Schleudergefahr bei Forstinger

Schleudergefahr bei Forstinger

Wechselvoll ist ein Hilfsausdruck für die Historie der Autozubehörkette Forstinger. Seit rund zehn Jahren geht es dort nämlich rund.

Zweimal knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt, finden alle paar Jahre Gesellschafterwechsel bei Forstinger statt. Vor drei Jahren hat die Eigentümergruppe eMobile schließlich das Ruder übernommen, kurz darauf beteiligte sich die Bank Austria mit ihrer EK Mittelstandsfinanzierungs AG daran. Jetzt, wo die nötige Stabilität da ist, steht dem Aufschwung des Unternehmens nichts mehr im Wege - könnte man meinen. Doch hinter den Kulissen tobt ein gewaltiger Streit unter den Gesellschaftern.

Denn hinter dem Hauptgesellschafter eMobile stehen einige streitbare Herren: Rechtsanwalt Wolfram Themmer, Wirtschaftsberater Walter Dienstl und Norbert Gertner, Ex-Chef der Constantia Privatbank, mit seiner Tochter Tatjana. Sie beschuldigen sich gegenseitig, zu hohe Honorare in der Zusammenarbeit mit Forstinger verrechnet zu haben. Die Streitereien haben sich auch bereits auf die gerichtliche Ebene verlagert: Anträge auf Abberufung von Aufsichtsräten sind dort ebenso zu finden wie gegen Dienstl als Geschäftsführer von eMobile. Dieser sei in seiner Geschäftsgebarung sehr nachlässig, für 2011 habe er noch immer keine ordentliche Bilanz vorgelegt, lautet der Vorwurf aus dem Gesellschafterkreis.

Aus dem einstigen Freundestrio Dienstl-Themmer-Gertner, das Forstinger gemeinsam um elf Millionen Euro gekauft hat, sind mittlerweile erbitterte Feinde geworden. "Überall, wo man reinfährt, knirscht’s. Und als Aufsichtsrat muss ich natürlich allen aufklärungsbedürftigen Dingen nachgehen“, sagt Gertner, der in der Causa Immofinanz im Jänner neben Karl Petrikovics auf der Anklagebank Platz nehmen muss.

Streit statt Sanierung

Aktuell durchforsten die Geschäftsführer von Forstinger gerade auf Veranlassung des Aufsichtsrats die Beraterhonorare der letzten Jahre auf Höhe und Rechtmäßigkeit. Miteigentümer und Aufsichtsrat Themmer zeigt dafür zwar Verständnis, hat aber Angst, dass sich die Prioritäten in die falsche Richtung verschieben: "Mit all diesen Streitereien geht der Fokus verloren. So könnte ein Turnaround mitten am Weg abgewürgt werden.“

Der Geschäftsverlauf des Vorjahres gäbe Anlass zu leiser Hoffnung: Der Umsatz konnte mit 126,5 Millionen Euro nahezu stabil gehalten werden, das Betriebsergebnis in Höhe von minus 2,6 Millionen Euro war im Rahmen. Die finanzierenden Banken haben Forstinger die Frist bis Ende November 2013 erstreckt. Bis dahin muss Forstinger 21 Millionen Euro Kredit zurückzahlen. 2013 jedenfalls soll wieder ein Gewinn erwirtschaftet werden. Dienstl hofft, dass er seine Pension mit einem Verkauf von Forstinger auffetten kann: "Aber die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre bleiben wir als Gesellschafter dabei.“ Trotz der Streitereien.

Nicht dabei bleibt hingegen der 32-Prozent-Miteigentümer EK Mittelstandsfinanzierungs AG. Und neue Gesellschafter können auch neues Konfliktpotenzial mitbringen.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff