Selfmade-Milliardär Donald Trump will neuer US-Präsident werden

Multimilliardär Donald Trump will jetzt US-Präsident werden. Seine Erfolge als Unternehmer führt er als Beweis an, dass er ein fantastischer Präsident sein würde. Die Amerikaner glauben ihm das noch nicht ganz.

Dichter Nebel liegt über dem kleinen Flughafen in Portsmouth. Mit viel Lärm landet der Hubschrauber mit den großen weißen Buchstaben auf der Seite: TRUMP. Der Wind bläst den zahlreichen Zuschauern ins Gesicht. Die Türen öffnen sich, ein junger Mann im Anzug springt heraus und legt einen roten Teppich vor den Helikopter. Heraus kommt Donald Trump, das rotblonde Haar durchgewirbelt von den noch sich drehenden Rotoren. Er läuft ein paar Schritte durchs Blitzlichtgewitter zu einem Podest mit Mikrofon. Rund hundert Journalisten, Fotografen, Kameraleute und Blogger drängen sich vor der Absperrung.

Was für ein Auftritt. So etwas hat das kleine Städtchen in New Hampshire noch nicht gesehen. An diesem verhangenen Apriltag ist das Interesse an dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten allerdings aus einem besonderen Grund groß. Präsident Barack Obama veröffentlichte am Vortag seine Geburtsurkunde – und gab damit einer Forderung von Trump nach. Nach dessen Meinung war Präsident Barack Obama in Kenia geboren – nach der US-Verfassung muss aber der oberste Staatslenker in Amerika zur Welt gekommen sein. „Ich bin heute sehr stolz auf mich“, sagt Trump, „was niemand zuvor schaffte, habe ich hinbekommen – der Präsident hat seine Urkunde veröffentlicht!“

Meister der Selbstinszenierung

Die Szene sagt viel über Trump aus. Der 65-Jährige ist ein Meister der Selbstinszenierung, klopft sich selbst gern auf die Schulter und spricht bevorzugt in Superlativen. Erstaunlich ist, wie erfolgreich der Mann damit ist – sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. Lange Zeit lag Trump von allen Präsidentschaftskandidaten in der Wählergunst der Republikanischen Partei ganz vorne. Vor allem mit Immobiliengeschäften erarbeitete er sich ein beträchtliches Vermögen. Pressekonferenzen, TV-Show, Hochhäuser, Parfum, Herrenmode – unermüdlich baut er seinen Namen zu einer florierenden Marke aus.

Allerdings hat Trumps Methode Grenzen. Geschäftspartner beschweren sich über seine schlechte Zahlungsmoral, Investoren fürchten sich vor seinen zahlreichen Bankrotten, und Konkurrenten machen sich lustig über seine Angebereien.

Selfmade-Milliardär

Die Familie von Trump stammt aus Deutschland. Sein Urgroßvater wanderte 1885 aus dem rheinland-pfälzischen Kallstadt aus, um der Armut und dem Militärdienst zu entgehen. Anfang der 20. Jahrhunderts änderte man den Namen von ursprünglich Drumpf auf Trump – was ins Deutsche übersetzt Trumpf heißt. „Kann man einen besseren Nachnamen haben?“, fragt Donald Trump gerne rhetorisch.

Vater Fred C. Trump war ein kluger Geschäftsmann. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute er ein Immobilienimperium in New York auf, das vor allem aus Eigenheimen und Wohnungen bestand. Der Vater teilte das Vermögen unter seinen vier Kindern zu gleichen Teilen auf. Donald Trump erhielt geschätzte 35 Millionen Dollar. Das Immobilienhandwerk lernte er nach seinem Wirtschaftsstudium bei seinem Vater. Mit 25 Jahren machte er sich selbständig. Berühmt wurde er in den Achtzigerjahren mit dem Commodore Hotel. Das Gebäude in der Nähe vom Grand Central baute er in das Glitzerhotel Grand Hyatt um. Als Nächstes kaufte Trump die Edelimmobilie Plaza Hotel am Central Park und einige Kasinos in Atlantic City.

Immobilien-Tycoon

Der Zeitpunkt war gut gewählt. New York stand damals kurz vor dem Bankrott; mit Pornokinos am Times Square und Drogenabhängigen im Central Park wollte niemand in der Stadt wohnen. Die Preise waren niedrig. Mit der Aktienhausse nach 1982 wendete sich das Blatt. Es folgte ein Immobilienboom der Sonderklasse. Trump ging es so gut, dass er 1989 sogar die Landerechte und einige Flugzeuge kaufte und die Trump Shuttle Airline gründete.

Ende der Achtzigerjahre kam es dann zum Immobiliencrash. Trump musste Gebäude wie das Plaza Hotel verkaufen, um seine Schulden zu bedienen. Für seine drei Kasinos meldete er Bankrott an, die Fluglinie machte 1992 dicht. Damit war der Immobilienbesitzer Trump gestorben.

Der erfand sich neu. Im Tausch für sein Namensrecht zahlten Immobilienentwickler eine Gebühr und beteiligten ihn prozentual am Geschäftserfolg. Das hatte es in der Branche zuvor nicht gegeben. Das für Trump lukrative Konzept ging auf. Wohnungen und Büros in Gebäuden mit dem Namen „Trump“ verkaufen sich besser und teurer.

