Schnäppchenjäger auf Jagd nach Firmen:
Unternehmen dank Krise so billig wie nie

Als Folge der Krise sind Österreichs Firmen so billig wie nie. "Heuschrecken" freut das: Sie wollen 2009 auf Shoppingtour gehen.

Unternehmen im Sonderangebot: Wegen der aktuellen Finanzmarktkrise befinden sich unzählige Firmen aus allen möglichen Branchen in finanziellen Nöten und suchen verzweifelt nach Geldgebern. Teil- oder Totalverkäufe werden 2009 haufenweise erwartet. Dabei kosten die Firmen nur mehr einen Bruchteil dessen, was sie noch vor wenigen Monaten wert waren – für „Heuschrecken“, wie Firmenjäger gerne genannt werden, ein gefundenes Fressen. „2009 wird ein gutes Jahr. Viele interessante Unternehmen kommen auf den Markt“, sind sich Private Equity-Investoren Michael Tojner (Buy-Out Europe), Stefan Pierer (UIAG) und Stephan Zöchling (RRS) einig.

Trend zur Eigenfinanzierung
Das Geschäftsmodell von Tojner, Pierer & Co ist schnell erklärt: Sie sammeln Geld von privaten und institutionellen Anlegern, nehmen zusätzlich Kredite auf und stellen einem Unternehmen Eigenkapital gegen Anteile zur Verfügung. Nach einigen Jahren steigen sie über die Börse oder durch Verkauf an strategische Investoren aus. An diesem Modell wird sich auch künftig nichts ändern, nur die Banken werden bei den Deals eine geringere Rolle spielen. Denn Kredite sind dafür kaum noch zu kriegen. „Die Fremdfinanzierung fällt zunehmend weg. Zu hoffen ist, dass die Firmen künftig billig genug sind, um gänzlich eigenfinanziert zu werden“, sagt Zöchling. Johannes Strohmayer von Austrian Equities nimmt es gelassen: Er ist kaum von Banken abhängig und bezieht Gelder nur von Familienstiftungen. Stefan Pierer meint, bereits in guten Zeiten vorgesorgt zu haben, um mit der UIAG sorglos auf Shoppingtour gehen zu können.

Im Visier der Heuschrecken
Im Visier haben die Fonds vor allem mittelständische Firmen. Es gibt gleich eine Reihe von Übernahmekandidaten, an denen viel Interesse besteht, darunter die zur Fischer-Gruppe gehörende Sportbekleidungsfirma Löffler. „Wahrscheinlich wird aber die gesamte Gruppe veräußert. Die Zahlen sind schlecht, Fischer geht das Geld aus“, so ein potenzieller Käufer. Die Schnäppchenjäger sind auch an der B&C-Stiftung dran, wo Anteile am Faserhersteller Lenzing, am Gummikonzern Semperit und am Bauriesen Porr geparkt sind. Erst Mitte Oktober hatte der indische Birla-Konzern der Bank Austria 1,1 Milliarden Euro für die Genussrechte an der Stiftung geboten. Jetzt wollen die Stiftungsvorstände die Genussrechte selbst erwerben. Aber es fehlt an Eigenkapital. Deshalb könnte etwa Buy-Out Europe gemeinsam mit Partnern wie der Raiffeisen Landesbank OÖ oder dem Industriellen Norbert Zimmermann helfen.

Unsichere Rechtslage
Die Laune der Firmenjäger wird derzeit nur durch eines getrübt: durch das fehlende Private-Equity-Gesetz, das Finanzminister Wilhelm Molterer erst im Frühling vorgeschlagen hat. Es soll Steuerfreiheit auf die Gewinne bei Beteiligungsverkäufen bringen. „Wir rechnen aber frühestens Ende 2009 damit“, sagt Jürgen Marchart, Chef der AVCO (Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation). Der KPMG-Steuerexperte Stefan Haslinger warnt: „Heimische Investoren sind unzufrieden und werden verstärkt im Ausland tätig.“ Tatsächlich sind viele Investoren, dar­unter Tojner, über steuerschonende Niederlassungen längst im Ausland aktiv. Vielen dient Luxemburg als Firmensitz. „Eine traurige, aber sehr verständliche Entwicklung“, kommentiert Thomas Jud, Sprecher der Invest Equity. „Bis zur Hälfte aller Beteiligungen der Fonds gehen pleite. Da ist es nur gerecht, sie aus der Steuerpflicht zu nehmen“, argumentiert Haslinger. Ob der Wunsch nach Steuerfreiheit durchgeht, steht dennoch in Frage. Auch wenn Investor Strohmayer meint: „Wir sind eher Marienkäfer, keine Heuschrecken.“

Von Silvia Jelincic

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