S. Wolf: "Es wird sichergestellt, dass kein Know-how unserer Kunden zu Opel abfließt"

Magna-Boss Siegfried Wolf über neue Strukturen für seinen Konzern, Kritik am Opel-Angebot, staatliche Hilfen und Risikobereitschaft.

FORMAT: Herr Wolf, sind Sie in Feierstimmung, nachdem Magna den Zuschlag für Opel bekommen hat?
Wolf: Natürlich freuen wir uns, dass wir die deutsche Regierung mit unserem Angebot überzeugen konnten. Ich freue mich auch für mein Team, das in den letzten Wochen wirklich Außerordentliches geleistet hat. Aber bis zum Closing wird es noch mindestens zwei Monate dauern. Und dann geht die Arbeit erst richtig los.
FORMAT: Was wird sich für Sie persönlich ändern? Werden Sie bei Opel direkt mitreden?
Wolf: Wir stehen bei Opel vor großen Restrukturierungsherausforderungen. Das wird natürlich auch einen Teil meiner Zeit in Anspruch nehmen. Vor allem muss ich aber neue Strukturen im Magna-Konzern schaffen: eine klare Trennung zwischen dem Zuliefer- und dem Autogeschäft.

"Klare Trennung"
FORMAT: Das heißt, es wird getrennte Organisationen für Opel und für die bisherigen Magna-Sparten geben?
Wolf: Genau. Wir müssen im Sinne unserer Kunden sicherstellen, dass es da keine Durchgriffsmöglichkeiten gibt.
FORMAT: Mister Opel wird der bisherige Chef von GM Europe, Carl-Peter Forster?
Wolf: Ja, er wird Opel leiten.
FORMAT: Akzeptieren die Kunden des Autozulieferers Magna den Opel-Einstieg? Haben Sie das abgeklärt?
Wolf: Natürlich wurde gesprochen. Aber es gibt noch Erklärungsbedarf. Wir müssen unseren Kunden das Wie und Warum des Engagements genau erläutern. Magna ist und bleibt transparent.

"Kein Know-How fließt zu Opel ab"
FORMAT: Was genau werden Sie Ihren Kunden erklären?
Wolf: Die industrielle Logik, die wir verfolgen: Wir wollen für alle günstiger anbieten. Die Veränderung in der Autoindustrie zwingt zu Volumensbündelungen. Das kann über die Hersteller selbst laufen: Zum Beispiel kooperieren Peugeot und Toyota und viele andere auch. Die Bündelung kann aber auch über Zulieferer wie Magna laufen.
FORMAT: Sie glauben nicht, dass etwa Ford und Chrysler, Ihre Hauptkunden neben GM, ein Problem haben werden?
Wolf: Ich glaube das nicht. Wir haben auch zahlreiche positive Signale von unseren Kunden. Ein Problem wäre, würde Know-how in Richtung Opel abfließen oder würden wir Opel sonstwie bevorteilen. Dies wird nicht geschehen. Wenn wir aber allen Kunden unsere Produkte künftig zu geringeren Kosten anbieten können, dann profitiert jeder davon.

"Insolvenz hilft nicht bei Visionsumsetzung"
FORMAT: Herr Wolf, der deutsche Wirtschaftsminister Guttenberg war der Meinung, dass eine Insolvenz von Opel vorzuziehen gewesen wäre. Können Sie das nachvollziehen?
Wolf: Es gibt immer unterschiedliche Sichtweisen. Natürlich wäre es zum Beispiel leichter, wäre Opel durch eine Insolvenz die Pensionsverpflichtungen los. Andererseits hilft eine Insolvenz nichts, wenn man eine Vision umsetzen will. Jetzt herrscht eine positive Stimmung, die Opel-Verkäufe gehen nach oben. Damit wäre es im Insolvenzfall vorbei, weil niemand ein Auto kauft, bei dem er um die Garantie fürchten muss. Außerdem wäre auch die Frage der Rechte heikel: In einer Insolvenz würde die amerikanische Seite die Rechte von Opel verwerten. Und es könnte ein völlig unkontrollierbarer Wettlauf einsetzen, wer am meisten dafür bezahlt.
FORMAT: Die Skepsis am Magna-Konzept können Sie verstehen?
Wolf: Die deutsche Regierung hat McKinsey beauftragt, unser Angebot zu prüfen. Das Ergebnis ist kurz gefasst: ambitioniert, aber umsetzbar. Das ist auch mir bewusst. Wir dürfen jetzt nicht in Euphorie verfallen. Wir müssen alles Punkt für Punkt abarbeiten, ohne die Kritikfähigkeit zu verlieren.

"Bürgschaft soll nicht schlagend werden"
FORMAT: Was sagen Sie zu der Vorhaltung, dass Magna praktisch kein Risiko übernimmt?
Wolf: Wir wären schnell und unbürokratisch bereit gewesen, Opel 300 Millionen Euro Liquidität zur Verfügung zu stellen, um eine Insolvenz zu verhindern. Das zeugt schon von Risikobereitschaft. Laut unserem Angebot wird Magna mit Partnern nach vier Jahren 500 Millionen Eigenkapital und 200 Millionen Darlehen bei Opel drinnenhaben.
FORMAT: Aber der deutsche Staat haftet für Milliardenkredite.
Wolf: Richtig. Aber die Bürgschaft wird in der Absicht gegeben, dass sie nicht schlagend wird. Wir müssen uns jetzt dem Wettbewerb des Vertrauens stellen, dass wir es schaffen.
FORMAT: Magna wird 20 Prozent an Opel halten, aber trotzdem die Führung innehaben?
Wolf: Wie die Beteiligungsverhältnisse genau aussehen werden, ist noch eine Sache des Feintunings mit unseren Partnern. Klar ist, wir werden Opel industriell führen und die operative Verantwortung haben. Mit unseren Partnern sichern wir die großen Chancen ab, die wir am russischen Markt sehen.

Interview: Andreas Lampl

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff