Pecik: "Kann mir Krisen-Solidarbeitrag von den Vermögenden vorstellen"

Der Investor und Multimillionär Ronny Pecik hält höhere Besteuerung von Stiftungen und Kapitalerträgen in schwierigen Zeiten für okay.

FORMAT: Aufrufe zu einer Jagd auf das Geld der Reichen werden in der Öffentlichkeit immer häufiger. Sind Sie als Millionär darüber erschrocken?
Ronny Pecik: Gar nicht. Ich verstehe schon, dass in dieser schwierigen Zeit nach Geldquellen gesucht wird. Allerdings ist es immer ein subjektiver Standpunkt, wer als reich bezeichnet wird.
FORMAT: Heißt das, Sie können sich einen besonderen Beitrag von Vermögenden zur Bewältigung der Krise vorstellen?
Pecik: Durchaus. Alle müssen jetzt an einem Strick ziehen. Ich bin sehr froh, dass Österreich sauber und sicher ist. Man muss sich ja nur anschauen, was sich sogar in Deutschland abspielt. Jetzt müssen wir in einen größeren Topf einzahlen, damit unser Land bleibt, wie es ist.

Solidarbeitrag als Ausnahmelösung
FORMAT: Also Reichensteuer?
Pecik: Ich bin dafür, dass der Staat seine Filterfunktion gerade jetzt aufrechterhalten kann. Vielleicht braucht man dazu nicht unbedingt gleich neue Steuern. Aber so eine Art Krisen-Euro kann ich mir vorstellen.
FORMAT: Einen Solidarbeitrag?
Pecik: Das ist ein gutes Wort. Genau, einen Solidarbeitrag. Wir sind in einer Ausnahmesituation, da braucht es auch Ausnahmelösungen.
FORMAT: Und wer soll den zahlen? Nur die Multimillionäre?
Pecik: Schwierig zu sagen, aber so groß ist Österreich ja nicht. Man schaut sich die Unternehmen an, die Privatstiftungen, Leute, die es sich leisten können. Und sagt dann: Bis so viel diesen Betrag, bis so viel jenen Betrag.
FORMAT: Freiwillig wird das nicht funktionieren. Es braucht schon ein rechtliches Konstrukt …
Pecik: Freiwilligkeit können Sie vergessen. Aber wie man so was organisiert, weiß ich auch nicht. Dazu habe ich mir keine Gedanken gemacht.

"Könnte mit 25 Prozent-Steuer leben"
FORMAT: Es gibt die Tendenz, Privatstiftungen stärker in die Pflicht zu nehmen. Sie haben Ihr Geld auch in einer Stiftung. Könnten Sie damit leben?
Pecik: Grundsätzlich ja, wenn es mit Augenmaß passiert.
FORMAT: Erträge in Stiftungen werden derzeit mit 12,5 Prozent besteuert. Wird etwas herausgenommen, fallen nochmals 12,5 Prozent an. Veräußerungsgewinne aus Beteiligungen sind steuerfrei. Es gibt die Idee, sofort auf alles 25 Prozent einzuheben.
Pecik: Ich persönlich könnte damit leben, gleich 25 Prozent zu bezahlen. Es würde keinen so großen Unterschied machen.
FORMAT: Hat Ihre Stiftung bis dato nennenswert Steuern abgeführt?
Pecik: Die hat 2008 eine wirklich sehr hohe Summe bezahlt – für Gewinne, die sich mittlerweile in Luft aufgelöst haben. Eigentlich müsste ich eh mit dem Finanzminister reden, dass das ein Irrtum war (lacht) . Aber im Ernst: Der Staat hat ein Recht, ordnungsgemäß seine Steuern zu bekommen.

"Loyalität zum eigenen Land"
FORMAT: Glauben Sie, dass eine Kapitalflucht einsetzen würde, wenn Stiftungen mehr zahlen müssen?
Pecik: Eigentlich sollte das eine Frage von Patriotismus und Loyalität zum eigenen Land sein. Außerdem ist die österreichische Stiftung eine so großartige Konstruktion, dass ich nicht an irrsinnige Geldströme ins Ausland glaube.
FORMAT: Sie würden bleiben?
Pecik: Ich hatte ein exzellentes Angebot eines Schweizer Kantons. Mit sechs Prozent wäre alles erledigt gewesen. Aber ich bin noch da.
FORMAT: Könnten Sie sich auch mit einer Vermögenszuwachssteuer, also im Wesentlichen einer Steuer auf Gewinne aus Wertpapieren, anfreunden?
Pecik: Derzeit zahle ich 50 Prozent, wenn ich innerhalb eines Jahres wieder verkaufe, danach gar nichts mehr. Ich hätte nichts gegen eine gewisse Glättung einzuwenden: also generell 25 Prozent, egal wann verkauft wird. Man könnte das ja auch zeitlich begrenzt einführen: zum Beispiel für 24 Monate – solange wir im Ausnahmezustand sind.

"Steuern auf Vermögenssubstanz problematisch"
FORMAT: Und was halten Sie von Vermögenssteuern wie Grund-, Erbschafts- oder Schenkungssteuer?
Pecik: Steuern auf die Vermögenssubstanz halte ich für sehr problematisch. Auf den Zuwachs ja, aber nicht auf die Substanz.
FORMAT: Können Sie dem Argument zustimmen, dass die Reichen in den Boom-Jahren überproportional verdient haben und deswegen jetzt auch überproportional für die Krise zahlen sollen?
Pecik: Am meisten profitiert haben die Investmentbanker, und die haben jetzt nichts mehr von ihren Super-Boni, weil sie alles verspekuliert haben. Aber natürlich: Die Vermögenden müssen schon einen größeren Beitrag leisten.

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