ORF-Wahl: Alexander Wrabetz wird als Erster, zweimal hintereinander ORF-General

Alexander Wrabetz wird am 9. August der Erste sein, der zweimal hintereinander ORF-General wird. Sein präsentiertes Programm ist zwar wenig ambitioniert. Aber eines seiner Erfolgsgeheimnisse ist, dass er sich nie zu weit aus dem Fenster lehnt.

Die erste Castingrunde hat Alexander Wrabetz bereits absolviert. Letzte Woche bewarb sich der aktuelle ORF-Generaldirektor offiziell für eine zweite Amtszeit. Auf 115 Seiten legte er der Öffentlichkeit und der Jury, also den Stiftungsräten, sein Programm mit dem wenig aussagekräftigen Titel „Der ORF als Leitmedium“ vor.

Verliefe die ORF-Wahl nach den Spielregeln der eigenen Castingshows, dann würde Wrabetz vielleicht nicht zum „Recall“, sprich: zur Wahl am 9. August, eingeladen werden. Denn während die Kandidaten für die ORF-Show „Die große Chance“ in den Castings viel Originalität und Einfallsreichtum in ihre Performance stecken – von Fakiren über Jodler bis zu Bauchrednern ist alles dabei –, lässt Wrabetz’ Konzept Innovationen weitgehend vermissen. In einer kürzlich von „TV-Media“ durchgeführten Umfrage würden nur 26 Prozent der Befragten den ORF-Chef wiederwählen.

Trotzdem: Alexander Wrabetz ist der erste ORF-Manager überhaupt, der zwei Perioden hintereinander die Spitzenposition bekleiden wird. Eines der Erfolgsgeheimnisse für diese Premieren-Leistung: sich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Das sieht man auch seinem Konzept für die Jahre 2012 bis 2016 an. „Ein besseres Programm kostet mehr Geld“, so lautet die zentrale Botschaft. Diese zusätzlichen Mittel will Wrabetz über eine Verlängerung der mit 2013 gesetzlich befristeten Refundierung für Gebührenbefreiungen holen, die dem ORF jährlich 30 bis 50 Millionen Euro einbringt. Gleichzeitig verlangt Wrabetz eine Ausdehnung der Werbezeiten. Und er kündigt ein Ende des Sparkurses an. „Wir sind beim Sparen an unsere Grenzen gelangt. Jetzt kann man wieder daran denken, die Programmbudgets zu erhöhen“, erfreut der ORF-General, der seit Anfang 2007 die Geschicke des öffentlich-rechtlichen Senders leitet, die Betriebsräte.

Als inhaltliche Höhepunkte nennt er den neuen Info- und Kulturkanal ORF III sowie den Ausbau der Information zur Frühstückszeit, eine Idee, mit der Vorgängerin Monika Lindner schon nicht durchgedrungen ist.

Die Stiftungsräte reagieren denn auch eher verhalten auf dieses Programm. „Purzelbäume schlage ich bei Durchsicht sicher nicht. Was mir darin fehlt, ist eine Idee, wie der ORF die Jugend wieder zurückgewinnen will“, kritisiert etwa Siggi Neuschitzer, Hotelier und von Kärnten entsandter Stiftungsrat. Auch der Steirer Franz Krainer hat einiges zu bemängeln. „Die Standortfrage ist nicht geklärt, und beim Sparen muss im ORF noch einiges getan werden“, meint er. Für eine Ausdehnung der Werbezeiten sieht er keine Notwendigkeit. Voll des Lobes ist, wenig überraschend, einzig Nikolaus Pelinka, SPÖ-Stiftungsrat und enger Vertrauter von Wrabetz: „Er hat alle wichtigen Themen angesprochen. Seine Ansätze sind sehr richtig.“

„Abgehobener Monopolfunk“

Auch außerhalb des 35-köpfigen Stiftungsrats, der am 9. August den ORF-General wählt, werden Wrabetz’ Ankündigungen zerpflückt. Klaus Schweighofer, Präsident des Privatsenderverbands, kritisiert insbesondere die Forderung nach mehr Werbezeit in Verbindung mit höheren Gebühren. „Das zeugt von der Abgehobenheit des Monopolfunks“, sagt er und setzt nach: „Wrabetz will seine zweite Amtsperiode offenbar zum bezahlten Urlaub machen.“ Ähnlich reagiert der Verband Österreichischer Zeitungen. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind geringere Budgets, Einsparungen sowie der Verzicht auf Werbeeinnahmen der Öffentlich-Rechtlichen ein Gebot der Stunde“, meint Verbandspräsident Hans Gasser.

Trotz Kritik kann Alexander Wrabetz, der seinen Vierjahresplan selbst als durchaus nicht defensiv ansieht, dem 9. August mit Optimismus entgegensehen (siehe Interview ). Denn anders als bei den Castings für „Die große Chance“ sind unter den wenigen bisherigen Gegenkandidaten keine ernst zu nehmenden.

