Partnerbörsen: Das Online-Liebes-Geschäft boomt

Zweistellige Zuwachsraten, 15 Millionen Euro Umsatz und Besserverdiener als Zielgruppe: Internet-Partnerbörsen wollen raus aus der Schmuddelecke. Und liefern sich einen ganz unromantischen Verdrängungswettbewerb.

Angelika H. ist 49 Jahre alt, arbeitet als Lehrerin, hat ein freundliches Lächeln und lebt in einem niederösterreichischen Dorf mit knapp achthundert Einwohnern. Sie hat zwei Kinder und ist, trotzt zahlreicher Versöhnungsversuche, geschieden. Auf der Suche war sie eigentlich nicht. Aber anschauen wollte sie sich das einmal, sagt sie heute, das mit der Partnerwahl im Internet.

Sie befragte Google und Branchenseiten, hörte sich in Foren um und verglich die Angebote. Ihre Wahl viel auf Parship , das „gebildete Mitglieder mit Niveau und Persönlichkeit“ als Ausgangsbasis für langfristige Partnerschaften verspricht. Die Lehrerin hatte nicht genau gewusst, was sie eigentlich suchte, aber das Konzept klang vernünftig.

Angelika H. ist keine Ausnahme – und die Online-Balz kein Abenteuer mehr, das man lieber für sich behält. Laut Schätzungen des Branchendienstes singleboersen-vergleich.at haben rund eine Million Österreicher die Partnersuche von Diskotheken und Fitnesscentern in Online-Portale verlagert. 2009 erwirtschaftete die heimische Branche geschätzte 15 Millionen Euro, dieses Jahr könnten es bereits 20 Millionen sein. Das Online-Geschäft mit der Liebe ist seit 2002 zweistellig gewachsen. „Der österreichische Markt macht vorerst im selben Tempo weiter“, sagt Jost Schwaner, Geschäftsführer von ElitePartner .

Immer mehr Anbieter wollen von dem Boom profitieren, der Wettbewerb tobt: Mehr als 100 Websites bieten mittlerweile Vermittlungsdienste an. Manche offerieren harmlose Flirts, andere Online-Dating mit der Aussicht auf mehr oder, frank und frei, den unkomplizierten Seitensprung. Dominiert wird der Markt laut Branchenkennern umsatzmäßig von wenigen großen Unternehmen. „Wir befinden uns klar in einem Verdrängungswettbewerb“, bestätigt Schwaner. Und dieser spitzt sich gerade in jenem Segment zu, das ein Drittel des Gesamtmarktes ausmacht: gut ausgebildete, gut verdienende Singles, die andere gut ausgebildete und gut verdienende Singles suchen.

Aber bitte mit Niveau

„Parship und vor allem ElitePartner konzentrieren sich auf die gehobenere Zielgruppe“, sagt Daniel Baltzer vom Singlebörsen-Vergleich. Generell sind es die Kriterien Bildung, Einkommen und die geografische Nähe, nach der Kunden dieser Börsen Ausschau halten.

Um diese Versprechen unter die Leute zu bringen, wird nicht zu knapp investiert: Rund 30 Prozent gibt die Branche für Werbung aus. Bei ElitePartner macht das Marketingbudget 50 Prozent der Kosten aus – das schafft Präsenz: ElitePartner wirbt explizit mit „Akademikern und Singles mit Niveau“. Die Fernsehspots zeigen zur besten Werbezeit Juristinnen, Architektinnen und Hotelmanager, die sich nach einem Partner sehnen. Lockwörter: „Niveau“, „Klasse“ und „kultiviert“.

Lukrative Versprechen, die sich nicht nur für die Nutzer rechnen können: Die beiden Anbieter wechseln sich im deutschsprachigen Raum als Marktführer ab. Sie zählen, wie etwa auch das weniger elitäre eDarling , zu den sogenannten „Matchmakern“.

Was nach Zauberei klingt, ist eigentlich Statistik: Mitglieder füllen einen Fragebogen aus, anhand der Antworten wird ein Persönlichkeitsprofil erstellt. Dann kommt ein Algorithmus ins Spiel, der das eigene Profil mit den anderen in der Datenbank vergleicht – und Vorschläge herausgefiltert. „Zuvor werden sämtliche Profile auf ihre Seriosität geprüft“, so Schwaner, „Sicherheit und Qualität sind die Grundlage unseres Geschäfts.“ Ein Versprechen, das auch Parship abgibt. Bei diesem Anbieter ist die Akademikerquote nach eigenen Angaben hoch. Bei ElitePartner, die konkret damit werben, soll sie nach eigenen Angaben zwei Drittel ausmachen.

Die Liebe und ihr Preis

Aber bevor die potenziellen Partner tatsächlich kontaktiert werden können, muss die Kreditkarte gezückt werden. Frau H. etwa überwies für sechs Monate rund 240 Euro. Über klassische Online-Börsen, in denen man sich ohne Test durch Profile klickt, ist das für ein Viertel des Preises zu haben. Doch wenn vor allem die Betuchteren erreicht werden sollen, ist der hohe Betrag fast schon Teil des Marketings.

Das Geschäft floriert: Parship, das mittlerweile zur deutschen Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört, setzte 2009 mit 150 Mitarbeitern geschätzte 56 Millionen Euro um – offizielle Zahlen gibt es in der Branche nicht. „Momentan expandieren wir nicht“, sagt Sandra Gabler, Österreichbung Chefin von Parship, „wir wachsen, da die Internetnutzung zunimmt, und über die ältere Zielgruppe.“

Anders ist die Lage bei ElitePartner, das mit dem Burda-Verlag ebenfalls einen potenten Partner – und zahlreiche Werbeflächen – im Hintergrund hat. „Wir gehen nach dem deutschsprachigen Markt jetzt Holland, Frankreich und Spanien an“, so Schwaner, „und sprechen auch engere Zielgruppen an.“ Dazu zählt das Subportal AcademicPartner, das sich ganz dem Liebesglück von Akademikern und Besserverdienern verschreibt.

Golf als Kriterium

„Die Anbieter versuchen, sich immer stärker über Altersgruppen oder Interessen wie Golf zu diversifizieren“, beobachtet Branchenexperte Baltzer. Die Preise in der Topliga sind noch stabil, sie bleiben gesalzen.

Für Angelika H. hat sich der Einsatz ausgezahlt: Nach drei Fehlversuchen hat sie ihren jetzigen Partner getroffen. Dabei waren die „Matchingpoints“ – ihre Übereinstimmungen – gar nicht besonders hoch.

– M. Bachler, M. Haring

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