"Pecik ist weder Feind noch Freund"

FORMAT: Herr Beyrer, einige Leute sprechen Ihnen die Fähigkeit ab, in der Telekom für Aufklärung zu sorgen, weil Sie zu wenig Distanz haben. Richtig?

Markus Beyrer: Ich bin seit 1. Juli ÖIAG- Vorstand und habe schon allein deshalb größtmögliche zeitliche Distanz zu den Vorfällen. Ich habe ab der ersten Sitzung, die ich als Aufsichtsratsvorsitzender leiten durfte, rasch und konsequent die Aufklärung unter Beiziehung eines externen Untersuchungsteams vorangetrieben.

Sind Sie nicht befangen?

Warum?

Wegen der Jagdausflüge mit Telekom-Leuten.

Ich bin ein überkorrekter Mensch und müsste verrückt sein, wenn ich die Leute, die ich damals kennengelernt habe, jetzt mit Samthandschuhen anfasste! Als Generalsekretär der Industriellenvereinigung, eines privaten Vereins, habe ich natürlich Einladungen von Mitgliedsunternehmen zu Veranstaltungen wahrgenommen, allerdings in einer Zeit, wo ich das nicht nur durfte, sondern wo dies auch von mir erwartet wurde!

Wurden in der ÖIAG bei der Aufsicht der Beteiligungen in der Vergangenheit Fehler gemacht?

Im Rückblick ist man immer gescheiter, aber ich denke nicht, dass Fehler passiert sind. Bei der Telekom hat ein Kreis von Personen in inakzeptabler Form hinter dem Rücken der Wirtschaftsprüfer und des Aufsichtsrats zusammengewirkt. Das war für den gesamten Aufsichtsrat, auch den damaligen ÖIAGChef, nicht zu erkennen.

Wie sieht das mit den Aktienoptionen aus, wo TA-Manager offenbar abkassierten?

Auch da verhielt sich der Aufsichtsrat richtig. Es wurde ein Rechtsgutachten eingeholt, und das Geld wurde nur unter Vorbehalt ausgezahlt.

Welche Vorkehrungen werden bei der Telekom getroffen, dass so etwas nicht mehr passiert?

Wir haben einen Chief Compliance Officer ernannt, der die ganze Kultur ändern soll. Außerdem prüfen wir, ob wir ein elektronisches Whistleblowing-System einführen sollen, wie es in DAX-Unternehmen üblich ist. Auch bei Post und OMV könnte so ein System implementiert werden.

Seit Ihrem Antritt im Juli 2011 haben Sie sich durch beharrliches Schweigen ausgezeichnet. Warum?

Ich bin ein Mensch, der nur dann kommuniziert, wenn es etwas Substanzielles zu sagen gibt.

Zum Einstieg des Investors Pecik in der Telekom gibt es nichts zu sagen?

Ich betrachte Pecik weder als Feind noch als Freund. Er ist ein Aktionär der Telekom und als solcher zu respektieren. Ich gehe davon aus, dass er kein Interesse an einem Konflikt mit der ÖIAG hat. Ansonsten verbieten mir diverse Gesetze, mich näher dazu zu äußern.

Wie werden Sie als Vertreter des Kernaktionärs jetzt agieren?

Ein Zukauf ist nach ÖIAG-Gesetz ausgeschlossen, ein Verkauf ist wegen des fehlenden Privatisierungsauftrags nicht möglich. Ich werde daher im Rahmen der mir gegebenen Möglichkeiten weiter im Sinne des Unternehmens agieren.

Würden Sie gerne Anteile zukaufen?

Diese Option ist vom ÖIAGGesetz her nicht vorgesehen. Das mag sicher zu diskutieren sein, in nächster Zeit wird sich daran aber wohl nichts ändern.

Und was halten Sie von einer Komplettprivatisierung der Telekom?

Es spricht vieles für einen staatlichen Kernaktionär bei der Telekom. In vielen mit Österreich vergleichbaren europäischen Ländern hält der Staat einen entsprechenden Anteil an Telekomanbietern.
Letztendlich ist das aber eine Eigentümerentscheidung.

Besteht bei der OMV eine Übernahmegefahr durch die IPIC?

Die Zusammenarbeit mit der IPIC ist sehr konstruktiv und positiv. Mir haben Vertreter der IPIC erst diese Woche versichert, dass sie bei der OMV nicht über 25 Prozent gehen wollen.

Sind Sie mit der Arbeit von Telekom-Chef Ametsreiter zufrieden?

Der Aufsichtsrat hat dem Vorstand das Vertrauen ausgesprochen. Ich erwarte mir aber diese Woche vom Telekom- Vorstand eine konsistente Strategie, wie das Unternehmen auf die vielen ökonomischen Herausforderungen der Zukunft reagieren wird.

Würden Sie sich denn freuen, wenn die ÖIAG neue Aufgaben in Form von neuen Beteiligungen bekäme?

Ich denke, vorrangiges Ziel muss jetzt erst einmal die Aufarbeitung der Vergangenheit sein. Damit sind wir mehr als eingedeckt. Dann kann man vielleicht über eine Ausweitung reden. Das ist aber auf politischer Ebene zu klären. Eine Reihe von Bereichen wie Infrastruktur oder Energieversorgung wären bei der ÖIAG sicher gut aufgehoben.

Das Interview führte: Angelika Kramer

Mehr zum Thema lesen Sie unter dem Titel "Sanierungsfall ÖIAG" im neuen FORMAT.

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