Die ÖVP versuchte zwar bis zuletzt, einen ähnlichen Putsch, wie er vor fünf Jahren Wrabetz gegen seine damalige Vorgesetzte Lindner gelungen ist, zu organisieren. Aber die von ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf dirigierte Aktion gestaltete sich nach dem Absprung von RTL-Boss Gerhard Zeiler als eher aussichtslos. Es hagelte Absagen von Ex-Telekom-Boss Boris Nemsic und ORF-Finanzchef Richard Grasl. „Wenn wir jemanden nachnominieren, dann ist das jemand mit internationaler Medienerfahrung. Die Chancen dafür stehen 50:50“, meinte ein VP-Stiftungsrat noch am 2. August. Aber selbst wenn sich Medienmanager wie Hans Mahr oder Michael Grabner dafür hergeben, würde das vielleicht die Karten der ÖVP in diversen Personal-Pokern verbessern, nicht aber den General bringen. Denn allein 15 der insgesamt 35 Stimmen werden der SPÖ zugerechnet. Und diese dürften geschlossen für Wrabetz abgegeben werden. Das musste auch das SP-Urgestein Zeiler leidvoll erfahren, der den ORF zuletzt als Polit-Stadl anprangerte.

Vom Buhmann zum Liebkind

Aber auch Wrabetz war in der SPÖ nicht immer so wohlgelitten wie jetzt. 2009 forderten Bundeskanzler Werner Faymann und dessen Staatssekretär Josef Ostermayer noch standhaft seine Ablöse. Heute ist alles anders. Den Meinungsumschwung in der SPÖ hat, erklärt Wrabetz, sein erfolgreicher Sanierungskurs gebracht. „2009, in der Finanzkrise, war die Sorge des Kanzlers, ob der ORF gut aufgestellt ist oder ob es uns so ähnlich ergeht wie der AUA. Mir ist gelungen, zu zeigen, dass ich das Schiff gut aus den Turbulenzen bringen kann“, resümiert der ORF-Chef.

Und tatsächlich ist es ihm gelungen, die Personalkosten von 2007 auf 2010 von 406,4 auf 346,0 Millionen Euro spürbar zu senken. 2010 ging sich denn auch – erstmals nach zwei Jahren – wieder ein kleines Plus in der ORF-Bilanz aus. Weniger schön sieht die Bilanz des ehemaligen kaufmännischen Direktors bei Quoten und Werbeeinnahmen aus: Die Quoten fielen unter seiner Ägide von 39,4 auf zuletzt 37,5 Prozent, ein All-Time-Low für den Staatsfunk. Die Werbeeinahmen gingen ähnlich spektakulär von 300,2 auf 216,2 Millionen Euro zurück.

Dass ihn auch politische Willfährigkeit das Vertrauen des Kanzlers zurückgewinnen ließ, bestreitet Wrabetz vehement. Weder Posten noch positive Berichterstattung hätte es gebraucht, um von Faymann eine zweite Chance zu bekommen. Der Rausschmiss von Informationsdirektor Elmar Oberhauser dürfte den Kanzler aber nicht gestört haben.

Posten spielen jetzt wieder eine große Rolle. Während Richard Grasl als Direktor und Karl Amon als Radiochef feststehen, wird vor allem um die Position des Fernsehdirektors gefeilscht. Geht es nur nach Wrabetz, dann wird es eine Direktorin. „Im Fernsehbereich gibt es sehr gute, erfolgreiche Frauen. Das wäre meine Präferenz“, sagt er im FORMAT-Gespräch. Vor allem die ORF-Landesdirektorin von Wien, Brigitte Wolf, wird hier immer wieder genannt. Die ÖVP will aber zumindest hier ein Wörtchen mitreden. Auch ein Wechsel des VP-nahen Grasl von der Finanz- in die wichtige Fernsehdirektion wird deshalb nicht ausgeschlossen.

Stimmungsmache

Obwohl der alte, neue General so gut wie feststeht: Stimmungsmache wird im ORF im Moment großgeschrieben. Denn Wrabetz will nicht nur gewinnen, er will auch mehr Stimmen bekommen als bei seiner letzten Wahl. Mehr als 20 Stiftungsräte will er kommenden Dienstag für sich gewinnen. Deshalb bietet er alles auf, was er hat, und wirft eine Jubelmeldung nach der anderen raus: Die ORF-Finanzen liegen im Halbjahr über Plan, der Marktanteil ist konstant geblieben, die TVthek wird ausgebaut, und die Hilfsbereitschaft des ORF wird durch den Start von „Nachbar in Not“ noch einmal unterstrichen.

Eine Hürde muss Wrabetz schon demnächst meistern: Der ÖSV hat die Übertragungsrechte für Skirennen ausgeschrieben, und da könnte der Red-Bull-Sender Servus TV zum ernsten Kontrahenten für den ORF werden.

Wie gut Wrabetz seine zweite große Chance wirklich genützt hat, wird sich erst im Jahr 2016 messen lassen. Zusätzliche Gebühren alleine werden den Erfolg nicht bringen.

– Angelika Kramer

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