Ronny Pecik im FORMAT-Interview

Im Interview sagt Ronny Pecik, warum die Telekom-Führung seiner Meinung nach keinen guten Job macht.

FORMAT: Herr Pecik, Ihr Einstieg bei der Telekom sorgt für Aufregung. Es herrscht Angst vor einer feindlichen Übernahme. Sogar die Investmentbank Merrill Lynch wurde mit der Ausarbeitung einer Verteidigungsstrategie beauftragt. Hat sich die Lage beruhigt?

Pecik: Die Lage musste sich gar nicht erst beruhigen. Ich habe mich immer willkommen gefühlt. Ich hatte auch schon gute Gespräche mit dem Betriebsrat und mit dem Firmenchef Hannes Ametsreiter.

FORMAT: Der Betriebsrat meint aber, ein neuer Eigentümer würde Unruhe bringen.

Pecik: Er wird das überdenken, sobald klar ist, welchen Mehrwert ich der Telekom bringe. Die Mitarbeiter haben nichts zu befürchten. Mein Partner Naguib Sawiris und ich wollen keine Jobs abbauen. Im Gegenteil. Die Telekom soll wachsen. Eines ist aber klar: Alle werden mehr arbeiten müssen. Niemandem stehen wirtschaftlich rosige Zeiten bevor, und deshalb müssen alle an einem Strang ziehen.

FORMAT: Sie planen umfassende Personalmaßnahmen. Wie es heißt, sollen die Jobs von Telekom-Boss Hannes Ametsreiter und Finanzchef Hans Tschuden wackeln …

Pecik: Zu Spekulationen sage ich nichts. Ich habe mich zweimal mit Hannes Ametsreiter getroffen, und beide Treffen waren konstruktiv. In letzter Zeit war die Arbeit von beiden Vorständen aber durch viele Affären überschattet, in die die Telekom unverschuldet geraten war. Das alles hat ihre Arbeit erschwert, wofür ich Verständnis habe. Wir müssen jetzt aber mehr Gas geben als in den letzten Jahren. Ich will zwei Gänge hinaufschalten.

FORMAT: Die Performance von Tschuden haben Sie bereits kritisiert, warum?

Pecik: Ja, das werde ich ihm bei unserem Treffen auch persönlich sagen, leider gab es noch keines. Ich verstehe seine Dividendenpolitik nicht. Dividenden müssen vom Gewinn und nicht von der Substanz bezahlt werden. Das ist im Sinn jedes Aktionärs, weil er davon langfristig profitiert. Die Telekom ist derzeit nicht in der Lage, solche üppigen Dividenden auszuschütten.

FORMAT: Sie wollen neue Aufsichtsräte, darunter angeblich Boris Nemsic. Für den Vorstand wird der Name von Post-Chef Georg Pölzl genannt. Ihr Kommentar?

Pecik: Immer diese Gerüchte! Ich kenne Georg Pölzl gar nicht und Boris Nemsic nicht sonderlich gut. Ich habe gerade begonnen, Gespräche mit Kandidaten zu führen, darunter mit einer kompetenten Managerin für den Aufsichtsrat, aber noch ist nichts fix. Es wird jedenfalls ein frisches Team sein. Und sie alle sind gute Leute aus der österreichischen Wirtschaft.

FORMAT: Sie sollen sich durchaus vorstellen können, vorübergehend selbst CEO zu werden.

Pecik: Ich bringe jedenfalls genügend unternehmerischen Drive mit. Sollte es nötig sein, übernehme ich diese Verantwortung gerne.

FORMAT: Es heißt, Sie wollen 25 Prozent an der Telekom. Werden Sie bald den Erwerb weiterer fünf Prozent bekannt geben?

Pecik: Dazu möchte ich nichts sagen, aber angestrebt werden 25 Prozent.

FORMAT: Um die Telekom an die norwegische Telenor-Gruppe weiterzuverkaufen?

Pecik: Es gibt großes Interesse an unserem Telekom-Paket, aber wir verkaufen derzeit nicht.

FORMAT: Angeblich wollen Sie aber nicht lange Großaktionär bleiben.

Pecik: Ich habe vor, hundert Jahre alt zu werden, und so lange werde ich wohl nicht Großaktionär der Telekom bleiben.

FORMAT: Sie hören das Wort Spekulant nicht gerne, aber Sie kaufen sich bei Unternehmen ein, um mit Gewinn wieder auszusteigen.

Pecik: Wissen Sie, was ein Spekulant ist? Ein Spekulant baut keine Unternehmen auf, ich hingegen sehr wohl. Ich habe schon die A-Tec von null aufgebaut, und der Grazer Capital Bank half ich, eine der besten Investmentbanken des Landes zu werden. Auch gelang mir die Restrukturierung der VA Tech, und bei Oerlikon machte ich aus 400 Millionen Franken Verlust mehr als 500 Millionen Gewinn. Und da soll ich ein Spekulant sein?

FORMAT: Wie geht es mit der Telekom weiter?

Pecik: Sie ist kein Sanierungsfall, wie in den Medien immer wieder angedeutet wird. Natürlich muss sich aber einiges ändern: Ich will das Maximum herausholen.

FORMAT: Ihr Ex-Partner Mirko Kovats ist ebenfalls an der Telekom interessiert. Er will sie für reiche Araber kaufen. Was sagen Sie?

Pecik: Wer ist Mirko Kovats?

FORMAT: Sie scherzen?

Pecik: Mirko Kovats ist aus meiner Wahrnehmung verschwunden. Er hat viele Schicksale auf dem Gewissen, Tausende Menschen haben wegen der von ihm verursachten Pleite ihren Job verloren und Anleger ihr Geld.

FORMAT: Sie nehmen ihn also nicht ernst. Er sagt, seine Omanis hätten viel Geld und würden einen hohen Preis für die Telekom zahlen.

Pecik: Na dann! Soll er mich anrufen.

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