Schweizer-Kracher: 131 Anleger gingen dubiosem Immobilieninvestment auf den Leim

Der Kauf von Wohnungen in Wien brachte 131 Schweizern herbe Verluste. Nun folgte eine Strafanzeige. Steuerberater in der Causa war Exfinanzminister Andreas Staribacher.

Am 10. März 2005 war für Phillip P. die Welt noch in Ordnung. Damals reiste der Schweizer nach Bregenz, um den Kaufvertrag für seine Wiener Vorsorgewohnung zu unterschreiben. Die Geldanlage schien viel versprechend, weil keine Eigenmittel verlangt wurden. Der Anbieter der Vorsorgewohnung präsentierte Komplettverträge, Finanzierung und Steuerberatung inklusive.

Doch das vermeintliche Schnäppchen wurde zu einem finanziellen Desaster, in das neben Phillip P. noch weitere 130 Schweizer schlitterten. Wie aus FORMAT vorliegenden Unterlagen ersichtlich ist, erwiesen sich die Modellrechnungen
als viel zu optimistisch. Die ­geschädigten Anleger haben nun durch die Anwaltskanzlei Ozlberger Strafanzeige beim Wiener Landesgericht erstattet. Es geht um einen Schaden von 13 Millionen Euro. Die Anbieter von damals, unter anderem die FIAG Finanzierungsberatung, sind in Konkurs.

Die Anzeige richtet sich gegen deren Gesellschafter, aber auch gegen österreichische Banken: etwa Oberbank, Steiermärkische Sparkasse und die Bank für Ärzte und freie Berufe.

Mogelpackung  

Exfinanzminister Andreas Staribacher gerät ebenfalls unter Beschuss, weil seine Steuerberatungskanzlei für die Verkäufer der Wohnungen beratend tätig war. Angelockt wurden kaufwillige Eidgenossen laut Anzeige „mit dem Versprechen, sie können ohne jede Anzahlung und ohne laufende Zahlungen ... eine Wohnung in Österreich erwerben. Möglich wäre dies durch sehr niedrige Kreditzinsen, die durch die Mieteinnahmen gedeckt wären, und durch einen steuerlichen Vorteil.“
Als zusätzlichen Kaufanreiz bekamen viele Anleger nach Unterschrift des Kaufvertrages eine „Akquisitionsprämie“, die zwischen vier und sechs Prozent des Kaufpreises erreichte.

Billig war das Projekt allenfalls für Schweizer Verhältnisse: Bis zu 4.700 Euro muss­ten die Kunden pro Quadratmeter lockermachen – laut Strafanzeige bis zu 200 Prozent über dem tatsächlichen Verkehrswert.

Trotz der ungewöhnlichen Konditionen gewährten fünf heimische Banken eine hundertprozentige Finanzierung. Haken an der Rechnung: Als Eigenmittelanteil für den Kredit war die erhoffte Umsatzsteuer-Refundierung durch den Fiskus vorgesehen. Dieser befand aber, dass die Wohnungen selbst nach 20 Jahren keine Gewinne abwerfen würden, und stufte den Kauf als Liebhaberei ein. Folglich blieb die Rückvergütung aus.

Staribacher erfolglos  

Um das Finanzamt umzustimmen, engagierten die Verkäufer der Vorsorgewohnungen Exminis­ter Staribacher. Allerdings haben selbst seine guten Kontakte keine Früchte getragen. Staribacher möchte zur Causa nicht Stellung nehmen. Irgendwie verständlich, denn laut Ermittlern soll noch ein Teil seines Honorars ausständig sein.

Nicht ausgeschlossen, dass auch die von Rechtsanwalt Ozlberger vertretenen Schweizer Kleinanleger auf der Strecke bleiben. Der Advokat strebt nun mit den involvierten Kreditinstituten eine Lösung an: „Die Banken haben bei diesem unseriösen Spiel mitgemacht und sollten daher die Verantwortung tragen. Mit der Sparkasse Horn und der Steier­märkischen Sparkasse sind die Verhandlungen schon weit gediehen. Auch mit der Oberbank ist eine Einigung wahrscheinlich.“
Trostpflaster: Etwa 38 Schweizer, die ihren Kredit bei der Bank Austria aufnahmen, stiegen ohne Verlust aus. 2009 hat die Bank die letzten Vorsorgewohnungen veräußert und den geschädigten Schweizern ihre Schulden erlassen. Zu den Glücklichen, die noch einmal glimpflich davonkamen, zählt auch Phillip P.

Carolina Burger

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff