Robert Jagerhofer: Beachvolleyball-Kaiser
hat den Internet-Aufschlag gemeistert

Event-Guru Jagerhofer schaffte es vom DJ zum Unternehmer. Seine Agentur ACTS und die Suchmaschine checkfelix sind auf Expansionskurs. Nun vermittelt er auch hippe Ferienjobs für Jugendliche.

Ein bisserl Glück braucht der Mensch. Noch im März bangte Veranstalter Hannes Jager­hofer, 47, ob er die nötigen Sponsorgelder für sein internationales Beachvolleyball-Turnier, das diese Woche in Klagenfurt stattfindet, wieder zusammenbringen würde. Die Wirtschaftskrise und das Antikorruptionsgesetz machen dem Eigentümer der ACTS-Group das Leben nicht gerade leicht. „Das hieß für mich, einige Sponsorenverträge neu zu verhandeln. Und die Nachfrage nach VIP-Karten war stark rückläufig. Wer lässt sich denn gerne einladen, wenn er Angst vor Strafe haben muss?“ Jagerhofer konnte jedoch die Kurve kratzen und den Sommer-Event auch in seiner 13. Auflage letztlich gut vermarkten. Es kommen wohl ein paar Prominente weniger, aber Jagerhofer erwartet bis Sonntag wieder 100.000 Besucher, hat ausreichend Sponsoren und wird auch heuer gut 300.000 Euro daran verdienen.

Jagerhofer, der Geschäftsmann
Der gebürtige Kärntner, der es gewohnt ist zu improvisieren, wirkt nach wie vor wie ein berufsjugendlicher Beach-Boy, ist aber auch ein durchaus bemerkenswerter Unternehmer. Hannes Jagerhofer ist schon lange eine Größe im Beachvolleyball-Zirkus. Abseits des öffentlichkeitswirksamen Auftritts in Klagenfurt einmal pro Jahr hat er eine kleine Firmengruppe mit mehreren Standbeinen aufgebaut. Die Agentur ACTS organisiert Sport-Events, aber auch große Business-Veranstaltungen. Eine angeschlossene Online-Plattform kreiert Internetauftritte für Unternehmen. Jagerhofer ist Mehrheitseigentümer der Online-Reisesuchmaschine checkfelix.com, die gesellschaftsrechtlich unter JaBo Software Vertriebs- und Entwicklungs GmbH firmiert. Und – ganz neu – unter der Marke „YPD Challenge“ vermittelt der Mann aus dem sonnigen Kärnten die besten Ferialjobs für Jugendliche. Mittlerweile macht Jagerhofer in seiner ACTS-Group mit 20 Mitarbeitern einen Umsatz von 9,5 Millionen Euro und einen Bilanzgewinn von 1,8 Millionen Euro. Dazu kommen noch 1,9 Millionen Euro Umsatz, die sieben Mitarbeiter mit der Suchmaschine checkfelix.com erwirtschaften.

Partnersuche für checkfelix in der Zielgeraden
Gerade jetzt, wo viele andere Unternehmer raunzen, ist Jagerhofer wieder voll auf Touren. Zum Beispiel mit checkfelix.com: „Wir haben gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 300 Prozent. Die Nachfrage ist enorm.“ Insgesamt werden jährlich Flüge, Hotels und Mietwagen von 200 Part­nerunternehmen im Wert von 80 Millionen Euro über das Internet vermittelt. Pro Monat verzeichnet checkfelix rund 600.000 Zugriffe. „Allein in diesem Jahr fließen eine Million Euro ins Marketing der kleinen Quetsche“, scherzt Jagerhofer. Am 1. September startet die Reise­suchmaschine auch in der Schweiz. In Deutschland verhandelt Jagerhofer gerade mit drei potenziellen Partnern, unter anderem mit einem großen Verlagshaus, wegen eines Einstiegs bei checkfelix. Wert des Unternehmens: rund 2,5 Millionen Euro. Jagerhofers großer Traum: „Ich möchte ein großer Player im Online-Business werden und der Branche mit checkfelix ein fettes Kind hinterlassen.“ Auch sein jüngstes Baby hat Potenzial. Die YPD Challenge, welche die besten Ferialjobs für junge Leute vermittelt (vom Lauda-Assistenten bis zum Ö3-Praktikanten), hat Jagerhofer mithilfe der Industriellenvereinigung und von großen Firmen wie Red Bull, Spar, Mercedes oder McDonald’s aus der Taufe gehoben. „Wir werden im kommenden Jahr das Angebot dem enormen Erfolg entsprechend erweitern.“

