Porträt: Gabriele Payr soll Wiener Stadtwerke erschlanken lassen und bekommt vorab Rosen

Gabriele Payr wird Generaldirektorin der Wiener Stadtwerke und ­damit Herrin über mehr als 15.000 Mitarbeiter. Die dynamische Juristin soll das Unternehmen in die Gewinnzone bringen.

Hört man sich in ihrem politischen wie sozialen Umfeld um, bekommt man nur Gutes über sie zu hören. Als umgänglich, kollegial, engagiert und intelligent wird die neue Vorstandsvorsitzende der Wiener Stadtwerke beschrieben. Die Juristin löst den 64-jährigen ­Felix Joklik an der Spitze des im Besitz der Stadt Wien stehenden Unternehmens ab. Die Berufung Payrs kommt zwar nicht überraschend – sie war Jokliks Vize –, sorgt in der Branche aber auch für etwas Verwunderung, zumal der Energiesektor seit je als klassische Männerdomäne gilt.

Rosen für Payr
Anders sieht das Ernst Theimer, Aufsichtsratsvorsitzender der Wiener Stadtwerke. „Diese Denke ist überholt. Bei uns ist ohnehin schon ein Drittel der Führungskräfte weiblich“, betont er – und nennt die 49-Jährige die beste Wahl für den Job. „Es ist ja nicht ihre erste Führungsposition. Sie hat schon oft genug bewiesen, dass sie es kann.“ Auch die Wiener Vizebürgermeisterin Renate ­Brauner meint, Payr sei eine starke Führungspersönlichkeit: „Zugleich bringt sie als Frau eine ganz spezifische Herangehensweise an Problemstellungen mit.“

Steile Karriere
Die seit vielen Jahren verheiratete Managerin blickt auf eine steile Karriere zurück: 1981 heuerte sie als Juristin bei der Stadt Wien an, wo sie in der Wohnhäuser- und Finanzverwaltung anfing. „Damals war meine Tätigkeit aufs Ausführen beschränkt. Da wusste ich, dass ich in so einer Position nicht enden will“, erinnert sich Payr. Und so stieg die ambitionierte Newcomerin rasch auf, managte bald die Neubauförderung und Wohnungsvergabe und zeichne­te später für die Neuorganisa­tion der Wohnhäuserverwaltung verantwortlich.

Herrin über 220.000 Wohnungen
2000 übernahm sie die Führung von „Wiener Wohnen“ und verwaltete damit mehr als 220.000 Gemeindebauwohnungen – was der SP-nahen Managerin mit dem roten Haarschopf vor allem bei männlichen Kollegen den Ruf einer Powerfrau einbrachte. Seit Anfang 2004 ist die Mutter einer mittlerweile erwachsenen Tochter Vorstandsmitglied der Wiener Stadtwerke Holding, im August 2007 wurde sie Stellvertreterin Jokliks. Privat soll Payr ähnlich ticken wie im Job: Sie begrüßt Eigenständigkeit und Freiräume. „Bei uns zuhause erledigt jeder seine Dinge selbst und übernimmt bestimmte Aufgaben. Mein Mann ist zum Beispiel fürs Einkaufen zuständig; wenn sich das nicht ausgeht, gehen wir essen.“

Schwieriges Umfeld
Payr gilt als ­Energiebündel, sitzt meist schon um sieben Uhr morgens im Büro. Sie fährt immer mit den „Öffis“ in die Arbeit. Die findet sie gemütlich. „Da kann ich in Ruhe lesen und meine Mails am Handy checken.“ Kraft für ihren neuen Job wird Payr jedenfalls brauchen. Die Wiener Stadtwerke sind Österreichs größter kommunaler Infrastrukturdienstleister mit den Tochtergesellschaf­ten Wien Energie, Wiener Li­nien, Bestattung Wien und dem Beteiligungsmanagement. Die Firmengruppe zählt rund 15.500 Mitarbeiter. Im Vorjahr lag der ­Konzernumsatz bei 2,397 Milliarden Euro, 80 Prozent davon entfallen auf den Energie­bereich (z.B. Wienstrom), 19 Prozent auf die Sparte Verkehr.

Kampf mit Liberalisierung
Seit der Jahrtausendwende hat der frühere Monopolist mit den Liberalisierungen zu kämpfen. Zur Erinnerung: Zwischen 1999 und 2003 kam es in Öster­reich zu einer schrittweisen Öffnung des Strommarktes, 2000 zur Gasmarkt-Liberalisierung. 2002 führte die Gewerbeordnung zur Öffnung im Bestattungswesen. Und die Öffis stehen ohnehin im ­ständigen Wettbewerb mit dem Individualverkehr. Das EGT war mit 45,9 Millionen Euro im Vorjahr leicht rückläufig (2006: 46 Mil­lionen), das Betriebsergebnis lag mit 78 Millionen im Minus. „Wir hoffen, dass mit der Neubesetzung auch wirtschaftliche Vernunft in ein Unternehmen einkehrt, das in dieser Hinsicht noch nicht positiv aufgefallen ist und täglich un­glaubliche 350.000 Euro Miese macht“, schimpft ÖVP-Stadtrat Norbert Walter.

Strukturen müssen erschlanken
Dass die Strukturen des auf das Jahr 1899 zurückgehenden Unternehmens schlanker werden müssen, weiß freilich auch Gabriele Payr. Sie will mehr Effizienz in Personalbereich und Beschaffungswesen und kündigt auch ein verstärktes ­internationales Engagement im Energiesektor sowie die ­Erschließung neuer Verkehrssegmente an. Unterstützung ­erhält sie dabei von der neuen Vorstandsdirektorin Gabriele Domschitz, bisherige Personalchefin der Austro Control. Genaueres will Payr aber lieber noch nicht verraten. Wie es heißt, sind neben dem C&K weitere Taxidienstleistungen geplant. Payr selbst will die allerdings nur selten nutzen, sie bleibt lieber bei den „Öffis“.

Von Silvia Jelincic

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