Ronny Pecik: "Ich will das Maximum rausholen"

Es ist eine besondere Kunst: Man muss im richtigen Moment zugreifen, sein Investment bei Bedarf etwas umbauen, wachsam bleiben und es dann mit Gewinn wieder abstoßen. Diese Fertigkeit beherrscht Telekom-Austria -Großaktionär Ronny Pecik - das hat er bei mehr als einem halben Dutzend Firmendeals bewiesen.

Nicht immer stieß er dabei auf Gegenliebe. In der Schweiz nannte man ihn einen "Räuber", in Österreich führt die Telekom Berichten zufolge einem Abwehrkampf unter dem Name "New Sith" gegen ihn - die Sith sind die Anhänger der dunklen Mächte bei Star Wars. Das trifft den 49-Jährigen mit kroatischen Wurzeln, der sich selbst als "begeisterten Österreicher" bezeichnet. Medienberichten zufolge will er seine Pläne auf einer außerordentlichen Telekom-HV erläutern. Das wäre eine Gelegenheit, sich als Jedi-Ritter zu präsentieren.

Bisher hat Pecik mit markigen Sprüchen wie "Ich will das Maximum rausholen" eher das Bild vom gewinnmaximierenden Bösewicht genährt. Als Jedi-Ritter trat er zu Beginn seiner Investorenkarriere in der Schweiz in Erscheinung, wo er den Technologiekonzern Oerlikon mit anderen Investoren zurück in die Gewinnzone führte.

Bleibt er seinen Prinzipien treu, dann dürfte die Telekom bald schon einen neuen Eigentümer bekommen. Denn bei seinen Investments geht Pecik meist nach zwei Regeln vor: Er arbeitet nicht allein und behält seine Firmen nicht länger als einige Monate oder Jahre.

Noch es nicht soweit: Pecik will seinen Telekom-Anteil von derzeit 20,118 erstmal auf 25 Prozent aufstocken. Einen Verkauf des derzeit knapp 800 Millionen Euro schweren Pakets fasst er aber schon ins Auge. "Ich habe vor, hundert Jahre alt zu werden, und so lang werde ich wohl nicht Großaktionär der Telekom bleiben", hatte Pecik. Es gebe großes Interesse an dem Paket, "aber wir verkaufen derzeit nicht", hatte er Mitte Dezember in einem Interview gesagt.

Vom Elektriker zum Millionär

Begonnen hat der gelernte Starkstromtechniker seine Investorenkarriere im Jahr 2000. Mit Hilfe einer kleinen Investmentbank stieg er bei diversen Unternehmen ein: Mit dem Rechtsanwalt Rudolf Fries kaufte er über 25 Prozent am Edelstahlhersteller Böhler-Uddeholem, die er danach mit Gewinn verkaufte. Im Frühjahr 2003 übernahm er gut 19 Prozent am Anlagenbauer VA Tech, die er nach einem sukzessiven Ausstieg 2004 an Siemens verkaufte. Zur Seite stand ihm dabei der Industrielle Mirko Kovats. Gemeinsam mit ihm übernahm er auch 2005 die Mehrheit am Schweizer Technologiekonzern Oerlikon. Nach einem Zerwürfnis mit Kovats schmiedete er ein Gespann mit dem Investor Georg Stumpf und dem russischen Oligarchen Viktor Vekselberg, mit dem er beim Schweizer Telekom-Unternehmen Ascom und dem Industriekonzern Sulzer einstieg. Dabei sicherten sie sich ihre Anteile stets über Optionen - was in der Schweiz für Aufruhr sorgte und Ermittlungen wegen des Verdachts einer Verletzung der Meldepflicht nach sich zog.

Auch bei der Telekom Austria kaufte sich Pecik zunächst über Optionen ein - denn damit kennt er sich seit seiner Zeit als Optionshändler bei der Bank Austria aus. Bei seinem jüngsten Coup hat er aber einen neuen Partner: Er heißt Naguib Sawiris und ist einer der reichsten Männer Ägyptens. Der 57-jährige Manager hat sein Geld mit Mobilfunkbetreibern im Nahen Osten verdient, zieht sich aber zunehmend aus dem operativen Geschäft zurück und konzentriert sich auf seine Karriere als Politiker. Erst zu Wochenbeginn hat Sawiris weitere Anteile am ägyptischen Telekomanbieter Mobinil an France Telecom verkauft und ist damit um mehrere hundert Millionen Euro reicher. Für Pecik ist er damit ein perfekter finanzkräftiger Partner, der zudem über exzellente Kontakte in Europas Telekom-Branche verfügt.

Pecik selbst nimmt in der Liste der reichsten Österreicher laut einer Erhebung des Wirtschaftsmagazins "trend" vom Sommer vergangenen Jahres mit einem Vermögen von 170 Millionen Euro den 85. Platz ein. Dabei war dieser Aufstieg gar nicht vorgezeichnet: Pecik kam als kroatisches Gastarbeiterkind nach Wien, blieb in der vierten Klasse im Gymnasium sitzen und schmiss die Schule. Das hat ihn geprägt: "Aufgrund meiner Herkunft bin ich zielstrebig. Ich komme von ganz unten."

Reuters/hahn

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