ProSiebenSat.1: Die bayerische TV-Offensive

Sie kaufen TV-Sender, entwickeln neue Sendeformate, produzieren Spielfilme und sichern sich die Rechte an sportlichen Großereignissen. Wie ProSiebenSat.1 den österreichischen Fernsehmarkt aufmischt.

Oli ist irgendwie anders. Während die meisten Fernsehköche gerne die große Show abziehen, sinniert der PULS-4-Küchenchef in "Koch mit! Oliver“ lieber über Herkunft und Zutaten der von ihm in Windeseile zubereiteten Speisen. "Das kommt bei den Leuten einfach gut an“, meint Markus Breitenecker, Österreich-Chef von ProSiebenSat.1.

Daher soll Oli künftig eine besondere Rolle spielen: Der frühere Do-&-Co-Koch wird das neue Zugpferd des im März von ProSiebenSat.1 übernommenen Senders Austria 9 und zeigt dort ab Juli, was er so draufhat. Allerdings heißt Austria 9 dann Sixx Austria, wie Breitenecker FORMAT vorab verrät.

Die alten Austria-9-Formate sind dann Geschichte: Sixx Austria übernimmt den Sendeinhalt des Schwestersenders Sixx Deutschland und vollzieht damit die Wandlung zu einem Frauensender, der Serien wie "Sex and the City“ und "Desperate Housewives“ zeigt. Oli bleibt vorerst das einzige eigenständig produzierte Austro-Format. "Wir müssen erst sehen, wie es läuft, danach entscheiden wir weiter“, sagt Fernsehchef Breitenecker.

Die Bayern kommen! Zugegeben: Austria 9 ist mit einem Marktanteil von 0,4 Prozent (Seher ab 12 Jahre) nicht gerade ein mediales Schwergewicht, allerdings sollte man den Expansionshunger der bayerischen ProSiebenSat.1-Gruppe nicht unterschätzen: Es werden kleine Sender zugekauft - nach PULS 4 ist Austria 9 der zweite -, Spielfilme produziert, neue Sendeformate entwickelt und die Übertragungsrechte wichtiger sportlicher Ereignisse - wie die Champions League für die nächsten drei Jahre - an Land gezogen.

In Summe sollen in Österreich, so heißt es aus der Branche, bereits mehr als 55 Millionen Euro investiert worden sein. Eine Offensive, die sich offenbar bezahlt macht: Erstmals lagen die Werbeeinnahmen der Gruppe (ProSieben Austria, Sat.1 Österreich, kabel eins austria, PULS 4, Sixx Austria) im ersten Quartal 2012 mit fast 57 Millionen Euro knapp über den Erlösen des ORF (siehe Grafik ).

"Wir führen das nicht auf die Schwäche des Mitbewerbs zurück, sondern auf unsere Stärke“, sagt Breitenecker mit Verweis auf die Marktanteile. So komme seine Gruppe auf 20,1 Prozent (2011) und liegt damit vor RTL (14,2 Prozent bei den 12- bis 49-Jährigen). Das entspricht mehr als einer Verdoppelung der Marktanteile der Bayern in fünf Jahren, was sie zum erfolgreichsten privaten TV-Anbieter macht.

Doch am Ziel ist Breitenecker noch lange nicht. Er hofft, eines Tages einen Privatsender im Portfolio zu haben, der so groß ist wie ORF 1 oder ORF 2 (13,8 bzw. 22,6 Prozent Marktanteil in der Gruppe ab 12 Jahren). "Die Verschiebung wird weitergehen, es ist realistisch, dass es in 10 bis 15 Jahren einen Privaten geben wird, der die Anteile von ORF 1 oder ORF 2 erreicht“, sagt auch Medienexpertin Elisabeth Ochsner von Panmedia.

Breiteneckers Hoffnung heißt PULS 4. Der frühere Stadtkanal wurde 2007 von den Bayern gekauft, schreibt mittlerweile schwarze Zahlen und kann schon auf Publikumserfolge verweisen: "Austria’s Next Topmodel“ bringt es im Schnitt auf 200.000 Seher, "Popstars“ auf 100.000 und das "Quiz Taxi“ auf über 80.000. Etablieren konnte sich auch das tägliche Frühstücksfernsehen (knapp mehr als 40.000 Seher).

Kritiker sagen indes, der Sendeinhalt der Gruppe sei seicht und nichts für politisch und wirtschaftlich Interessierte. Breitenecker wehrt sich und verweist auf Diskussionsformate wie "Pro und Contra“, doch gelang es bisher tatsächlich nicht, eine anspruchsvolle Seherschicht zu generieren. Vor allem ein älteres Publikum hält dem ORF die Treue. Doch leichter wird es auch für den öffentlich-rechtlichen Sender nicht, der in den letzten Jahren Marktanteile abgeben musste und sich in den heimischen Haushalten mittlerweile mit fast hundert anderen Sendern matchen muss.

Mehr Spielfilme

Um sich für den Wettbewerb zu rüsten, wollen die Bayern den Fokus auch auf die Spielfilmproduktion legen. Dafür hat man sich jüngst Moderatorin Mirjam Weichselbraun geholt, die ansonsten meist für den ORF arbeitet. Weichselbrauns von ProSiebenSat.1-Österreich produzierter und erstmals auf PULS 4 ausgestrahlter Film "Unter Umständen verliebt“ gilt als Erfolg.

Große Hoffnungen legt Breitenecker auch in den Film "Body Complete“, eine Kooperation mit dem Manager von André Heller, Robert Hofferer. "Body Complete“ wird im Herbst bei den Filmfestspielen in Sarajevo gezeigt und ist nichts für schwache Gemüter: Eine österreichische Journalistin mit bosnischem Migrationshintergrund stößt auf der Suche nach ihrer Familie auf Massengräber.

"Wir planen eine Filmproduktion im Jahr“, sagt Breitenecker. Damit hofft er noch mehr Marktanteile und natürlich noch höhere Werbeeinnahmen zu generieren.

- Silvia Jelincic

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