutzt werden. Mit diesem Wissen könnten bei Bedarf Express-Busse eingesetzt oder die Intervalle der öffentlichen Verkehrsmittel angepasst werden. Auch die Daten von 16.000 der 25.000 Taxis, die sich durch Singapur bewegen, werden ausgewertet. Dadurch ist etwa erkennbar, wann und wo der Verkehr stockt. Im Falle eines Staus könnte eine Verwaltungsbehörde zum Beispiel mithilfe von Überkopfwegweisern flexibel und sehr rasch eigene Spuren für Busse und Taxis einrichten, damit diese schneller ans Ziel kommen. Wenn es dann fließt, verschwindet die Busspur wieder.

Weniger Emissionen

Aus den Daten lässt sich auch ablesen, wo besonders häufig Stop-and-Go-Verkehr stattfindet und zu erhöhten Emissionen führt - so bekommt man klare Prioritäten, wo man ansetzen muss, um die Luftqualität zu verbessern.

Singapur eignet sich besonders gut für Smart-City-Konzepte: Denn der Inselstaat ist ähnlich groß wie Hamburg und daher gut überschaubar. Die Ergebnisse sind nicht nur für die fünf Millionen Bewohner Singapurs interessant, sondern für Stadt- und Verkehrsplaner in aller Welt. Denn 2010 haben bereits 53 Prozent der Weltbevölkerung in Städten gelebt. Bis zum Jahr 2050 sollen es Prognosen zufolge 75 Prozent sein. Um das Wachstum zu bewältigen, müssen Verkehr und Energieverbrauch in Zukunft viel intelligenter gesteuert werden.

Angelegt ist das Singapur-Projekt auf insgesamt fünf Jahre, zehn Personen werden dafür beschäftigt. Ähnliche Aufträge hat Kloeckl für Österreich bislang noch nicht.

Zur Person: Der gebürtige Grazer Kristian Kloeckl (Jahrgang 1977) hat Industriedesign in England und Italien studiert, dann mit Designfirmen in Mailand und Venedig gearbeitet. Während des Doktorats kam er an das Senseable City Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo 30 Personen im Bereich Smart Cities forschen und verschiedene Projekte bearbeiten. Eines davon ist "Live Singapore!“, das Kloeckl nun leitet. Am 11. Oktober war er Gast des Austrian Innovation Forum.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Wegbereiter einer neuen Industrie

Mit dem Schlagwort Industrie 4.0 werden revolutionäre Änderungen der …

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Comeback der Krise?

Auffällig viele Topunternehmen schreiben Verluste, eine Besserung der …

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Innovation - der wichtigste Rohstoff

Im Wettkampf der Regionen muss Österreich noch stärker auf …

50 Millionen Euro Umsatz macht die von Ronnie Seunig gegründete Excalibur City pro Jahr und schafft 500 Jobs. Roger Seunig tritt in die Fußstapfen seines Vaters und setzt dessen pittoreske Visionen fort.
 

Roger Seunig - der Ritter von Kleinhaugsdorf

Roger Seunig übernimmt von seinem Vater das Billig-Paradies Excalibur …