René Benko im FORMAT-Interview

René Benko über seine Partnerschaft mit Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, den Kaufhof-Deal, Expansionspläne in Österreich und seine persönliche Motivation.

FORMAT: Sie haben nicht weniger als die Filetstücke der deutschen Handelslandschaft im Visier – warum?

René Benko: Es geht nicht um die Filetstücke, sondern um die gesamte Kaufhof-Gruppe, die in Deutschland schon seit langer Zeit absoluter Marktführer ist. Uns geht es darum, das gesamte Immobilienkonglomerat und auch den operativen Betrieb der Warenhausgruppe zu kaufen. Das Ganze wollen wir langfristig in die Zukunft führen.

FORMAT: Sie haben vor, das Handelsunternehmen weiter zu betreiben?

Benko: Für uns ist es Teil der Gesamtstrategie, die einzelnen Warenhäuser dauerhaft zu betreiben.

FORMAT: Dafür brauchen Sie aber ein entsprechendes Management.

Benko: Kaufhof ist da perfekt aufgestellt und hat ein extrem erfolgreiches Management, das in den letzten Jahren die Profitabilität entsprechend steigern konnte. Kaufhof per se ist profitabel. Mit diesem Management wollen wir künftig gemeinsam weiterarbeiten. Kurz gesagt: Kaufhof bleibt Kaufhof. Was wir als vielleicht zukünftiger Eigentümer beitragen wollen, ist, dass wir Appetit auf weitere Investitionen haben. Wir haben durchaus das Ziel, mit Kaufhof in Summe zu wachsen und die eine oder andere Auslandsinvestition ins Auge zu fassen.

FORMAT: Auch in Österreich?

Benko: Durchaus auch in Österreich. Wien ist prädestiniert für ein großes Premium-Warenhaus. Sonst muss man große Städte analysieren.

FORMAT: Sie haben für Ihre Verhandlungen Verstärkung bekommen – Wendelin Wiedeking. Wie kommt man zu diesem Mann?

Benko: Wenn man über die Jahre Tolles bewegt, lernt man immer wieder tolle Persönlichkeiten kennen. Wiedeking habe ich über zwei Freunde, den Harti Weirather und seinen Partner, kennen gelernt, die auch für Kitzbühel verantwortlich sind.

FORMAT: Wie sieht das Engagement von Wiedeking genau aus?

Benko: Er ist seit geraumer Zeit bei einem unserer Geschäftsbereiche, der Signa Prime, Mitaktionär. Und er teilt mit mir die Vision, in innerstädtische Lagen zu investieren. In diesem Zusammenhang hat sich dann das Thema Kaufhof mit tollen Innenstadt-Lagen – echten Haas-Haus-Lagen – ergeben. Wiedeking hat dann begonnen, sich zu engagieren und den Kontakt zu Herrn Cordes, dem CEO der Metro-Gruppe, herzustellen.

FORMAT: Es sollen sich noch zwei Familien an dem Projekt beteiligen.

Benko: Zwei sehr erfolgreiche und vermögende Unternehmerfamilien aus Österreich und Deutschland stimmen sich mit mir ab, ob sie sich bei Signa Prime beteiligen. Sie wären auch gerne beim Kaufhof-Investment involviert.

FORMAT: Wie sieht nun das Engagement des sagenumwobenen reichen Griechen George Economou aus?

Benko: Er zählt zu den vermögendsten und erfolgreichsten griechischen Investoren – sein Kerngeschäft ist die Schifffahrt. Er ist mit mir schon länger in einer Partnerschaft. Wir haben 2007 begonnen, gemeinsam in einzelne Projekte zu investieren. Ende 2009 ist er Mitgesellschafter der Signa Holding geworden. Daher ist er als quasi Hälfteeigentümer überall dabei. Das Unternehmen wird weiter von mir als Gründer und Vorstandsvorsitzendem geführt. Er selbst engagiert sich operativ nicht. Das Kaufhof-Investment hat er von uns vorgestellt bekommen, nicht umgekehrt. Die Initiative ging von Wiedeking, Alfred Gusenbauer und mir aus.

FORMAT: Alfred Gusenbauer ist also auch ein Treiber des Kaufhof-Projekts.

Benko: Treiber nicht, aber er ist Vorsitzender des Beirates und hat eine wichtige strategische Rolle.

FORMAT: Angenommen, der Kaufhof-Deal gelingt. Ist das die Krönung Ihres unternehmerischen Wirkens?

Benko: Krönung ist das falsche Wort. Es ist sicher in der Geschichte der Signa ein großer Fortschritt. Es ist Teil unserer Strategie, in Bestlagen zu investieren. Man kann es mit dem Kauf der Bawag-Immobilien vergleichen, der ein großer Wachstumsschritt war und uns in der öffentlichen Wahrnehmung vorangebracht hat.

FORMAT: Das Geld, das Sie investieren, ist ja nicht immer das Ihre. Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell?

Benko: Das stimmt nur bedingt. Konzerne haben immer Mitaktionäre. Die Firma gehört aber mehrheitlich mir. Ich war schlau genug, tolle und vermögende Partner für die Signa und für mich zu begeistern. Das ist Teil meines Erfolges.

FORMAT: Haben Sie jetzt allen bewiesen, dass Sie es können?

Benko: Darum geht es mir nicht. Ich will mir selbst als Unternehmer erfolgreiches Umsetzen beweisen. Es gibt aber schon Genugtuung, wenn man selbst den neidischsten Unkenrufern beweisen kann, dass man erfolgreicher ist als andere.

FORMAT: Planen Sie, auch Immobilien in Griechenland zu kaufen?

Benko: Nein.

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