Rien ne va plus: Das Ende der Wettfirma Starbet

Der Niedergang der Wettfirma Starbet findet ein Nachspiel bei Gericht. Getäuschte Anleger fordern von der Meinl Bank, die für den Vertrieb zuständig war, mit Erfolg Geld zurück.

Es hätte eine ähnliche Erfolgsstory wie jene von bwin werden sollen. Ein Sportwettenanbieter aus Österreich von internationalem Format, so lautete der Plan von Michael Tojner. Im Jahr unmittelbar nach seinem Ausstieg als Aufsichtsrat von bwin gründete der Chef der Beteiligungsfirma Global Equity Partners (GEP) die Wettfirma Starbet. Mit ambitionierten Zielen: 2010 hätte dieses Unternehmen mehr als 1,5 Milliarden Euro umsetzen und 41 Millionen Euro Gewinn abwerfen sollen. Das geht aus einer internen Planrechnung der Starbet hervor.

Meinl Bank muss zahlen

Doch es kam anders: Heute steht Starbet kurz vor der Liquidierung. Rund 200 Anleger verloren insgesamt 30 Millionen Euro bei dem Wettabenteuer. Seit einiger Zeit beschäftigen sich auch die Gerichte mit dem Fall, denn die Anleger sollen über wesentliche Tatsachen getäuscht worden sein. Bislang wurden alle anhängigen Verfahren gewonnen, eines sogar schon in letzter Instanz. Gegner in diesen Schadenersatzprozessen ist eine Bank, die sich auch in einem anderen Anlegerskandal, dem Fall MEL, einen Namen gemacht hat: die Meinl Bank.

Das Institut – treibende Kraft war Meinl-Bank-Vorstand Robert Kofler, der enge geschäftliche Kontakte zu Tojner pflegt – war für den Verkauf der Starbet-Aktien an vorwiegend begüterte Investoren zuständig. Darunter befinden sich auch bekannte Namen wie jener von Ö3-Weckermann Robert Kratky oder der des Bauunternehmers Erich Halatschek. „Starbet wurde uns von der Meinl Bank als Riesenerfolgsstory präsentiert“, berichtet ein geschädigter Anleger, der anonym bleiben will. Dabei lief bei dem Wettunternehmen von Anfang an vieles unrund, wie Unterlagen belegen. Nur zwei Tage nach der Gründung von Starbet und der Einbringung von 70.000 Euro Grundkapital wurde in einer Meinl-Präsentation der Wert des Unternehmens mit 20 Millionen Euro angegeben. Wie man heute weiß, war das Unternehmen nie so viel wert.

Die den Investoren präsentierten Zahlen wichen großteils weit von der Realität ab: Statt in Aussicht gestellten 6,4 Millionen Euro Umsatz und minus 2,6 Millionen Euro EBIT im ersten Jahr erzielte die Starbet 2005 nur 26.175 Euro Umsatz und fuhr einen Verlust von mehr als sechs Millionen Euro ein. Wirtschaftsprüfer KPMG hält Ende 2005 in einem Prüfbericht fest: „Bei Wahrnehmung unserer Aufgaben … haben wir Tatsachen festgestellt, die den Bestand der geprüften Gesellschaft gefährden können oder die schwerwiegende Verstöße der gesetzlichen Vertreter … erkennen lassen.“ Die Anleger wurden davon nie in Kenntnis gesetzt. Stattdessen wurde von der Meinl Bank weiter Geld eingesammelt. Wie die Gerichtsurteile zeigen, war das Institut dabei nicht zimperlich: „Psychischer Druck“ sei auf Investoren ausgeübt worden, heißt es. Man habe ihnen vorgegaukelt, ein Börsengang stehe unmittelbar bevor, man müsse diese einmalige Chance möglichst zeitnah nutzen.

Kickbacks in Millionenhöhe

Auch über weitere Vorgänge hinter den Kulissen der Starbet erfuhren die Investoren nichts. So wurde damit geworben, dass der deutsche Fernsehsender RTL auch bei der Kapitalerhöhung mitziehe. Verschwiegen wurde, dass RTL die Aktien um einen Euro das Stück von der Tojner-Gesellschaft Venture Group bekam, die restlichen Anleger hingegen satte 10,5 Euro dafür zahlten. Auch Kickback-Zahlungen im Zuge der Kapitalerhöhung an die Meinl Bank, teilweise in Millionenhöhe, blieben unerwähnt.

Auch als ein wesentlicher Teil des Starbet-Geschäftsmodells wegbrach – RTL durfte Starbet per einstweilige Verfügung nicht mehr bewerben –, ließ man die Investoren darüber im Unklaren und sammelte weiter Geld ein. Insgesamt 30 Millionen Euro in den Jahren 2005 und 2006.

Geld, das nicht für immer weg sein muss, wie zahlreiche Gerichtsverfahren zeigen. Rechtsanwalt Ingo Kapsch, der zahlreiche Investoren vertritt, ist mit der Bilanz äußerst zufrieden: „Bis dato haben die Gerichte in allen Entscheidungen eine Verletzung der Aufklärungspflicht durch die Meinl Bank festgestellt.“ Fünf erstinstanzliche, ein zweitinstanzliches und ein letztinstanzliches Urteil zugunsten der Anleger hat er bereits erstritten. Der Tenor der Urteile ist immer gleich: „Massive Täuschung der Anleger“, „Fehlberatung“, sogar von „Arglist“ ist in einem Urteil die Rede. Auch die Nationalbank sieht in ihrem Anfang 2010 erstellten Prüfbericht über die Meinl Bank den Fall Starbet kritisch. Zu all den Klagen in der Causa MEL käme dieses Prozessrisiko nun verschärfend hinzu. Im Extremfall könnte das die Meinl Bank 20 Millionen Euro kosten.

„Stadtbekannte Zocker“

Vorstand Peter Weinzierl hält indes Forderungen von bis zu fünf Millionen Euro für möglich. Verstehen kann er die Gerichtsurteile nicht, denn: „Bei vielen Starbet-Anlegern handelt es sich um stadtbekannte Zocker. Anders als bei MEL haben wir nicht das breite Publikum angesprochen“, wundert sich der Meinl-Bank-Vorstand einmal mehr über die Justiz. Er spielt den Ball weiter zu Tojner: „Wenn Informationen über Starbet nicht gestimmt haben sollten, kann man uns doch nicht dafür verantwortlich machen. Wir haben nur Unternehmensinfo weitergeleitet. Ich erwarte mir, dass Herr Tojner auch seinen Beitrag leistet.“ Dieser war nicht erreichbar. Auch vom Fernsehsender RTL, der Werbezeiten schuldet, würde sich Weinzierl Entgegenkommen erwarten. Denn schließlich war Starbet für die Meinl Bank unterm Strich ein Verlustgeschäft, versichert der Bankchef.

– Angelika Kramer

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff