Peter Weinzierl: "Unsere Juristen prüfen die Möglichkeit einer Amtshaftungsklage"

Meinl-Bank-Vorstand Peter Weinzierl über das umstrittene Vorgutachten, Fehler des Staatsanwalts und über Heerscharen von Anwälten.

FORMAT: Herr Weinzierl, es vergeht kein Tag, an dem Sie das Vorgutachten von Herrn Havranek nicht in der Luft zerreißen. Wie wichtig ist dieses Gutachten für Sie?
Weinzierl: Das ist wie beim Poker: Jetzt mussten die Karten einmal auf den Tisch gelegt werden, und es zeigt sich, dass dieses Vorgutachten alles ist, was gegen uns vorliegt. Wenn das wirklich alles ist, dann ist das schon sehr schwach. Und das ist für uns schon eine wichtige Sache.

"Keine Belege für zentrale Lenkung"
FORMAT: Was ist für Sie der gravierendste Fehler in diesem Gutachten?
Weinzierl: Es heißt ja immer wieder, MEL wurde von Meinl zentral gelenkt. Dafür gibt es in diesem Gutachten keine Belege. Havranek hätte nur die MEL-Board-Protokolle ansehen müssen. Aus denen geht hervor, dass dort nicht zu allem ja und amen gesagt wurde. Diese Beherrschung hat es nie gegeben, und die wurde auch nicht belegt.
FORMAT: Es heißt, Sie wollen einen zweiten Antrag auf Befangenheit des Gutachters einbringen. Stimmt das?
Weinzierl: Wir haben die Ablehnung unseres ersten Antrags beeinsprucht und überlegen, auf Basis des Vorgutachtens noch einen Antrag zu stellen. Es soll geprüft werden, ob Havranek die nötige Qualifikation dafür hat.
FORMAT: Sie betonen immer, das Gutachten komme den Steuerzahler so teuer. Wie viel kostet es denn?
Weinzierl: Genau weiß ich es nicht, weil wir keine vollständige Akteneinsicht bekommen. Aus meiner Erfahrung würde ich aber sagen: 400.000 bis 600.000 Euro.
FORMAT: Ihr Anwalt, Georg Schima, schießt in seinem Brief auch den zuständigen Staatsanwalt scharf an. Wollen Sie ihn auch wegen Befangenheit ablehnen?
Weinzierl: Es ist zu prüfen, ob der Staatsanwalt im Wissen, dass beim Gutachter ein Befangenheitsgrund vorliegt, diesen berufen hat. Wenn ja, wäre dem Staatsanwalt ein Verschulden bei der Auswahl des Gutachters zuzurechnen. Das ist aber zurzeit kein Thema.

"Prüfen eine Amtshaftungsklage"
FORMAT: Man hört, dass Sie auch eine Amtshaftungsklage gegen die Republik einbringen wollen.
Weinzierl: Ja, wenn sich der Haftbefehl von Herrn Meinl auf das Vorgutachten und ähnlich gut recherchierte Polizeiberichte stützt, dann haben unsere Juristen gewisse Bedenken, ob die Verhaftung und die Verhängung der Kaution zu Recht erfolgt sind. Das wird von unseren Juristen geprüft.
FORMAT: Wie viele Anwälte beschäftigen Sie eigentlich momentan?
Weinzierl: Jeder der Beschuldigten
hat einen Strafverteidiger. Dann gibt es Georg Schima für Zivilrecht, Christian Hausmaninger für Verwaltungsrecht und für den Scheidungskrieg mit der MIP und MAI haben wir mehrere englische Anwaltskanzleien beschäftigt.
FORMAT: Wie viel kostet das?
Weinzierl: Das kommentiere ich nicht.
FORMAT: Und wie viel geben Sie für Ihre aktuelle Marketingkampagne aus? Man hört, rund zehn Millionen.
Weinzierl: Auch hier will ich keine Zahlen nennen, zehn Millionen sind aber weit über meinem Budget.

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