Pensionen in Gefahr

Die Vorschläge der Sozialpartner zur Entschärfung der Probleme der staatlichen Rentenkassen werden von Experten kritisch beurteilt. Für junge Menschen ist es deshalb unverändert notwendig, auch privat vorzusorgen – und das möglichst ertragreich.

Die Zielvorgabe war klar: Die Sozialpartner sollten konkrete Vorschläge erarbeiten, um das staatliche Pensionssystem auf ein langfristig sicheres Fundament zu stellen. Doch das am Montag beim Sozialpartner-Gipfel in Bad Ischl präsentierte Ergebnis fällt ziemlich mager aus: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Invaliditätsrenten müssen sich erst in der Praxis bewähren. Und die Prämien für Hacklerpensionisten, die erst später als zum frühesten Zeitpunkt in den Ruhestand treten, könnten am Widerstand von Finanzministerin Maria Fekter scheitern.

Ulrich Schuh, Pensionsexperte des Instituts für Höhere Studien IHS: „Die Vorschläge sind teilweise Alibiaktionen, teilweise besteht sogar die Gefahr, dass sie mehr finanziellen Schaden als Nutzen anrichten. Unter dem Strich sehe ich keinen Grund, dass ein heute 25- bis 35-Jähriger mit mehr Zuversicht in die Zukunft blicken kann. Das ständige Weiterwurschteln führt dazu, dass irgendwann die notwendigen Einschnitte in das staatliche Pensionssystem besonders grausam und ungerecht ausfallen.“ Nachsatz: „Ein Beispiel, was passieren kann, ist Griechenland. Dort wurden mit einem Federstrich auch bestehende Pensionen um 20 Prozent gekürzt.“

FORMAT analysiert, was die Pensionsvorschläge im Einzelnen bedeuten und was gerade junge Menschen jetzt tun können, um sich ein möglichst ertragreiches zusätzliches Pensionsstandbein aufzubauen.

Prämie als Mitnahmeeffekt

Zu den möglichen Gewinnern des Prämienmodells der Sozialpartner gehören diejenigen, die eigentlich in die Hacklerregelung fallen, aber gar nicht vorhaben, als Frau schon ab 55 oder als Mann ab 60 in den Ruhestand zu treten. Sie könnten für ohnedies geplantes drei Jahre längeres Arbeiten insgesamt bis zu 9.000 Euro netto zusätzlich kassieren – vorausgesetzt, die Prämie wird tatsächlich eingeführt.

Ob sich dagegen diejenigen, die die Hacklerpension fix anpeilen, von einer Prämie von umgerechnet 250 Euro im Monat ködern lassen, ist zu bezweifeln. Viele von ihnen haben extra um teures Geld Schul- und Studienzeiten nachgekauft. Diese zum Teil fünfstelligen Summen wären mehr oder weniger sinnlos investiert, wenn man dann doch länger arbeitet. Außerdem nehmen viele Frühpensionisten wesentlich höhere finanzielle Einbußen bewusst in Kauf, nur um möglichst früh mit dem Arbeiten aufhören zu können.

Während die Prämie unter die Kategorie Zuckerbrot einzuordnen ist, geht es beim Zurückdrängen der ausufernden Invaliditätspensionen eher um das Prinzip Peitsche. Neben harmloseren Maßnahmen wie etwa einer Frühintervention bei langen Krankheitszeiten wird auch die Möglichkeit einer stationären Einweisung in die Psychiatrie vorgeschlagen, falls jemand wegen psychischer Probleme eine Invaliditätsrente beantragt.

Ob sich allerdings insgesamt der gewünschte Effekt einstellt, nämlich eine Verlängerung des faktischen Pensionsantrittsalters um volle zwei Jahre, wird erst die Zukunft zeigen. Wenn das Reparatur-Paket nicht greift oder im schlimmsten Fall sogar Mehrkosten verursacht, trifft es besonders die junge Generation. Pensionsexperte Schuh: „Vor den nächsten Nationalratswahlen ist noch nichts zu befürchten. Danach könnte es aber, ähnlich wie bei der Fußballweltmeisterschaft, im Vierjahresrhythmus zu einschneidenden Pensionsreformen kommen.“

Das heißt nicht, dass die staatliche Vorsorge unsicher ist, bei der Höhe dürfte es aber zu Abstrichen kommen. Das gilt umso mehr, als heute 30-Jährige nicht mehr damit rechnen können, durch attraktive Frühpensionsmodelle in den vorzeitigen Ruhestand gehen zu können.

Spätestens ab dem Geburtsjahrgang 1968 wird auch für Frauen ein offizielles Pensionsalter von 65 gelten. Wer früher aufhören will zu arbeiten, muss mit tieferen Einschnitten rechnen als heutige Ruheständler. Diese können als Frau teilweise noch mit 55 ohne jeden Abschlag in die Rente wechseln.

