Roncalli-Chef Bernhard Paul im Interview

Roncalli-Chef Bernhard Paul über sein Entertainment-Imperium, sein neues Städteprojekt und die Kunst der Clownerie.

FORMAT: Herr Paul, in Europa gibt es immer weniger Zirkusunternehmen. Woran liegt das?

Paul: Das ist eine lange, fade Geschichte, aber ich kann es komprimieren. Die Zirkuskunst rührt von den Gauklern aus dem Mittelalter her. Die waren vogelfrei. Wirklich in die Höhen der Kultur wurde diese Kunst im deutschsprachigen Raum nie aufgenommen. Das setzte sich bis ins Dritte Reich fort. Bis heute ist Zirkus ein Gewerbe und kriegt, anders als kulturelle Institutionen, keine Subventionen. Das geht für kleinere Manegen auf die Qualität und somit auch aufs Geschäft. Zudem sind die meisten Zirkusse seit Generationen in Familienbesitz, und es ist oft so, dass die Jungen die Fehler der Alten wiederholen. Zudem stößt man immer wieder auf behördliche Hindernisse, wie TÜV oder EU-Verordnungen, die existenzbedrohend sein können.

FORMAT: Ein Vorteil, dass Sie nicht aus einer Zirkusfamilie stammen?

Paul: Ja. Aber ich habe – wenn man so will – Zirkusdirektor studiert. Ich war Grafiker. Art-Director beim „profil“. Habe ein Hoch-und-Tiefbau-Studium. Das kann man in dem Beruf alles sehr gut brauchen. Außerdem bin ich auch Musiker und natürlich Clown.

FORMAT: Wobei, Angst vor Clowns ist eine der häufigsten Phobien.

Paul: Das wundert mich nicht. In TV und Filmen sind Clowns heute oft die Mörder oder schrille, böse Figuren. Und in den 50er-Jahren gab es massenweise schlechte Clowns, die laut waren und Krach machten, Torten ins Gesicht warfen und mit Wasser herumspritzten. Da kann man als Kind schon Angst kriegen. Der Circus Roncalli pflegt aber die feine Klinge der Clownerie.

FORMAT: Und der Circus Roncalli pflegt auch ein kleines Entertainment-Imperium …

Paul: Ja, im Laufe der Jahre ist unter diesem Namen einiges dazugekommen. Ein Weihnachtsmarkt in Hamburg, ein Varieté-Theater in Düsseldorf etwa. Außerdem haben wir mit unseren Dinnershows in einem alten Spiegelzelt vor 20 Jahren die Erlebnisgastronomie mitbegründet. Alfons Schuhbeck war damals der erste Koch.

FORMAT: Demnächst richten Sie eine ganze Stadt neu mit alten Geschäftseinrichtungen, die Sie sammeln, ein. Wo eigentlich genau?

Paul: Es ist eine Stadt am Rhein, welche, will ich nicht sagen, ich bin abergläubisch. Aber dort stehen lauter restaurierte Fachwerkbauten. Und die Geschäftslokale richte ich mit meiner Sammlung ein. Dort wird es dann alles geben. Schuhmacher, zwei Friseure. Aber auch eine Bäckerei, ein Wiener Kaffeehaus, ein Bistro oder ein altes Kino.

FORMAT: Ein Nostalgie-Legoland?

Paul: Nein, im Gegenteil. Es soll weder Freilichtmuseum noch Freizeitpark sein. Es ist nämlich alles benutzbar.

FORMAT: Sie halten auch Vorträge vor Managern. Was können Wirtschaftsbosse und Unternehmen von einem Zirkus lernen?

Paul: Freundlichkeit ist das Um und Auf. Unfreundlichkeit ist geschäftsschädigender Irrsinn. Man muss auf Kundenbedürfnisse individuell eingehen und außerdem auf die kleinen Details im Alltag und in der Inszenierung achten – die schaffen Multiplikation.

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff