Peek & Cloppenburg bringt Mitbewerber mit dem neuen Wiener Flaggschiff unter Druck

Das deutsche Modehaus Peek & Cloppenburg eröffnet sein neues Flaggschiff in Wien. Andere Händler müssen sich warm anziehen.

Kalt, grau, brutal. Das neue Weltstadthaus von Peek & Cloppenburg (P&C) in der Kärntner Straße 29–33 erntet kurz vor seiner Fertigstellung heftige Kritik. „Dennoch wird es ein fulminanter Erfolg“, prophezeit der Wiener Innenstadthändler Jamal Al Wazzan. Schon am 1. September werden die Deutschen auf 11.800 Quadratmetern ein lichtdurchflutetes Flaggschiff eröffnen. 85 Fensteröffnungen, vier Etagen, dazu ein Unter- und ein Staffelgeschoß umfasst das vom englischen Stararchitekten David Chipperfield entworfene Gemäuer. Angrenzende Kaufleute beobachten die Ankunft des neuen Nachbarn mit Sorge. „Um mit P&C mitzuhalten, müssen alle Händler besser werden“, sagt Al Wazzan.

Marken-Eldorado

Das Gefährliche am Nebenbuhler aus Düsseldorf: Er schafft Platz für rund 500 Labels, darunter zahlreiche klingende Namen wie Armani, Benetton, Hugo Boss, Burberry, Cerruti, D&G und Tommy Hilfiger. „Die Frage ist also nicht, ob Platz für P&C da ist, sondern, ob Platz für die anderen Kaufhäuser der City bleibt“, sagt Al Wazzan. Vor allem das Kaufhaus Steffl in unmittelbarer Nachbarschaft muss sich warm anziehen und an einer Qualitätsoffensive tüfteln.

Auch bei einer Vielzahl bekannter Designerläden, die eine ähnliche oder gar dieselbe Markenstrategie verfolgen wie die Deutschen, besteht Handlungsbedarf. Ob Philipp Maly in der Seilergasse, Marc O’Polo am Trattnerhof, Paul & Shark am Graben, Neon in der Mahlerstraße oder Grandits in der Rotenturmstraße: Sie alle werden die Ankunft des Designertempels zu spüren bekommen. Betroffen ist auch das Modehaus Don Gil. Die Italiener haben bislang stark auf den Verkauf von Hugo Boss gesetzt – eine Marke, die auch P&C führt. Dabei kommt das neue Flaggschiff zum denkbar ungelegensten Zeitpunkt: Der Mutterkonzern Mariella Burani ist pleite, und alle Don-Gil-Shops werden verkauft.

„Die Händler werden auf Peek & Cloppenburg aber schnell reagieren, die eigene Qualität verbessern und am Ende sogar profitieren“, ist der Innenstadthändler Rakesh Sardana überzeugt. Mit dieser Meinung steht der Kaufmann nicht alleine da. Viele meinen, dass die Zugkraft von P&C die Kärntner Straße aufwerten und mehr Kaufkraft in die Innenstadt bringen wird. „Einen Aufputz hat die früher so noble Shoppingmeile auch dringend nötig. Seit Jahren verkommt sie zu einer Billigstraße“, ärgert sich Al Wazzan. Tatsächlich reihen sich dort günstige Labels wie Pimkie und H&M dicht aneinander. Kein Vergleich zum schillernden Kohlmarkt, wo sich Luxusbrands wie Cartier und Burberry niedergelassen haben.

Umkämpfter Markt

Neben P&C wollen auch der US-Riese Forever 21, Street One und die spanische Inditex-Gruppe mit ihren Massimo-Dutti-Läden in Wien expandieren. „Es ist Platz für alle da, dem Handel geht es gut“, sagt Sardana, der unter anderem Marken wie Furla und Swarovski vertreibt und nun auch mit dem Gepäckhersteller Samsonite am Neuen Markt expandiert. Wachstumsambitionen hat auch die deutsche Modefirma s.Oliver, nachdem sich ihr Geschäft am Stephansplatz als Goldgrube entpuppt hat. Das US-Freizeitlabel Abercrombie & Fitch sieht sich ebenfalls nach einem Standort um.

4,6 Milliarden Euro setzte Österreichs Bekleidungseinzelhandel im Vorjahr um – das entspricht einem realen Plus von immerhin 1,9 Prozent gegenüber 2009 (nominell: plus 3,5 Prozent). Für heuer geht der Marktforscher Regioplan von nominell plus drei Prozent aus. Fünfzig Ketten und eine Vielzahl kleiner Händler teilen sich das lukrative Geschäft. Platzhirsch ist der schwedische Textilriese H&M, dahinter rangieren C&A, P&C, KiK und Vögele. Allein die Top Five kommen in Summe auf fast fünfzig Prozent Marktanteil. Allerdings sinkt die Zahl der Geschäfte kontinuierlich und liegt derzeit bei knapp 6.000. Im Jahr 2001 waren es noch um gut 500 mehr. Dafür werden die Shops immer größer, wie vor allem P&C vorzeigt.

Die Düsseldorfer betreiben in Österreich zehn Standorte, drei davon in Wien. Das derzeitige Flaggschiff auf der Mariahilfer Straße gehört zu den profitabelsten des traditionsreichen Modekonzerns. Die neue Filiale auf der Kärntner Straße könnte aber, so sind sich Sardana und Al Wazzan einig, noch besser laufen. Dass das Gebäude mit der brutalen Rasterfassade optisch nicht gerade ansprechend ist, dürfte dabei nicht stören. „Das Haus polarisiert. Die Geschäfte werden dennoch florieren“, meinen die beiden Händler.

– Silvia Jelincic

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