King Arthur des Beachvolleyballs
Erst jüngst wurde Jagerhoger durch David Cox vom interna­tionalen Beachvolleyball-Verband geadelt: „Durch die Veranstaltung ist Kärnten zum Vorzeigeland in unserem Sport geworden. Klagenfurt ist das Camelot des Beachvolleyballs.“ Demnach wäre Jagerhofer der „King Arthur“ der Sandplatz-Artisten. Doch er winkt ab: „Ich bin weder König noch Guru, ich bin ein normaler Veran­stalter.“ Immerhin schaffte er es heuer trotz schwieriger Bedingungen, alle Sponsoren an Bord zu halten oder durch neue Verträge zu ersetzen. Statt Nokia präsentieren sich jetzt die Volksbanken, statt Seat ist Smart dabei. Henkel hatte schon abgesagt, sponsert nun aber doch wieder. Günther Thumser, Präsident von Henkel-CEE, sagt: „Wir haben ein Sponsoringkonzept erarbeitet, das wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten umsetzen können. Dabei möchten wir unsere gut aufgebauten Projekte nicht aufgeben. Besonders jene nicht, die fairen und jugendlichen Sport fördern.“ Nokia ist nach zehn Jahren der Unterstützung in Klagenfurt ausgestiegen. „Wir brechen nun zu neuen Ufern auf. Das hängt auch mit Nokias Neuorientierung in Richtung Internet Services Company zusammen. Etablierung und Vermarktung dieser Services sind relativ kosten- und ressourcenintensiv“, erklärt Alexander Oswald, der für Österreich zuständige Marketing-Manager von Nokia.

Am liebsten zuhause
Dass Klagenfurt weiterhin läuft, ist ­Jagerhofer wichtig. Denn sein liebster Arbeitsplatz ist „natürlich noch immer am Wörthersee“. Jedes Jahr von 1. Juli bis Mitte August – und immer wieder zwischendurch – residiert er dort fein im Seeschlössl in Velden, wo er eine Wohnung hat und an dessen Betriebsgesellschaft er zu 50 Prozent beteiligt ist. Kaum zu glauben, aber der Eventguru ist eigentlich ein Stubenhocker. Jagerhofer, früher Model und DJ, ist heute alles andere als ein Partytiger. „Ich gehe kaum aus, nur wenn es der Job oder die Umstände erfordern“, gesteht er. Am liebsten zieht sich der praktizierende Single nach einem Zwölf-Stunden-Tag in seine vier Wände zurück. Meist kommt er gegen 22 Uhr in seine Wohnung im 18. Wiener Gemeidebezirk. Dann läuft er 45 Minuten auf seinem Laufband und schaut Filme. „Laufen ist für mich ideal für Konzept­findungen“, so Jagerhofer. Gewünschter Nebeneffekt, der durch Wasserskisport und Mountainbiken unterstützt wird: eine beneidenswerte Figur. Jager­hofer bringt mit seinen 78 Kilogramm nur vier Kilo mehr auf die Waage, als er mit 18 Jahren gehabt hatte. Wachsen sollen nur seine Firmen.

Von Gabriela Schnabel

Beachvolleyball in Zahlen
Die 13 ist für den Beachvolleyball-Veranstalter Hannes Jagerhofer eine Glückszahl. Sein Turnier in Klagenfurt findet heuer zum 13. Mal statt. 191 Teams aus 40 Nationen kämpfen um ein Preisgeld von 360.000 US-$. Neben 100.000 Fans kommen Promis wie Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz und Airliner Niki Lauda. Über 3,4 Millionen Euro beträgt das Gesamtbudget, zwei Drittel davon finanzieren Sponsoren wie A1, Volksbank, Zipfer, Römerquelle, Henkel, Mercedes sowie das Land Kärnten und die Stadt Klagenfurt. Für Jagerhofer bleiben am Ende zehn Prozent Rendite übrig. Der interna­tionale Werbewert dieses Events wird von den Sponsoren mit 13 Millionen Euro beziffert. 44 Prozent der Zuseher sind Studenten, das Durchschnittsalter beträgt 25 Jahre. Das Turnier bringt der Region 50.000 Nächtigungen. Bis 2012 ist das Beach­volleyball-Turnier für Jagerhofer vertraglich gesichert.

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