Schlammschlacht statt Vergleich - Nationalbank-Prüfbericht liegt exklusiv vor

Eine außergerichtliche Einigung ist unwahrscheinlich: Die Immofinanz-Gruppe wird gegen die Constantia B.V. klagen müssen. Es droht eine wahre Schlammschlacht.

Berater von Christine de Castel­bajac zu sein ist neuerdings kein Job auf Lebenszeit mehr. Nachdem Martin Hoyos vor wenigen Monaten Guido Schmidt-Chiari als Chef-Einflüsterer ersetzte, könnte bald wieder ein neuer Mann diese Funktion bekleiden. Rainer-Maria Schilhan hat kürzlich ein Büro am Opernring 17, dem Headquarter der Constantia Packaging AG, bezogen, wo auch die Turnauer-Tochter Castelbajac ihre Wien-Basis hat. Der gelernte Anwalt Schilhan, der seine Berufsberechtigung nach mäßig erfolgreichen Immobiliengeschäften zurückgelegt hat, gilt als Uralt-Freund der Familie Turnauer – und interessanterweise auch als Freund von Ex-Topmanager Karl Petrikovics, der Castelbajac den Immofinanz-Skandal eingebrockt hat.

Schuldenberg
Die Aktienspekulationen von Petrikovics in der Constantia Privatbank (CPB) haben die niederländische Holding von Christine de Castelbajac, die Constantia B.V., mit enormen finanziellen Verpflichtungen zurückgelassen: 512 Millionen Euro (inkl. Zinsen fast 570 Millionen) gegenüber der Immoeast; 390 Millionen (plus elf Prozent Verzinsung pro Jahr) gegenüber dem Immofinanz-Investor Rudolf Fries. Die Fronten sind mittlerweile verhärtet. Gegen Schilhan trudelte jetzt im Mai gleich einmal eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen des Vorwurfs der Untreue ein. Und Beobachter bezweifeln generell, dass mit dem Auftreten von Schilhan mehr Ordnung ins herrschende Chaos kommt. Im Gegenteil: Ein ursprünglich verhandelter außergerichtlicher Generalvergleich der Constantia B.V. mit der Immoeast und Fries ist jetzt noch unwahrscheinlicher ­geworden. Auch neue deutsche Anwälte, welche die Turnauer-Erbin engagierte, weisen auf einen harten Kurs hin.

Klage der Immofinanz-Gruppe
Alle Beteiligten bereiten sich bereits auf eine wahre Schlammschlacht bei Gericht vor, kaum noch jemand glaubt an eine gütliche Lösung. Der neue Immofinanz-Chef Eduard Zehetner, der gerade in London auf Roadshow ist, will noch einen allerletzten Verhandlungstermin mit der Constantia B.V. abwarten. Kommt da nichts heraus, wird er den Gerichtsweg beschreiten. Zehetner: „In den nächsten Tagen ­findet noch ein Gespräch statt. Läuft das nicht befriedigend, dann müssen wir in die Vollen gehen.“ Konkret gemeint ist entweder eine Klage auf Herausgabe von 512 Millionen Euro oder wahlweise eine pfandmäßige Sicherstellung von Vermögenswerten, die Castelbajac gehören. Zehetner: „Es geht ja um Geld, das uns gestohlen wurde.“ Eine Feststellungsklage in Holland hat die Immofinanz-Gruppe bereits eingebracht.

Scharf geschossen  
Die Kanzlei von Rechtsanwalt Fries hat gegen die Constantia B.V. bereits drei Klagen auf Pfandrechtseinräumung angestrengt. Außerdem ficht Fries das Finanzierungsgeschäft für 56 Millionen Immofinanz-Aktien an, das er im Sommer 2008 mit der CPB abgeschlossen hat. Weil er sich „vorsätzlich arglistig getäuscht“ fühlt. Wie es aussieht, wird Castelbajac auch den Verkauf der börsennotierten ­Constantia Packaging AG auf Eis legen. Ihrer ­Holding gehören über 90 Prozent (davon sind ­insgesamt 23 Prozent an Fries und an die Bank Austria verpfändet). Die Veräußerung von Anteilen hätte das nötige Geld für einen Vergleich bringen sollen. Das ­erübrigt sich vorerst, wenn keine Lösung zustande kommt. Interessenten für eine Mehrheit an der Packaging AG gäbe es ­einige: den britischen Fonds CVC, die von der Bank Austria gegründete B&C Stiftung, den US-Fonds Apollo mit dem Investmenthaus Vienna Capital Partners oder den österreichischen Investor ­Michael Tojner. Ein Insider glaubt: „Castelbajac hätte auch ohne den Packaging-Verkauf genug Vermögen für einen Vergleich. Aber sie will offenbar nicht zahlen.“

Geglättete Wogen
Einigung mit Bank Austria? Zwischen der Bank Austria und der Constantia B.V. zeichnet sich hingegen ein Waffenstillstand ab. Ein Kredit in Höhe von 160 Millio­nen Euro (dafür sind 12,8 Prozent an Constantia Packaging und 16,5 Prozent an der Amag an die Bank verpfändet) läuft im Sommer aus, könnte aber verlängert werden. Die Immofinanz-Gruppe versucht unterdessen eine Einigung mit dem Bankenkonsortium, dem jetzt die CPB gehört. Die operativen Bereiche der CPB werden verkauft. Zehetner soll die Rest-Bank übernehmen – inklusive der Managementverträge für Immofinanz und Immoeast, die mit 68 Millionen Euro bewertet sind, und inklusive der Klagsrisiken, die so­wieso hauptsächlich von seiner Gruppe drohen. Dafür wäre Zehetner in seinem Vorgehen gegen die Constantia B.V. frei und müsste bei der Durchsetzung seiner Ansprüche nicht jedes Mal mit den CPB-Eigentümerbanken herumstreiten.

Brisanter Prüfbericht
Er hat allen Grund, im Namen der Aktionäre von Immofinanz und Immoeast mit aller Härte vorzugehen. Denn nun kommt sukzessive ans Tageslicht, dass Petrikovics nicht nur mit ihrem Geld spekulierte, sondern dass die Immobiliengruppe der CPB über Jahre als Selbstbedienungsladen diente. Das geht auch aus dem Mitte 2008 verfassten Nationalbank-Prüfbericht hervor, der FORMAT exklusiv vorliegt. Darin ist zum Beispiel zu lesen: Aus heiterem Himmel wurden die Gebühren für Kapital­erhöhungen im Jahr 2005 von vier auf fünf Prozent erhöht, ohne dies den Aktionären und der Öffentlichkeit bekannt zu geben. Das bescherte der Bank immerhin Mehreinnahmen von 11,3 Millionen Euro. „Da diese Fees eine wesentliche Ertragsquelle für die Bank dargestellt haben, ist diese Vorgehensweise nicht mit den in § 39 Bankwesengesetz angeführten Sorgfaltspflichten eines ordentlichen Geschäfts­leiters in Einklang zu bringen“, lautete das erschreckende Resümee der Prüfer schon damals. Die Tragik für die Anleger: Von der Constantia Bank ist nichts mehr zu holen.

Von Angelika Kramer, Andreas Lampl

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