Die derzeitige Lage an den Finanzmärkten erschwert obendrein die private Vorsorge. Die Renditen für solide Staatsanleihen liegen unterhalb der Inflationsrate. Dementsprechend haben auch die klassischen Lebensversicherungen Ertragsprobleme. Sie punkten zwar mit dem Nimbus einer sicheren Anlage, die es in den vergangenen Jahrzehntem schaffte, eine Verzinsung leicht über der Inflationsrate zu erwirtschaften. Gerade für junge Menschen, die sich erst ihre finanzielle Existenz schaffen, ist aber ein reiner Kaufkrafterhalt ziemlich unbefriedigend. Dieser bedeutet, dass man den Restaurantbesuch, den man sich heute spart, irgendwann in dreißig Jahren nachholen kann.

Renditen aus Zukunftsmärkten

Gerade in jungen Jahren macht es Sinn, chancenreicher anzlegen. Schließlich hat man noch viele Jahre Zeit, etwaige Schwächephasen an der Börse auszugleichen. Selbst in den vergangenen zehn Jahren, in denen sich zwei massive Kurseinbrüche ereigneten, konnten clevere Anleger viel Geld verdienen. Kaum zu glauben, aber wahr: In den vergangenen schwankungsintensiven 120 Monaten konnte man bis zu 22,8 Prozent Jahresrendite erwirtschaften.

Im konkreten Fall handelt es sich um den in Österreich gemangten ZZ2-Fonds. Dieser Fonds setzte nämlich auf ein Thema, das auch die nächsten Jahre interessant bleibt: Er kaufte Wertpapiere aus Schwellenländern, im konkreten Fall Staatsanleihen. Auch andere Fonds, die auf Asien & Co setzen, haben zweistellige Erträge erwirtschaftet und eignen sich deshalb besonders für den langfristigen Kapitalaufbau für die Pension.

Eine Auswahl solcher empfehlenswerter Produkte ist dem FORMAT Nr. 41 beiliegenden FORMAT-Portfolio aufgeführt. Dabei reicht dort die Palette von reinen Aktienfonds (siehe Covergeschichte ) bis hin zu vergleichsweise moderaten Mischfonds, die aber auch in guten Zeiten ordentlich Gas geben. Derartige Produkte lassen sich sowohl über Banken kaufen als auch via fondsgebundene Versicherung. Versicherungen haben steuerliche Vorteile – man bleibt von der neuen Wertpapier-KESt verschont. Es gibt aber auch Nachteile wie hohe Spesen und oft eine starre Konstruktion der Produkte. Deshalb sollten Neueinsteiger auf günstige Kosten und eine möglichst hohe Flexibilität achten (siehe Tipps ).

Ein gutes Pensionsprodukt sollte die Möglichkeit bieten, zumindest einen Teil des Kapitals in den Schwellenländern zu investieren. Während die vermeintlich soliden Industriestaaten in Europa und Amerika mit einer stark steigenden Verschuldung, einem schwachen Wachstum und einer zunehmenden Überalterung kämpfen, sind in Asien und anderen Zukunftsmärkten die Wachstumsaussichten noch intakt.

Letztlich ist die Pension immer ein Umlageverfahren – gleich ob es sich um die österreichische Pensionsversicherung handelt oder um eine Veranlagung an der Börse. In beiden Fällen wird das Geld heute investiert und erst in Zukunft erwirtschaftet. Falls die staatlichen Erträge in Österreich mager ausfallen, kann man das immer noch mit Gewinnen aus jungen Märkten ausgleichen.

– Martin Kwauka

So optimieren Sie Ihre finanzielle Vorsorge

Ist-Stand erheben

Jeder Arbeitnehmer oder Selbständige, der ab 1. 1. 1955 geboren ist, hat ein staatliches Pensionskonto, auf dem die bisherigen Pensionsbeiträge angespart werden. Im Jahr 2012 kann man je nach Einkommen maximal 75 Euro Gutschrift erwerben. Beispiel: 30 Jahre Maximaleinzahlung von 75 Euro ergeben 14- mal 2.250 Euro Monatspension, die jährlich valorisiert werden. Auch wenn das Konto nur ein grober Indikator für die künftige Pension ist, sollte man den Kontostand einmal im Jahr abrufen. Für Arbeiter und Angestellte geht das formlos unter Angabe der Sozialversicherungsnummer per E-Mail an pva@pensionsversicherung.at , für Unternehmer an pension@svagw.at . Am besten bittet man in der Mail um eine automatische jährliche Benachrichtigung. Achtung: Die Sozialversicherungen brauchen manchmal einige Monate für die Antwort …

Spesen sparen

Lebensversicherungen verursachen hohe Anfangsprovisionen. Bei Ansparverträgen bekommt der Vermittler im Normalfall mehr als eine Jahresprämie. Man kann entweder einen Rabatt aushandeln oder sogar eine spesenfreie „Direktionspolizze“ in der Zentrale der Versicherung abschließen. Wegen der erneuten Spesen sollte man es sich auch dreimal überlegen, alte Verträge zu stornieren und auf Anraten eines Vermittlers eine neue (angeblich bessere) Versicherung abzuschließen!

Flexibel bleiben

Das Storno einer Polizze ist extrem teuer. Deshalb sollte man nur Verträge abschließen, deren Prämien die ganze Laufzeit lang leicht leistbar sind. Ist das nicht sicher, ist ein Fondssparprodukt besser. Gut sind Polizzen, die möglichst flexibel sind. Auch in der Veranlagung sollte man zwischen „sicher“ und „chancenreich“ problemlos wechseln können.

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