Porsche Holding: Die Eingliederung in VW könnte den Autohändler schwächen

Die Familien Porsche und Piëch müssen ihren profitablen Salzburger Autohändler, die Porsche Holding, an den Volkswagen-Konzern abgeben. Die Integration könnte Österreichs zweitgrößtes Privatunternehmen schwächen und einen Mitarbeiterabbau zur Folge haben.

Peter Daniell Porsche, Urenkel von Käfer-Erfinder Ferdinand und Betreiber einer Waldorf-Schule nahe Salzburg, hatte in den vergangenen Wochen nur eins im Kopf, nämlich die Geburt seines dritten Kindes. Ausgerechtet in den vergangenen Tagen stellte der rund 50-köpfige Porsche- und Piëch-Clan die Weichen seines Auto-Imperiums neu. Peter Daniells Sprössling wird die Porsche-Welt ganz anders erleben als der Vater: Ab 2011 verschmilzt die edle Stuttgarter Sportwagenschmiede Porsche AG mit dem Volkswagen-Konzern.

Porsche Holding geht an VW
Damit die Familien trotz der zehn Milliarden Euro Schulden bei Porsche VW-Großaktionär bleiben können, müssen sie die Schwestergesellschaft Porsche Holding mit Sitz in Salzburg um 3,55 Milliarden Euro an VW verkaufen. Ab 2011 geht das nach der Handelskette Spar zweitgrößte Privatunternehmen Österreichs so im VW-Konzern auf und wird vom hochprofitablen Pfeiler des Porsche-Reichs zum Tochterunternehmen der Wolfsburger. Beobachter befürchten deshalb eine empfindliche Schwächung des heimischen Handels-Flaggschiffs und einen Mitarbeiterabbau. „In unserer täglichen Arbeit wird sich nichts ändern. Wir sehen keinen Mitarbeiterabbau“, entgegnet indes Porsche-Holding-Boss Wolf-Dieter Hellmaier (im Bild) .

Die Salzburger, Piëchs Liebkinder
Die 1947 von Ferry Porsche und Louise Piëch gegründete Porsche Holding war immer mehr Liebkind der Piëchs als der Porsches. Während Ferry Porsche in Stuttgart den Porsche 356 Nr. 1 Roadster entwarf, leitete Schwester Louise jahrzehntelang den heute europaweit größten Autohändler und -importeur. Die Marktmacht erlangte die Schwestergesellschaft der Stuttgarter vor allem durch rasantes Wachstum in Osteuropa und die historisch enge Kooperation mit dem VW-Konzern – Porsche war es, der den VW-Käfer Ende der 40er-Jahre nach Österreich einführte. Beim jetzigen Porsche-VW-Deal setzten sich die Autohändler, die Piëchs, innerhalb der Familie durch. „Wäre dies nicht so, hätte ich um die Porsche Holding weit mehr Sorge“, meint Gustav Oberwallner, Obmann der Sparte Fahrzeughandel in der Wirtschaftskammer.

Überschneidungen mit Wolfsburg
Dennoch dürfte die in 19 Ländern aktive Porsche Holding nicht ohne Einschnitte davonkommen: VW wird es sich wahrscheinlich nicht nehmen lassen, in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld Synergien zu heben. Im Marketing, in der Disposition, im Ersatzteilegeschäft und bei den Finanzdienstleistungen gibt es mit den Wolfsburgern Überschneidungen. „Ohne Mitarbeiterabbau wird das nicht gehen“, glaubt etwa Burkhard Ernst, Eigner von Mazda Rainer.

Ende der Händlerfreiheiten?
Wie stark sich die Wolfsburger die Salzburger künftig an die Brust nehmen, ist noch unklar. Der Autohändler ums Eck, der seine Kundschaft schon jahrelang kennt, funktioniert derzeit besser als die lokalen Niederlassungen der Autobauer mit ihren strikten Verkaufszielen. Die Porsche Holding, zwar selbst eine riesige Organisation, beherrscht dieses Spiel perfekt: Die eigenen Niederlassungen und die Vertragshändler haben etwa bei der Preisgestaltung relativ freie Hand, und die Entscheidungsstrukturen sind weitgehend dezentral. „Das ist ein großer Vorteil. Dennoch ist denkbar, dass die Porsche Holding zu einer reinen Vertriebsgesellschaft mit direktem Reporting nach Wolfsburg wird“, analysiert Autoexperte Stefan Lippautz von Arthur D. Little.

Wegfall der Fremdmarken möglich
Mit der Integration in den VW-Konzern wird sich die Porsche Holding voraussichtlich auch von ihrem lukrativen Geschäft mit Fremdmarken verabschieden, die immerhin 20 Prozent der Verkäufe ausmachen. Die Sparte wird vor allem von der französischen Einzelhandelstochter PGA forciert, auch im Ausland wie in den Niederlanden. Diese Einnahmequelle zu ersetzen dürfte schwierig werden.

Düstere Aussichten
Und das, während sich die Aussichten im Autohandel bei ohnehin schon niedriger Margen nochmals verdüstern: Der deutsche Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer schätzt, dass 2010 in Westeuropa um rund 700.000 Fahrzeuge weniger abgesetzt werden als im Krisenjahr 2009. „Die meisten Käufe in den nächsten 18 bis 24 Monaten wurden mit der Abwrackprämie bereits vorweggenommen“, glaubt Heiko Fink vom Consulter Horváth & Partner. Peter Daniell Porsche verarbeitete die Machtverschiebungen literarisch: Im Herbst bringt er einen Gedichtband heraus. „Der Mythos Porsche lebt, ganz gleich wie sich die Zeiten ändern mögen“, heißt es darin.

Von Barbara Nothegger

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