Skylink: Dem Chaos-Projekt am Wiener Flughafen droht vorübergehender Baustopp

Weil bei der Errichtung des neuen Terminals viel falsch lief, sollen die Bauarbeiten vorerst eingestellt werden.

Das Chaosprojekt Skylink am Wiener Flughafen könnte jetzt zur ewigen Baustelle werden. Wie FORMAT aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, überlegt der neue Finanzvorstand Ernest Gabmann, der für den Terminal zuständig ist, die Arbeiten vorerst gänzlich einstellen zu lassen. Wegen der Kostenexplosion von 657 auf mindestens 830 Millionen Euro wurde bereits ein Expertenteam beauftragt, Fehler der Vergangenheit aufzudecken und Lösungen zu erarbeiten. Gabmann lässt nun rechnen, ob ein vorübergehender Baustopp nicht die günstigste Variante ist.

Passagierrückgang
Im letzten Jahr wurde diese Option verworfen, weil das laut Gutachten noch höhere Kosten verursacht hätte. Zwischenzeitlich hat sich die Situation aber geändert. Denn der Skylink wird im Moment nicht gebraucht. Die Zahl der Passagiere geht heuer auf rund 18 Millionen zurück. Die knapp 20 Millionen aus dem Vorjahr werden allerfrühestens 2011 wieder erreicht. Die Devise heißt jetzt daher: Kosten vor Zeit. Mit einer späteren Inbetriebnahme könnten daher Dutzende Millionen pro Jahr an Betriebskosten gespart werden. Außerdem muss mit der Abschreibung des Gebäudes erst nach Fertigstellung begonnen werden, was zumindest eine bilanzielle Entlastung bringt.

Billigere Verträge angestrebt
Bislang wurden 400 Millionen in den Skylink gepumpt. ÖVP-Mann Gabmann will schon in der nächsten Woche den beiden (roten) Vorstandskollegen Herbert Kaufmann und Gerhard Schmid auf Basis seiner Überlegungen einen Baustopp vorschlagen. Offiziell will sich dazu aber keiner der Manager äußern. Vor allem verspricht sich Gabmann von dieser Maßnahme, dass er die teuren Konsulentenverträge kündigen und dann ausschreiben oder neu verhandeln kann. Die Honorare für Architekten, Projektmanager oder Bauaufsicht betragen mit 135 Millionen ein Viertel der Gesamtkosten (bei einem Projekt dieses Ausmaßes an sich nicht ungewöhnlich). Der Finanzvorstand hofft nun, wegen der aufgetretenen Qualitätsmängel und wegen der Wirtschaftskrise um viele Millionen günstigere Preise herausholen zu können.

Parteipolitischer Zoff droht
Leicht wird das nicht. Abgesehen von Klagen gegen Vertragsauflösungen droht auch parteipolitischer Zoff. Denn eine Vielzahl der aktuellen Konsulenten, etwa die Ziviltechnikbüros Vasko und Spirk, sind bestens in der roten Wiener Landesregierung oder sonstwie in der SPÖ vernetzt. Und das Land Wien hält (ebenso wie Niederösterreich) zwanzig Prozent am Flughafen. Nach außen ist die Airport-Führung angesichts des Skylink-Debakels um Einigkeit bemüht. Intern sieht es anders aus. Ernest Gabmann, der Vertraute von NÖ-Landeshauptmann Erwin Pröll, hofft weiter auf die Abberufung von Herbert Kaufmann und einen Zweiervorstand – mit ihm als General.

Von Silvia Jelincic und Andreas Lampl

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