Red Bull: Bullen-Flügel rosten nicht

Red Bull: Bullen-Flügel rosten nicht

Scheinbar ist der tägliche Genuss mehrerer Dosen Red Bull der Gesundheit nicht völlig abträglich. Immerhin feiert Dosen-Milliardär Dietrich Mateschitz nächsten Dienstag seinen bereits 70. Geburtstag und scheint agil und energiegeladen zu sein wie eh und je.

Ex-Red-Bull-Topmanager Norbert Kraihamer führt das auf gute Gene zurück - immerhin habe Mateschitz’ Mutter auch schon ihren 99. Geburtstag hinter sich. Vorbild sei zudem Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone, der mit 83 auch noch um die halbe Welt jettet. Auch Red-Bull-Werbeträger der ersten Stunde, Rennlegende Gerhard Berger, meint: "Didi Mateschitz geht nie in Pension, so rüstig und gut, wie er drauf ist.“

Nachfolge-Strategie

Dennoch gibt es im Fuschler Getränkeunternehmen eine vorbereitete Strategie für die Zeit nach Dietrich Mateschitz, auch wenn die erst in vielen Jahren kommen sollte. Die zwei Wegbegleiter Walter Bachinger (Finanzen) und Volker Viechtbauer (Recht), beide seit Jahren im Red-Bull-Vorstand, sollen gemeinsam mit einem Marketingmanager die operativen Geschicke des Unternehmens lenken. Bachinger gilt zudem als wichtiges Bindeglied zur Hausbank Spängler und von all seinen Beratern als der wichtigste, der auch die volle Akzeptanz der Red-Bull-Mitarbeiter genießen soll. Viechtbauer gilt als der etwas Lautere, Ungestümere des Managementduos und tritt bisweilen als Mateschitz-Sprachrohr im Fussballverein Red Bull Salzburg auf.

Mark Gerhardter, der 22-jährige Sohn aus der früheren Beziehung mit Wings-for-Life-Stiftungschefin und Ex-Stewardess Anita Gerhardter, gilt als künftiger Frontman des Imperiums. Nicht auszuschließen ist zudem, dass die thailändischen Mehrheitsgesellschafter der Familie Yoovidhya einen ihrer Sprösslinge in das Dosen-Reich entsenden. Nach langjähriger Eiszeit zwischen Mateschitz und den Thais soll sich das Verhältnis zuletzt deutlich entspannt haben. Nicht zuletzt weil die hunderte Millionen Euro teuren Investitionen in Formel 1 und Fußball nun endlich Früchte tragen.

Ein Plan, der früher immer als wahrscheinlichste Zukunftsoption für das Unternehmen galt, der Verkauf an Coca-Cola oder Pepsi, scheint indes in weite Ferne gerückt. Nicht einmal hinter vorgehaltener Hand wird das Gerücht noch verbreitet.

Ob Sohn Mark wirklich das Zeug zum Nachfolger hat, wird derzeit aber umso gründlicher gecheckt. Nach verspätet abgelegter Matura und einigen Eskapaden durchlief er gerade ein Management-Traineeprogramm im weit verzweigten Red-Bull-Reich. Auch ein Wirtschaftsstudium hat der Dosen-Spross begonnen. Aktuelle Facebook-Fotos zeigen, dass daneben aber noch genug Zeit für Motocross-Ausflüge in die Wüste bleibt. Mateschitz-Freund Kraihamer ist dennoch zuversichtlich: "Mark ist jetzt so weit, dass er erkennen kann, ob er bereit ist.“ Mateschitz selbst erklärte zuletzt in einem Interview mit der "Presse“ differenziert: "Er muss es zuerst wollen. Dann muss er es können. Er wird sicher nicht wie ich Geschäftsführer und Alleinverantwortlicher sein, nur weil er mein Sohn ist.“ Zu tun gibt es bei Red Bull jedenfalls genug: Die Übersiedlung der Firmenzentrale von Fuschl in die umgebaute Rainer-Kaserne in Salzburg, Entwicklung des erst jüngst erschlossenen chinesischen Marktes, internationale Profilierung im Fußballgeschäft und Steigerung der Erträge aus dem chronisch defizitären Mediengeschäft.

Grand Prix statt Geburtstagsfest

Zuvor wird Dietrich Mateschitz aber wohl einen seiner größten Erfolge redlich auskosten: Die Heimholung des Formel-1-Zirkus an den steirischen Red Bull Ring. Das Mega-Event im Juni wird das eigentliche Geburtstagsgeschenk des 9,2 Milliarden Dollar schweren Dosen-Königs. Der 70. Geburtstag wird nämlich nicht groß gefeiert. "Der Didi stellt sich selbst nicht so gern als Person in den Mittelpunkt“, weiß Norbert Kraihamer. Gut möglich, dass DM, wie ihn seine Mitarbeiter nennen, den Tag in kleinem Kreis auf seiner Südseeinsel Laucala verbringt, um dem Rummel um ihn zu entgehen. Immerhin hat er es bislang erfolgreich geschafft, Interviews zu seinem "Runden“ zu entgehen.

Auch aus dem Unternehmen lässt man nur wenig nach außen dringen - immerhin: Fünf Milliarden Euro Umsatz und 447 Millionen Euro Jahresgewinn sind eine sehr stolze Bilanz. Fehlschläge wie der Kombucha- oder der Red-Bull-Cola-Flop sind da zu verschmerzen.

Arbeitspensum erhöht

Aktuell ist wenig Müdigkeit bei Mateschitz zu bemerken, er hat sogar seine einst verkündete persönliche Dreitagewoche abgeschafft und ist wieder täglich für die Firma im Einsatz. Auch die hauseigenen Sportevents beehrte er zuletzt mit ungewöhnlich viel persönlicher Präsenz: Beim Formel-1-Rennen in Barcelona war er letztes Wochenende ebenso dabei wie vor wenigen Wochen auf der VIP-Tribüne seines deutschen Zweitligisten RB Leipzig, wo er sein Gewicht auch für die Erhaltung der Spiellizenz in die Schlacht warf. Und auch den neuen Salzburg-Trainer Adi Hütter nahm sich der Oberbulle persönlich zur Brust - speziell, wenn der Schuh drückt, geht es halt doch nicht ohne den Big Boss.

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