Serie: "Mit unseren Bossen im Osten"
Teil 5: bauMax-Chef Martin Essl in Ungarn

Die Essls waren die Ersten in ­Ungarn, gleich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Den Absturz der ungarischen Wirtschaft kontert bauMax jetzt mit Tiefpreisen und Heimwerkerkursen.

Auf den ersten Blick ist kein Unterschied erkennbar. Da wie dort gibt es Marken­ware, da wie dort arbeiten Mitarbeiter mit Handicap (siehe auch Eine Million für soziales Engagement ) , da wie dort stehen Mittelklassewagen auf den Parkplätzen. Nur die Preise sind statt in Euro in Forint angeschrieben. „Marketingkonzept und Leitbild sind für alle ­Baumärkte in Österreich und Ungarn gleich“, sagt bauMax-Chef Martin Essl. Der Unternehmer gilt als Pionier am ungarischen Markt. Vor zwei Jahrzehnten startete er im Land der Puszta die Expansion der Klosterneuburger Baumarktkette. Essl hat gelernt, mit den Problemen, die den ungarischen Markt nicht erst seit der Finanzkrise plagen, gut umzugehen. Sein Motto, um schwierige Zeiten zu durch­tauchen: „In jedem Problem steckt auch eine Chance.“ Die müsse allerdings erst erkannt werden, gesteht der 48-Jährige.

Geschäftemachen auf Ungarisch  
Martin Essl scheint bei den Ungarn beliebt zu sein – und sei es, weil er der Chef im Haus ist. Betritt er die Filiale in Csepel bei Budapest, wird er von seinen Mitarbeitern umringt. Essl nimmt sich geduldig Zeit für deren Anliegen, schüttelt ihnen die Hand, tauscht Informationen aus. Eine Verkäuferin führt ihn in die Baustoffabteilung zu den Abflussrohren. Kunden hätten sich über den Preis beschwert, er sei zu hoch, teilt sie ihrem Chef mit. „Wir werden das prüfen“, verspricht Essl. Solche Szenen sind dem bauMax-Chef vertraut, weil er immer möglichst dicht am Geschehen sein will. Das war schon vor zwei Jahrzehnten so, als bauMax als erste Bauhandelskette in Ungarn Fuß fasste. „Nachdem Mitte der 80er-Jahre eine ­Sättigung am österreichischen Markt absehbar war, wollten wir nach Bayern, in die Schweiz oder nach Norditalien gehen“, erzählt Essl. Doch während dieser Über­legungen fiel 1989 die Mauer. „Plötzlich ist eine Illusion wahr geworden – der Kommunismus brach in sich zusammen, und Österreich war nicht mehr Grenzland, sondern die Mitte Europas“, erinnert sich Essl.

Von der Provinz in die Stadt
Damals spürte er, dass in Osteuropa die Nachfrage nach Baumaterialien wesentlich größer sein würde als in jedem anderen westlichen Land. So versuchte der Unternehmer, seine Baumärkte zunächst in ­Ungarn zu etablieren. Freilich ging das nicht immer ohne Schwierigkeiten. „Nach dem Kommunismus befand sich die Bevölkerung in einer Orientierungsphase. Viele Menschen mussten sich erst daran gewöhnen, nach Regeln zu arbeiten. Unsere ersten Mitarbeiter haben wir deshalb in Österreich ausgebildet“, so Essl. Diese Zeiten haben sich geändert. Heute werden in Ungarn längst Mitarbeiter für rumäni­sche Baumärkte geschult. Herausforderungen muss sich Essl aber nach wie vor stellen: Zum Beispiel gilt es, Genehmigungsverfahren für Standorte in Hauptstädten zu bestehen. „Deswegen eröffnen wir zunächst Standorte in der ­Provinz. Erst danach gelangen wir an die ­Filetstücke in den Hauptstädten. Das vereinfacht die Verfahren, weil man uns dann schon kennt. Ein schlechter Standort kann bis zu 30 Prozent des Umsat­zes kosten“, so Essl. Der nächs­te bauMax-Shop soll schon bald in Budapest im zwanzigsten ­Bezirk, im südlichen Teil von Pest, an der Donau, eröffnet werden. „Dann ist erst einmal Pause. Wir können in wirtschaftlich turbulenten Zeiten nicht mit dem ­Panzer durch Ungarn fahren“, sagt Essl.

Flaute in der Geldbörse  
Seit Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise sind nahezu alle Daten der ungarischen Volkswirtschaft abgestürzt. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) rechnet für 2009 mit einem BIP-Rückgang von 6,5 Prozent. Für den bauMax-Chef fällt diese Prognose immer noch deutlich zu mild aus: „Das BIP geht jetzt schon zweistellig zurück.“ Die Talfahrt dürfte noch mindestens ein Jahr anhalten. 2010 soll der BIP-Rückgang laut wiiw 1,5 Prozent betragen. Die ­Maßnahmenpakete der Regierung, wie die kürzliche Mehrwertsteueranhebung von 20 auf 25 Prozent, tun ihr Übriges zur Kaufkraftschwächung der ungarischen Be­völkerung. „In den nächsten drei bis fünf ­Jahren erwarte ich keine grundsätzliche Er­holung“, zeichnet Essl ein düsteres Bild.

bauMax kontert
Ein möglicher Lichtblick könnte die Parlamentswahl sein, die spätestens im Frühjahr 2010 über die Bühne geht. „Die Pattstellung der aktuellen Regierungspartner hindert das gesamte Land an der Weiterentwicklung“, echauffiert sich Essl. Der bauMax-Chef kontert die schwierige Wirtschaftslage nun mit Tiefpreis­garantie und Heimwerkerkursen. „Unser größter Konkurrent sind die schmalen Brieftaschen der Ungarn“, so Essl. So ist der bauMax-Umsatz in Ungarn zweistellig rückläufig. Essl übt sich dennoch in Optimismus: „Ein Nest müssen sich die Menschen immer bauen, und wir profitieren davon, dass viele Leute jetzt lieber selbst Hand anlegen.“ Auf den zweiten Blick werden die ­Unterschiede also immer spürbarer. So kaufen die Österreicher im Vergleich zu den Ungarn noch immer fleißig ein.

Von Carolina Burger / Budapest

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