Rotlichtbranche im Visier der Finanz: Mehrere Etablissements stehen vor dem Aus

Wegen Verstößen gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz müssen Bordellbetreiber jetzt hohe Strafen zahlen, darunter auch das Wiener Goldentime. Mehrere Rotlicht-Etablissements stehen vor dem Aus.

Es geschah am 24. Februar des Vorjahres. An jenem Dienstagabend hatten gegen 22 Uhr Beamte des KIAB (Kontrolle illegaler Arbeiterbeschäftigung) dem Bordell Goldentime in Wien-Favoriten einen Besuch abgestattet, um Violeta A., Liliya G. und Marina H. sowie vierzig weitere Prostituierte in Gewahrsam zu nehmen. Der Verdacht: Die vornehmlich aus Bulgarien und Rumänien stammenden Damen würden ihrem Gewerbe ohne Arbeitsbewilligung nachgehen.

Ein Jahr später flattert Goldentime-Chef Alexander Gehardinger unliebsame Post ins Haus: Weil er gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz verstoßen habe, müsse er 430.000 Euro Strafe zahlen. Was er nicht kann – und logischerweise nicht will. „Die Vorwürfe stimmen nicht“, wehrt sich Gerhardinger, dessen Strafe mittlerweile auf knapp 400.000 Euro gesenkt wurde.

Dicke Luft im Rotlicht

Lange Jahre hatte die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Bordellbetreibern weitgehend geklappt. Doch seit geraumer Zeit ist das Verhältnis getrübt: Mehr Razzien sorgen für Aufregung im Milieu, vor allem kleinere Rotlicht-Betriebe mussten schon dichtmachen. „Wir kontrollieren vermehrt Straßenstriche und einschlägige Etablissements“, sagt Oberleutnant Johann Golob, Sprecher der Wiener Polizei. Grund dafür sei „der hohe Anstieg von illegaler Prostitution in einigen Bezirken, neben Favoriten und Simmering auch in Rudolfsheim-Fünfhaus“.

Bordellbetreiber und Prostituierte sehen das naturgemäß anders. Wegen der hohen Schuldenlast des Landes würden sie von der Finanz jetzt im großen Stil geschröpft, lautet der nicht ganz nachvollziehbare Vorwurf. Hatte es bislang kein Problem mit Beschäftigten aus Ostländern gegeben, so sei das plötzlich ein heißes Thema. Die heftig diskutierte Frage, die Rotlicht und Behörden spaltet, ist, ob die Prostituierten selbständig beschäftigt oder angestellt sind, wie Gerhardinger auch in seinem neuen Buch schreibt. Für ihn ist die Sache klar: „Die Frauen sind selbständig.“

Die Argumente des Bordellbetreibers: Die Prostituierten seien Gäste seines Etablissements und würden so wie alle anderen auch sechzig Euro Eintritt bezahlen. Darüber hinaus verdiene er „keinen Cent“ an ihren Diensten: Abgaben, so wie sie zum Beispiel bei Zuhältern üblich sind, seien nicht zu entrichten. „Die von der Finanzbehörde verwendeten Personenblätter geben den Ausfüllenden zudem keine Möglichkeit, anzugeben, dass sie selbständig beschäftigt sind“, ärgert sich Gerhardinger.

Polizist Golob versteht die Aufregung nicht und spricht von korrekter Arbeit. In der offiziellen Begründung der Finanz ist von „wirtschaftlicher und persönlicher Abhängigkeit“ der Prostituierten die Rede, weshalb von einem „Dienstverhältnis oder von einem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis und daher von einer Beschäftigung im Sinne des Ausländerbeschäftigungsgesetzes“ auszugehen sei.

Nachdem Gerhardinger gegen das Urteil berufen hat, muss er nun 397.320 Euro Strafe zahlen. Für den Unternehmer noch immer zu viel. „Ich habe dieses Geld nicht und kann zusperren.“ Eine Alternative hat er aber: „Ich kann die Strafe im Gefängnis absitzen, also 430 Tage. Mir haben sie die Maximalstrafe gegeben, für jedes Mädchen 10.000 Euro Bußgeld.“

Tatsächlich sind andere Betreiber vergleichsweise glimpflich davongekommen. Der bekannte Napoleon Hof in Linz hat ebenfalls gegen die Finanzbescheide berufen und konnte die Strafe um fast zwei Drittel auf 30.000 Euro senken. Und gegen Werner Schmuck, den Betreiber des Wiener Etablissements Donaudreams, wurde das Verfahren sogar gänzlich eingestellt. „Wir messen nicht nach zweierlei Maߓ, kontert Golob.

Auch Peter Bretterklieber, Betreiber der Nobelbordellkette Babylon, hat mit den Behörden kein Problem. „Wahrscheinlich, weil bei uns viele Polizisten und Politiker zu Gast sind“, heißt es aus dem Babylon. Das Skurrile an der Sache sind aber weniger die hohen Forderungen der Finanz als die damit verbundenen Konsequenzen: Würden die Bordellbetreiber ihre als selbständig deklarierten Prostituierten anstellen, würden sie gegen Paragraf 217 des Strafgesetzbuchs verstoßen, zumal Zuhälterei in Österreich verboten ist. Im Grunde müssten die Bordellbetreiber also keine Strafe zahlen, sondern ihre Betriebe gleich zusperren.

Hinter der Aktion scharf der Behörden wird im Rotlicht-Milieu Ernst Geiger vermutet. Der 56-Jährige war Leiter der Kriminaldirektion 1 und 2008 in der „Sauna-Affäre“ verurteilt worden. Er soll Polizeikontrollen an einen früheren Goldentime-Betreiber verraten haben. Mittlerweile ist Geiger rehabilitiert und Leiter der Abteilung für Ermittlungen, Organisierte und Allgemeine Kriminalität im Bundeskriminalamt. „Wir kennen diese Gerüchte, aber da ist nichts dran“, lässt Geiger über einen Sprecher ausrichten.

Eines steht jedenfalls fest: Goldentime-Chef Gerhardinger hätte bis 4. September seine Finanzstrafe bezahlen müssen. Das hat er nicht getan. Er hat ein letztes Mal berufen. Jetzt muss der Unabhängige Verwaltungssenat entscheiden. Gerhardinger: „Ich rechne mit dem Konkurs.“

– Silvia Jelincic

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