Pleon-Publico-Chef Schindler über die Post-Hochegger-Ära und die Enge des PR-Markts

FORMAT: Herr Schindler, vor knapp einem Jahr ist die PR-Agentur Hochegger untergegangen. Wer hat davon profitiert?

Schindler: Wir alle. Natürlich haben auch wir davon einen Teil abbekommen. Es ist uns gelungen, den Etat der Telekom Austria für uns zu gewinnen.

FORMAT: Wie würden Sie jetzt dieses Ereignis für die PR-Branche bewerten?

Schindler: Die Agentur Hochegger war sehr gut im Geschäft. Aber es war verblüffend, wie rasch dieses Geschäft von anderen absorbiert wurde. Innerhalb nur eines Quartals hat sich Hochegger atomisiert. Dabei ist zu sagen: Die eigentlichen Fehler sind erst nach Auffliegen des Skandals passiert. Man hätte die Anteile an der Agentur sehr rasch verkaufen müssen. Genau das ist aber nicht passiert.

FORMAT: Glauben Sie, hat der Fall Hochegger der ganzen PR-Branche geschadet?

Schindler: Nein, ich denke, es war allen bewusst, dass es sich dabei um einen Einzelfall gehandelt hat. Was hier passiert ist, hatte nichts mit normalem Lobbying zu tun. Das wurde aufgrund der ausführlichen Berichterstattung klar.

FORMAT: Wie genau sieht der Telekom- Auftrag aus, den Sie von Hochegger übernommen haben?

Schindler: Über Details möchte ich nichts verraten, aber so viel kann ich sagen: Es ist ein sehr großer Auftrag.

FORMAT: Spüren Sie die „Erben“ von Hochegger, die Agenturen Martrix und Metrum, als Wettbewerber?

Schindler: Nein, Martrix spüre ich nicht, und wie heißen die anderen: Metro?

FORMAT: Metrum. Das sind die Nachfolger von Hochegger Financials.

Schindler: Ah so. Nein, in unserem Bereich spüren wir die auch nicht. Außerdem ist der Finanzbereich ohnehin zurzeit nicht gerade sehr boomend.

FORMAT: Wie intensiv ist denn der Wettbewerb am PR-Markt?

Schindler: Der Markt ist hochkompetitiv. Bei rund der Hälfte der Aufträge gibt es notgedrungen Wettbewerb, etwa weil die Auftraggeber öffentlich ausschreiben müssen oder pitchen lassen. Und auch die restliche Hälfte ist heiß umkämpft, wir befinden uns permanent in einem Beauty-Contest.

FORMAT: Was sind die Kriterien, dass man als PR-Agentur zum Zug kommt?

Schindler: Ganz vorn steht das persönliche Vertrauen, schließlich geht es oft um sensible Unternehmensdetails. Dann ist entscheidend, ob die Agentur so etwas schon einmal gemacht hat, d. h., weiß sie über die rechtlichen Rahmenbedingungen Bescheid, ist sie inhaltlich fit und ist sie leistungsfähig genug. Und schließlich ist wichtig, wie gut die Agentur vernetzt ist.

FORMAT: Wie wichtig ist Lobbying?

Schindler: Lobbying macht ein Drittel unseres Umsatzes aus und ist sicher ein Wachstumsfeld, denn die Politik ist wieder zurück.

FORMAT: Wie oft treffen Sie in Ihrer Arbeit eigentlich auf Ihren früheren Chef Wolfgang Rosam?

Schindler: Sehr selten. Aber kürzlich haben wir einmal eine gemeinsame Präsentation gemacht. Erstmals machen wir auch ein Projekt zusammen.

FORMAT: Wer sind Ihre schärfsten Konkurrenten?

Schindler: Dietmar Ecker ist sicher der größte Player am Markt. Wolfgang Rosam bewegt sich nicht in dem Bereich, wo gepitcht wird, deshalb kommen wir einander selten in die Quere. Man kann sagen, nach Hochegger haben sich die Big 4 herauskristallisiert, das sind: Ecker, Rosam, wir und Grayling.

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