Rezession: „2008 ist vielleicht das schwierigste Jahr unseres Lebens“

Das Jahr 2008 ist sehr schwierig für die Wirtschaft – vielleicht das schwierigste Jahr, an das wir uns zeitlebens erinnern werden“, sagt EUWirtschaftskommissar Joaquín Almunia. Die Zeit des Zweckoptimismus ist vorbei, die Zahlen geben ihm Recht: Spanien, Großbritannien und Deutschland stecken technisch bereits in der Rezession, Frankreich und Italien folgen noch heuer. Produktion und Dienstleistungen in der Eurozone schrumpften im September zum vierten Mal in Folge und sind auf einem Fünf-Jahres-Tief. Auch die Arbeitslosigkeit beginnt nun zu steigen. Die neuerliche Verschärfung der mittlerweile globalen Finanzkrise dämpft die Hoffnungen, dass der Abschwung bald vorbei sein könnte.

Ruf nach Zinssenkung
Eine Ursache des Abschwungs ist der Vertrauensverlust auf den Finanzmärkten: Unternehmen können für Investitionen derzeit weder an der Börse Geld holen noch günstige Kredite aufnehmen. Es droht eine Kreditklemme. Die Europäische Zentralbank musste in den Tagen seit der Lehman-Pleite bereits viermal jeweils 40 bis 70 Milliarden Dollar in den Markt pumpen, um die Liquidität zu erhalten. Ein Ausweg wäre eine Zinssenkung, die nun auch von Regierungschefs – etwa Spaniens José Luis Zapatero – gefordert wird. EZB-Chef Jean-Claude Trichet gestand zwar ein, dass die Finanzkrise noch lange nicht ausgestanden sei, doch er hält am Hauptziel Inflationsbekämpfung fest: Das erlaubt bei 3,8 Prozent Teuerung keine Zinssenkung.

US-Krise
Zweiter Grund für den Abschwung: die Krise in den USA. Die jüngsten Verstaatlichungen und Geldspritzen in den Finanzsektor werden die Steuerzahler Hunderte Milliarden Dollar kosten. Vom 700-Milliarden-Rettungspaket des Finanzministers werden nach vorsichtigen Schätzungen höchstens 400 bis 500 wieder einzubringen sein. Bei der Verstaatlichung der Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac übernahm der Staat 9.500 Milliarden Dollar an Verpflichtungen – das Budgetdefizit beträgt derzeit 8.300 Milliarden. Die Fed wird kaum umhin kommen, die zusätzlichen Schulden durch Inflation zu entwerten. Der Rückgang im US-Konsum trifft auch Asien und Europa. Folge laut Albert Edwards von Société Générale: „Es gibt keinen Zweifel, dass wir eine globale Rezession erleben werden.“

Von Corinna Milborn

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