ORF klagt "Österreich am Ball": Will 100.000 Euro wegen angeblichem Vertragsbruch

Die Fußball-EM hat ein kleines Nachspiel. Im März 2007 unterzeichneten ORF-General Alexander Wrabetz und der Verein „Österreich am Ball“ eine Initiative zur Vermarktung der EURO 2008, unter anderem zum Aufbau einer gemeinsamen Datenbank. Je 100.000 Euro wollten beide Partner investieren.

100.000 Euro-Klage
Nun hat der ORF den Verein auf 100.000 Euro geklagt, weil der seinen Part des Deals nicht eingehalten habe, wie ORF-Sprecher Pius Strobl gegenüber FORMAT sagt. Unter den Beklagten finden sich klingende Namen. Susanne Riess-Passer ist Präsidentin von „Österreich am Ball“, ihre beiden Vizepräsidenten sind Casinos-Boss Karl Stoss und Beppo Mauhart. „Das Geld haben wir ­tatsächlich nicht ein­gebracht. Weil der ORF die Ko­operation leider bereits in einer sehr frühen Phase ab­gebrochen hat“, lässt Heinz Palme, der Geschäftsführer des Vereins ausrichten. Er sieht in der ­Klage nur einen Versuch des schwer defizi­tä­ren ORF, zu Cash zu kommen.

Schlankheitskur verordnet
Viel wür­de Wrabetz mit 100.000 Euro ­jedoch nicht ausrichten. Das Geld deckt nur gut ein Drittel des täglichen Verlustes, der sich im zu Ende gehenden Jahr auf mehr als hundert Mil­lio­nen Euro summiert hat. Der ORF-Boss steht schwer unter Beschuss. Ein Ende November vorgelegtes Sparpaket soll den angeschlagenen Sender wieder auf Kurs bringen. Demnach muss die Kern­belegschaft bis 2012 von derzeit über 3.400 auf rund 2.500 Mitarbeiter schrumpfen. 200 Kündigungen sind
im Rahmen der radikalen Schlankheitskur geplant, 250 Stellen werden nicht nachbesetzt.

Ausgliederungen und Einschnitte
Der Rest betrifft Aus­gliederungen: vor allem der Technik, des Radio-Symphonieorchesters, des Facility Managements, der Grafik sowie der ORF-Ausstattung. Die Einsparungen machen auch vor Einschnitten in alte Dienstverträge nicht Halt. Eine Nulllohnrunde ist gescheitert. Die Zahl der Führungskräfte soll um ein Viertel reduziert werden. Auf der Abschussliste von Wrabetz standen ­zuletzt Online-Direktor Thomas Prantner und Technik-Direktor Peter Moosmann. Vorerst dürfen aber alle ORF-Direktoren bleiben.

Von Silvia Jelincic

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