Reiner "Bahnsinn": ÖBB fährt in operative
Verlustzone – und dem Staat in die Tasche

Die ÖBB haben versprochen zu sparen, aber das finanzielle Loch wird immer größer. Nötige Maßnahmen werden nur halbherzig umgesetzt. Innerhalb der ÖBB lebt man offenbar nach eigenen Gesetzen, die für die meisten Bürger reiner Wahnsinn, für andere ganz normaler Bahnsinn sind. Mithilfe mehrerer Berater sollen heuer im Fünf-Mil­liarden-Euro-Konzern 200 Millionen Euro gespart werden. Wo und wie Kosten gedrückt werden, lässt sich von außen nicht ganz nachvollziehen. Auch ÖBB-Boss Peter Klugar bleibt vage. Er nennt den Einkauf, sagt, bei Diesel und Strom sei der Verbrauch zurückgegangen. Und die Personalkosten habe man ebenfalls reduziert.

Niedrigere Personalkosten „glücken“ den ÖBB aber vor allem durch einen legalen Trick: Mitarbeiter wanderten aus anderen ÖBB-Bereichen Richtung Infrastruktur Bau AG. Die errichtet so viel wie nie zuvor. Und weist Kosten durch die sogenannte Aktivierung von Eigenleistungen als Investi­tionen in Projekte aus – die über Jahre abgeschrieben werden, was das Ergebnis deutlich verbessert.

In dem groß angekündigten Sparprogramm sind rund 150 Millionen Euro inkludiert, um die der Güterverkehr (Rail Cargo) seine Kosten reduzieren will. Unrentable Geschäftsbereiche werden aufgegeben. Vor allem aber werden die Bestellungen bei den Servicebereichen des ÖBB-Konzerns zurückgefahren, weil weniger Güterzüge verkehren. Dort können die Umsatzverluste nicht kompensiert werden, weswegen von den 150 Millionen nach der Konsolidierung nur etwa 70 Millionen ­übrigbleiben.
Operativ, also im Güter- und Personenverkehr, sind die ÖBB 2009 negativ. Der Cargo-Bereich, lange Jahre die einzige Cashcow des Unternehmens, weist im ersten Halbjahr nach FORMAT-Informationen ein Betriebsergebnis (Ebit) von minus 35 Millionen Euro aus. Der Personenverkehr kommt auf plus 15 Millionen Euro, was insgesamt im Absatzbereich ein Minus von 20 Millionen Euro bedeutet. Für das Gesamtjahr wird eine Ebit-Lücke von 50 Millionen Euro befürchtet, wenn der Güterverkehr sich nicht erholt.

Loch wird noch größer
Während ÖBB-Führung und zuständige Ministerin offi­ziell noch von Sparprogrammen reden, dürfen sich die Steuerzahler im Gegenteil schon jetzt auf höhere Zuschüsse für die Bahn in den kommenden Jahren einstellen. Laut vertraulichen Zahlen aus Regierungskreisen fließen heuer 3,9 Milliarden Euro in die Bahn, plus zwei Milliarden Haftungsübernahmen für Investitionen, insgesamt also 5,9 Milliarden. Bis 2013 werden es 6,9 Milliarden sein (siehe Grafik ) . Zum Vergleich: Für Landesverteidigung gibt Österreich 2,2 Milliarden Euro pro Jahr aus.
Aber selbst die zahlreichen Baumaßnahmen schaffen weitere Probleme. Sie haben zu mehr Langsamfahrstrecken und damit zu einem Anstieg der Verspätungen geführt. Nach einem Blitzeinschlag herrschte im S-Bahn-System um und in Wien so ein Chaos, dass nun einfach 60 Züge weniger verkehren. Im kommenden Fahrplan sind auf der Westbahn längere Fahrzeiten zu erwarten. So will man die Verspätungen, die derzeit ein Drittel der Fernverkehrszüge betreffen, kaschieren.

Reform der Reform?
Insider rechnen ­bereits mit einer weiteren ÖBB-Reform, auch wenn erst vor kurzem die Änderung der letzten beschlossen wurde. Nun werden Infrastruktur Bau und Infrastruktur Betrieb zusammengelegt. Am Anfang wird die neue Gesellschaft wahrscheinlich fünf Vorstände haben. Das ist auch innerhalb der ÖBB ein Rekord.

Von Miriam Koch

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