Skiproduzent Head ist auf der Überholspur

Das einstige Sorgenkind Head mausert sich zum Ski der Stars. Die Umsätze ziehen wieder an, der Turnaround scheint geglückt. Fischer ist schon überholt, jetzt wird Marktführer Atomic attackiert.

Spätestens Anfang Oktober beginnt normalerweise das große Wehklagen. Die Schneelage lässt zu wünschen übrig, wahrscheinlich können die Skigebiete gar nicht wie geplant aufsperren. Das lauteste Jammern ist zumeist von der Skiindustrie zu vernehmen. Unisono erwarten die Skihersteller bestenfalls stagnierende Umsätze und rote Zahlen.

Heuer allerdings bietet sich den Skifans ein gänzlich anderes Bild: In Sölden, wo der Weltcup-Auftakt kommendes Wochenende stattfindet, sind die Pistenverhältnisse so gut wie schon jahrelang nicht mehr, lassen die Rennleiter ausrichten. Und auch das kollektive Klagen der Skiproduzenten ist weitgehend verstummt. Die Bestellungen laufen gut, statt 3,1 Millionen verkaufter Ski im Vorjahr sollen es heuer immerhin 3,4 Millionen Ski weltweit sein. Auch in Österreich dürfte der Absatz von mageren 350.000 auf 370.000 anwachsen, lauten die Prognosen.

Die Marke der Stars

Eine der großen heimischen Skifirmen hat aber heuer besonders gut lachen – Head hat bereits vor Beginn der Saison gewonnen, denn das Unternehmen konnte ein paar internationale Top-Shots an Land ziehen: Von drei Größen, die Head holen wollte, haben dem Drängen zwei tatsächlich nachgegeben und sind umgestiegen. Der norwegische Vorjahres-Weltcupsieger Aksel Lund Svindal und der US-Slalomstar Ted Ligety haben ihre Skimarke gewechselt. Der Dritte, Allround-Genie Benjamin Raich, hat im letzten Moment zurückgezogen und bleibt nun doch bei seinen Atomic-Latten.

Bob Koch, Head-Austria-Chef, ist zufrieden: „Viele Fahrer drängen zu uns, weil unser Ski qualitativ so gut ist.“ Warum man Raich dann nicht bezirzen konnte? „Irgendwann sind die Ressourcen nicht mehr da“, meint Koch lapidar. Denn für ein Kaliber à la Raich muss eine Skifirma geschätzte 800.000 Euro pro Saison hinblättern, zumal er ja jede Disziplin fährt und die Head-Ski damit oft im Bild zu sehen sind. Nur wenig unter diesem Niveau dürfte sich das Honorar für die beste Skirennläuferin der Welt, Lindsey Vonn, einpendeln, die bei Head bis 2014 unter Vertrag ist.

Sichere Nummer zwei

Zusätzlich zur Freude über das Staraufgebot liefert auch die Head-Bilanz Grund zum Jubeln: Denn im vergangenen Jahr konnte der Skiproduzent – als Einziger in der Branche – schwarze Zahlen schreiben. Und das sogar deutlich: Die Head Holding erwirtschaftete 10,4 Millionen Euro Gewinn, ein Jahr zuvor stand noch ein Minus vor dem Ergebnis. Auch die Schulden konnten durch Umschuldung und einen Zuschuss von Eigentümer Johan Eliasch (besitzt mehr als 50 Prozent der Aktien) um mehr als 40 Millionen Euro reduziert werden. Finanzchef Ralf Bernhart erklärt das verbesserte Ergebnis: „Wir haben unsere Restrukturierungsaufgaben gemacht, und die Verkäufe ziehen auch wieder an.“ Das hat dazu geführt, dass Head in Österreich Fischer als Nummer zwei am Markt abgelöst hat und sich nun mit Atomic um Rang eins matcht. Der Marktanteil von Atomic wird auf 23 Prozent, jener von Head auf 20 Prozent geschätzt.

Die Restrukturierung bekamen vor allem die Mitarbeiter im Werk Kennelbach zu spüren. Sukzessive wanderte die Produktion aus Vorarlberg ins billigere Tschechien. Ähnliche Sparmaßnahmen gab es bei Head auch anderswo: in der Tennisballproduktion, wo China vor den USA als Produktionsland der Vorzug gegeben wurde, oder beim Tauchsport, wo Teile der Produktion aus Italien nach Bulgarien wanderten. Für Österreich bedeutete das eine Personaleinsparung von 2008 auf 2009 von 587 auf 509 Leute, weltweit gingen die Head-Jobs von 2.360 auf 2.000 zurück.

Das wird – trotz Profit – so weitergehen, ist dem Konzernbericht zu entnehmen: „Das Unternehmen sucht nach weiteren Möglichkeiten, seine Produkte in Low-Cost-Ländern herzustellen.“ Bernhart gibt für den Standort Österreich aber Entwarnung: „Die höherpreisigen Ski werden immer in Österreich erzeugt werden. Auch Forschung und Strategie bleiben hier.“

Die Forschung war es auch, die Head heuer eine Weltneuheit beschert hat: Im Ski eingebaut ist ein Chip, der beim Fahren für zusätzliche Energie sorgen soll. Diese „KERS“ genannte Technologie ist in der Formel 1 schon im Einsatz. Koch räumt ein: „Billig ist das nicht.“ Heißt: Unter 500 Euro bekommt man den Chip-Ski nicht. Head-Eigentümer Johan Eliasch glaubt dennoch nicht, dass Ski für die breite Masse unerschwinglich werden: „Verglichen mit den Preisen für Ski vor 30 Jahren und in Anbetracht der Inflation, sind Ski heute eigentlich sehr billig. Eigentlich finde ich, wir verkaufen unsere Ski zu billig.“

Zu teuer oder nicht, der Skiindustrie ist klar, dass ihr Potenzial nach oben begrenzt ist. Als einen der Wachstumsmärkte hat Head aber die USA ausgemacht. Denn während 65 Prozent aller Ski in Europa verkauft werden, macht der amerikanische Markt gerade einmal 26 Prozent aus. Gut, dass Head die US-Stars Lindsey Vonn und Bode Miller unter Vertrag hat.

– Angelika Kramer

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff