Post: „Mitarbeiter werden Weihnachtspakete austragen, sonst fallen sie ums Trinkgeld um“

Post-General Anton Wais über sein radikales Sparprogramm, ­Einmischungen aus der Politik und den drohenden Postler-Streik.

FORMAT: Die Gewerkschaft kritisiert, dass Sie ein radikales Sparprogramm planen, obwohl die Post viel Geld verdient. Ist doch verständlich.
Wais: Wir verdienen jetzt gut. In zwei Jahren steht der Wettbewerb vor der Tür, da drohen dramatische Veränderungen.
FORMAT: Und herausgekommen ist: 9.000 Mitarbeiter weniger bis 2015?
Wais: Langsam. Der Aufsichtsrat hat uns vorerst zur Neustrukturierung unseres Geschäftsmodells ermächtigt. Das beinhaltet die Verlagerung eigener Filialen zu Fremdbetrieben sowie den Zukauf von Fremdleistungen beim Sortieren und Zustellen. Über Zahlen reden wir später.
FORMAT: Aber die 9.000 abzubauenden Jobs stehen in Ihrem Papier?
Wais: Das ist einmal ein Planspiel auf Basis der geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wir haben schon im Frühjahr bei beiden zuständigen Ministern eine Postmarktordnung urgiert. Passiert ist nichts, wir wissen nicht, was kommt.

"Es gibt einen Spielraum"
FORMAT: Heißt das, wenn neue Gesetze Wünsche der Post berücksichtigen, werden die Zahlen noch revidiert?
Wais: Genau so ist es. Es gibt einen Spielraum. Aber es muss seitens der Regierung und des Parlaments so rasch wie möglich gehandelt werden.
FORMAT: Aber Tausende Postler werden jedenfalls gehen müssen?
Wais: Bis Ende 2009 wird es keine große Kündigungswelle geben. Wir haben mit dem Sozialplan und der natürlichen Fluktuation genügend Möglichkeiten.
FORMAT: Wie viele Postämter wird es künftig geben?
Wais: Ich gebe keine Standortgarantie, aber eine Versorgungs- und Servicegarantie. In Holland hat die Post noch 15 % eigene Filialen, in Deutschland bald nur noch sieben Prozent.
FORMAT: Sie wollen nur noch 30 Postämter selbst führen, den Rest sollen Fremde betreiben?
Wais: Wer sagt das?
FORMAT: Die Unterlagen aus Ihrem Unternehmen.
Wais: So können Sie das nicht sehen. Man muss die PSK-Bankstellen und die Standorte dazurechnen, die wir im Franchise oder an Pächter vergeben wollen.

"Darf nicht auf Zurufe reagieren"
FORMAT: Was tun Sie, wenn die Politik Ihre Strategie blockiert?
Wais: Wie soll die Politik den Vorstand einer AG blockieren, wenn es um das Wohl des Unternehmens geht? Ich darf gar nicht auf Zurufe reagieren, weil ich 30.000 private Aktionäre habe, davon 13.000 Postler. Wir haben die Zurufe immer nur gehört, aber nicht angehört.
FORMAT: Wie werden Sie auf einen Streik reagieren?
Wais: Ich glaube nicht, dass gestreikt wird. Ich setze auf meine Mitarbeiter und den Dialog mit der Gewerkschaft. Die Mitarbeiter werden die Weihnachtspackerln ganz sicher austragen, weil sie sonst um das Trinkgeld umfallen würden.
FORMAT: Wäre der Wirbel durch bessere Kommunikation nicht vermeidbar gewesen?
Wais: Ich habe den Wirbel nicht inszeniert. Außerdem war es das vielleicht sogar wert. Denn jetzt weiß jeder Politiker, dass die Liberalisierung massive Auswirkungen auf die Post haben wird.

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