Schöne Bescherung für den Handel: Zu Weihnachten wird Konsumflaute erwartet

Konsumflaute: leere Kaufhäuser, leere Kassen. ­Österreichs Kaufleute rechnen im heurigen ­Weihnachtsgeschäft mit herben Umsatzeinbrüchen.

Rauschende Feste können Österreichs Kaufleute schon lange nicht mehr feiern. Mit Ausnahme der Luxusgüterhändler verzeichnen viele Branchen seit Jahren schwächelnde Umsätze und magere Gewinne. An fette Zeiten kann sich heute so gut wie niemand mehr erinnern. „Viele sind schon froh, überhaupt über die Runden zu kommen“, sagt Rudolf Richter, Chef der Wiener Ringstraßen-Galerien.

Wenig Vorweihnachtsfreude
Weihnachten hat große wie kleine Händler bislang mit Hoffnung erfüllt, galt als Garant für zumindest halb volle Kassen zu Jahresende – Zeiten, die nun passé scheinen. Seit Wochen schon versprühen Österreichs Händler Zweckoptimismus, hoffen auf ein vorweihnachtliches Wunder, doch hinter vorgehaltener Hand ist bereits die Rede von deutlichen Umsatzeinbrüchen. In Zahlen: Wurden in den letzten Jahren noch leichte Zuwächse erzielt und 2007 immerhin 1,4 Milliarden Euro für Weihnachtsgeschenke ausgegeben, könnte es heuer erstmals ein Minus geben – Experten gehen gar von drei Prozent aus. „Alles über drei Prozent wäre eine Katastrophe, daran will ich nicht einmal denken“, sagt WKÖ-Mann Erich Lemler.

Finanzkrise ängstigt Konsumenten
Grund für die schwindenden Erlöse ist das wegen der Finanzkrise zunehmend spröde Konsumverhalten der Bürger. Doch auch die mit 3,7 Prozent hohe Inflationsrate und die vergleichsweise bescheidenen Lohnerhöhungen (von 1996 bis 2007 sind die Nettoeinkommen der unselbständigen Arbeitnehmer nur um 0,2 Prozent gewachsen) lassen die Österreicher einen Bogen um die Shops machen. Lemler will kalmieren: „Die Angst ist fehl am Platz. Gerade jetzt sollte man einkaufen gehen.“ Ebenso wie WU-Professor Peter Schnedlitz stellt Lemler die Vorzüge des Shoppens in den Vordergrund und meint: „Wenn man etwas Schönes einkaufen geht, investiert man in die Zukunft, in die eigene und in die Österreichs.“

Umsatzminus von 1,2 Prozent
Handlungsbedarf besteht tatsächlich: Bereits im ersten Halbjahr wurde ein reales Umsatzminus von 1,2 Prozent verzeichnet, und das zweite wird laut Lemler „wesentlich schwieriger“, woran auch Weihnachten erstmals nichts zu ändern vermag. Sogar der sonst mit seinen Prognosen eher zurückhaltende langjährige Geschäftsführer der KMU Forschung Austria, Peter Voithofer, ließ am Dienstag via Aussendung verkünden, dass die Krise auf den Finanzmärkten die Kauflaune der Konsumenten trübe. „Die nächsten Wochen werden entscheiden, wie es im Einzelhandel weitergeht“, so der Experte mit Verweis auf die derzeit laufenden Re­gierungsverhandlungen zum Konjunkturpaket bzw. steuerlichen Maßnahmen zur Ankurbelung der Nachfrage. „Auch die aktuellen Kollektivvertragsverhandlungen spielen eine Rolle.“

eBay unter Druck
Eines der prominentesten Opfer der kränkelnden Weltwirtschaft ist die Online-Plattform eBay: Erst zu Monatsbeginn gab das US-Auktionshaus bekannt, 1.600 Stellen und damit jeden zehnten Arbeitsplatz zu streichen. Davon betroffen sind alle 12 Mitarbeiter in Österreich, die Niederlassung in Wien wird aufgelöst. Die Verkäufe über eBay laufen wegen veränderter Rahmenbedingungen schon seit geraumer Zeit nicht mehr so gut, auch von der Adventzeit erwartet man sich längst keine Wunder mehr.

Einbruch bei Online-Käufen erwartet
Eine FORMAT exklusiv vorliegende, von eBay in Auftrag gegebene marketagent.com-Umfrage unter 500 Österreichern zeigt, dass heuer nur 39,2 Prozent der Befragten ihre Weihnachtseinkäufe auf jeden Fall im Internet tätigen werden, 2007 haben noch 51,8 Prozent online geshoppt. 24 Prozent werden heuer sicher nicht im Netz shoppen, 36,8 Prozent sind noch unentschlossen. Immerhin wollen heuer 61,5 Prozent gleich viel Geld ausgeben wie im Vorjahr, 14,9 Prozent weniger, 23,6 Prozent mehr (der durchschnittliche Online-Shopper gibt im Advent 139 Euro aus). Vor allem Bücher (51 Prozent), CDs und DVDs (50 Prozent), aber auch Spielzeug (33,8 Prozent) sind angesagt. Der Weihnachtsmann kommt also doch noch zum Einsatz, wenn auch nur Teilzeit.

Von Silvia Jelincic

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