Porsche unter Strom: Automanufaktur RUF bastelt am ersten Elektro-Porsche der Welt

Die deutsche Automanufaktur RUF bastelt derzeit an einer Sensation: dem ersten Elektro-Porsche der Welt. Der Sportler soll mit einer Ladung 300 Kilometer fahren und 2009 in Serie gehen.

Auf den ersten Blick ist es ein ganz normaler Porsche 911 – nur nicht aus Stuttgart, sondern aus der schwäbischen Auto­manufaktur RUF. Beim Öffnen der Motorhaube wird freilich klar, dass dieser Sportwagen nicht nur aufgrund der Herkunft etwas Besonderes ist: Statt Zündkerzen, Lichtmaschine und Getriebe steht dort in großen Buchstaben „High Voltage“. Unter Hochspannung steht auch Alois Ruf, der Chef der Manufaktur. Er hat kürzlich angekündigt, in einem Jahr den ersten Porsche und damit den ersten Sportwagen der Geschichte mit Stromantrieb auf den Markt zu bringen.

Um diese technische Meisterleistung binnen drei Jahren zur Serienreife zu bringen, braucht es nicht einmal einen großen Konzern, der Millionen in die Entwicklung pumpt. „Wir werden für die nötigen fünf Prototypen mit 12,5 Millionen auskommen“, so Ruf. Beim kalifornischen Konkurrenten Tesla soll es angeblich mindestens dreimal so viel gewesen sein. Bei Tesla ­dauert die Entwicklung bereits fünf Jahre, und der Verkaufsstart wird seit 2007 verschoben, ist aber jetzt mit 2009 angesetzt. Im Gegensatz zu den Kaliforniern finanziert Ruf, der dank einer Abmachung mit der Porsche AG die Karosse seit 45 Jahren bauen darf, alles aus der eigenen Tasche beziehungsweise mithilfe der Banken. Die Inves­tition ist ein gewaltiger Kraftakt, setzt doch die Manufaktur mit rund vierzig verkauften Autos im Jahr derzeit nur 15 Millionen Euro um. „Für uns ist der Elektroporsche eine wichtige ­Investition in die Zukunft. Außerdem sind Spezialaufträge ohnehin unser tägliches ­Geschäft“, erklärt Ruf.

Viel Leistung ohne einen Tropfen Benzin
Um das technische Wunderwerk in Gang zu setzen, braucht es 96 Lithium-Ionen-Bat­terien. Was das Auto um 300 Kilo schwerer macht als einen normalen Porsche. Bei Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit kann der Elektrosportler, der zwar ab der ersten Sekunde das maximale Drehmoment zur Verfügung hat, mit dem konventionellen Porsche noch nicht ganz mithalten. Nach sieben Sekunden erreicht er 100 km/h, die Spitze liegt bei 225 km/h. Zum Rasen mit gutem Gewissen reicht das aber allemal. Die Batterie des 204-PS-Gefährts bietet zusammen mit der beim Bremsen gewonnenen ­Energie mit einer Stromladung ge­nügend Saft für 300 Kilometer. Bei flotterer Fahrweise kommt man rund 240 Kilo­meter weit. „Das ist mehr als dreimal so viel wie mit bisherigen Elektroautos“, schwärmt Ruf.

Doch das Nullemissionsfahrzeug kostet eine Stange Geld. Für das neue Produkt aus dem Hause RUF werden umweltbewusste Fahrer zwischen 150.000 und 180.000 Euro zahlen müssen. Ein Trost: Volltanken dürfte nicht mehr als fünf Euro kosten. Die ­Sorge, dass den Kunden in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Geld für so eine Edelkarosse fehlt, hat Ruf nicht: „Schon jetzt zahlen unsere Kunden für einen Porsche im Schnitt doppelt so viel wie für ein Stuttgarter Modell.“ Mit Spezialwünschen kann so ein Porsche bis zu 400.000 Euro kosten. Für den schadstofffreien Flitzer liegen denn auch schon dreißig Bestellungen vor.
Doch so manchem fehlt noch der rechte Glaube an die Fähigkeiten des Wunderdings. Ruf: „Es kommen ­immer wieder Interessenten, die kaum fassen können, was die Prototypen leisten.“

Von Anneliese Proissl

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