Showdown der Bawag-Banker: Ex-General Helmut Elsner kämpft gegen Wolfgang Flöttl

Ex-Banker Helmut Elsner macht seit seiner Haftentlassung gegen den Bawag-Zocker Wolfgang Flöttl mobil. Mit Erfolg: 2012 steht dieser gemeinsam mit Ex-Bawag-Vorständen vor Gericht.

Die Jahre im Gefängnis mögen an Gesicht und Körper Spuren hinterlassen haben. Wille, Durchsetzungskraft und die ihm eigene Portion Sturheit blieben aber unberührt. Wer dieser Tage mit Helmut Elsner spricht, hat das Gefühl, noch immer mit dem Generaldirektor einer führenden Bank zu sprechen. Nach seinem Kampf um die Freiheit führt er in diesen Tagen und Wochen einen Kampf um die Gerechtigkeit. Dass er, der einst so mächtige Gewerkschaftsbanker, die Suppe aus Milliardenverlusten, irrwitzigen Spekulationen Flöttls und undurchsichtigen Finanzkonstrukten allein auslöffeln musste, wurmt ihn im tiefsten Inneren. Die Schuldigen hat er längst ausgemacht: die Justiz in Person seiner Richterin, der späteren Ministerin Claudia Bandion-Ortner, und vor allem Wolfgang Flöttl.

Elsner brütet stundenlang über Gerichtsakten, schafft Unterlagen aus den USA heran und versorgt seine Anwälte mit Details und Hintergrundwissen aus dem Innersten der früheren Gewerkschaftsbank Bawag. Sein Ziel ist klar: Er will beweisen, dass die gigantischen Verluste an Bawag-Geldern nicht seine Schuld waren, sondern die des einstigen Börsenstars Flöttl. Einen ersten Erfolg konnte Elsner bereits erringen: Flöttl und nicht er selbst muss 2012 wieder auf der harten Anklagebank Platz nehmen.

Krieg und Frieden

Dabei könnte es Elsner durchaus gemütlicher angehen. Wenn auch seine Konten eingefroren sind und der Zugriff auf die südfranzösische Villa nicht möglich ist – der Ex-Generaldirektor könnte durchaus seinen kleinen Luxus genießen: Wohnung am Ring, Imbiss an der Mole West am Neusiedler See und ein wenig Hochkultur. Elsner hütet sich allerdings vor allzu ausschweifendem Lebenswandel, um nicht Gerüchte über Widersprüche zwischen Haftunfähigkeit und Besuchen in Nobelrestaurants aufkommen zu lassen. Unterstützt wird er bei seinem Feldzug gegen Flöttl mit enormem Einsatz von seiner Frau Ruth.

Der ins Visier genommene Flöttl genoss in den letzten Jahren seinen Frieden jenseits des Atlantiks. Doch spätestens seit der offiziellen Ankündigung der Wiener Staatsanwaltschaft, ihn nochmals wegen Untreue vor Gericht zu stellen, brennt im Luxus-Apartment 8D an der Park Avenue der Hut. Denn die Anklage, betreffend die Fakten „Ophelia Teil 1“ und „Capper“ (Schaden: 80 Millionen Dollar bzw. 20 Millionen Euro), wird aufrechterhalten. Im schlimmsten Fall drohen Flöttl zehn Jahre Haft. Es gilt die Unschuldsvermutung. Bislang verwies Flöttl in telefonischen Anfragen konsequent auf seinen Anwalt Herbert Eichenseder, der seinerseits betont gelassen reagierte. Nun zeigt sich der Flöttl-Anwalt enttäuscht, dass das Verfahren nicht eingestellt wurde, meint aber: „Ich plädiere auf Freispruch.“

Schuld und Sühne

Demgegenüber setzt der passionierte Schachspieler Elsner auf einen Überraschungsangriff und wirft beide Türme in die Schlacht, um Flöttl in eine ausweglose Situation zu bringen.

Laut FORMAT und mittlerweile auch der Staatsanwaltschaft vorliegenden Unterlagen soll nämlich Flöttl im Prozess gefälschte Unterlagen vorgelegt haben. Untermauert wird dies mit Bedenken von FMA, Finanzministerium, Wirtschaftsprüfern und Nationalbank gegenüber der Verlustdarstellung Flöttls.

Neue, nicht im Prozess eingebrachte Unterlagen sollen darauf hinweisen, dass Flöttl die Bawag über die tatsächlich von ihm getätigten Geschäfte getäuscht hat. Auch Wertbestätigungen von Flöttl aus der letzten Phase der Spekulationen im Jahr 2000 können laut Elsner nicht der Wahrheit entsprechen, da drei von mindestens sechs Broker-Konten noch Guthaben von mehr als 150 Mio. Dollar aufweisen. Flöttl soll zudem Teile seines der Bawag überschriebenen Vermögens nicht zugunsten der Bank verwertet haben.

FORMAT liegen zudem Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass die Bawag nach dem Verkauf an den US-Fonds Cerberus nicht mehr an der Aufklärung des Verbleibs des Flöttl-Vermögens interessiert war. Elsner fasst dies alles zusammen und hält die Anklagepunkte gegen Flöttl für unzureichend. Er fordert eine Ausweitung des Verfahrens, ergänzt um den Vorwurf des Betrugs.

Ein Aufeinandertreffen der Bawag-Old-Boys vor Gericht scheint unausweichlich, obwohl Flöttls Anwalt auf Elsner als Zeugen verzichten will. Ein Vorhaben, das kaum gelingen dürfte.

– Florian Horcicka

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