Heute ist Trump an weltweit rund 50 Immobilienprojekten beteiligt. Einige davon, wie Trump International Hotel and Tower in Honolulu, entwickeln sich trotz Finanzkrise prächtig. Bei anderen dagegen verkaufen sich die Wohnungen wie im Trump SoHo Hotel in New York oder im Trump International Hotel and Tower in Chicago schleppend. Zahlreiche Klagen wegen falscher Verkaufszahlen oder Kreditausfälle folgten.

Die Marke „Trump“

Bei Immobilienprojekten nur seinen Namen zu geben hat viele Vorteile. Man steht weniger im Risiko, muss nicht selbst Hand anlegen, und man kassiert lukrative Gebühren. Die fallen umso höher aus, je stärker die Marke ist. Also setzt Trump alles daran, seine Bekanntheit zu steigern. Der Logik folgte auch seine TV-Realityserie „The Apprentice“, in der eine Reihe von jungen Geschäftsleuten um die Gunst Trumps buhlen. Die Realityserie entpuppte sich 2004 als Überraschungserfolg und läuft derzeit in der elften Folge.

Die Marke „Trump“ übertrug der Geschäftsmann nicht nur auf Luxuswohnungen. In amerikanischen Kaufhäusern kann man Uhren, Schokolade, Krawatten und Dutzende andere Trump-Produkte kaufen. Ihm gehören acht Golfplätze in den USA, ein neunter Platz befindet sich in Schottland im Bau. In Virginia ersteigerte er vor wenigen Wochen für sechs Millionen Dollar eine Winzerei. Sein Plan ist leicht zu erraten: eine Weinmarke „Trump“ aufzubauen. Der Name ist überall, aber nicht überall ist Trump drin. Die vielen Lizenzen machen eine Schätzung seines Vermögens schwierig.

Der Amerikaner nimmt die Sache todernst

In seinen Wahlreden führt er seinen Erfolg als Beweis dafür an, dass er ein fantastischer Präsident sein würde. Vor Jahren verklagte er Timothy O’Brien, der ein Buch über ihn geschrieben hatte, auf Schadenersatz von fünf Milliarden Dollar. Der Reporter der „New York Times“ hatte es gewagt, Trumps Vermögen auf nur 250 Millionen Dollar zu schätzen. Der Amerikaner selbst beziffert es auf „mehr als sieben Milliarden Dollar, mit mehreren Hundert Millionen Dollar in Cash“. „Forbes“ geht in seinem Ranking von nur 2,7 Milliarden Dollar aus. Vor Gericht wurde Trump gefragt, ob er in Interviews seinen Reichtum übertrieben hoch darstellen würde. Trump antwortete: „Das macht doch jeder.“ Die Klage wurde abgewiesen.

Im Privatleben hetzt Trump ebenfalls von Deal zu Deal. 1977 heiratete er das Model Ivana Zelnicek, die es 1972 als Ersatzfahrerin in die tschechische Ski-Olympiamannschaft geschafft hatte. Alle drei Kinder aus der Ehe arbeiten heute für ihren Vater. Am bekanntesten ist Ivanka Trump, die regelmäßig in Klatschblättern zu finden ist und in der TV-Serie „The Apprentice“ als Jurorin auftritt. Anfang der Neunzigerjahre hatte Trump eine Affäre mit Schauspielsternchen Marla Maples. Ein Jahr nach der Scheidung heirateten die beiden, wenig später brachte Maples eine Tochter zur Welt. Die Ehe hielt bis 1999. Sechs Jahre später sagte Trump wieder Ja. Die Auserwählte war diesmal Melania Knauss. Das slowenische Model ist 24 Jahre jünger als ihr Ehemann und brachte 2007 einen Buben zur Welt, Trumps fünftes Kind.

Keine Frage: Würde Trump die Präsidentschaftswahlen im November 2012 gewinnen, dann wäre Melania Trump „die bestaussehende First Lady aller Zeiten“, wie die Website Sodahead in einer Nutzerumfrage herausfand.

Aber dafür stehen die Chancen nicht gut. Die Veröffentlichung der Geburtsurkunde beendete zum Leidwesen von Trump alle Gerüchte um die Herkunft Obamas. Bei der Pressekonferenz schoss der Präsident indirekt auf Trump: „Wir werden unsere Probleme nicht lösen können, wenn wir uns von Nebensächlichkeiten und Jahrmarktschreiern ablenken lassen.“ Die Worte gewannen wenige Tage später an Gewicht, als ein US-Geheimkommando in Pakistan Terrorist Osama bin Laden erschoss und die Umfragewerte von Obama nach oben schnellten.

Die Zustimmungsrate von Trump fiel laut dem Umfrageinstitut Public Policy Polling von 26 Prozent auf acht Prozent. Damit liegt er auf Platz sieben von acht republikanischen Kandidaten. Die Zahlen sprechen für sich. Wie sagt Trump doch immer so schön in seiner TV-Sendung: „You are fired.“

– Thomas Jahn, New York

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