Orange Werbeagentur Gmbh erhielt 300.000 Euro von Casinos-Gruppe

Politik gegen Cash, so lautete das Motto von Jörg Haiders Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Diesen Eindruck hinterlässt zumindest die Orange Werbeagentur GmbH, die zu hundert Prozent im Eigentum des BZÖ steht.

Die Agentur könnte Haider auch als Vehikel zur illegalen Parteienfinanzierung gedient haben. Dieser Verdacht wird durch FORMAT vorliegende Unterlagen erhärtet.

So zählte die Casinos-Gruppe (Casinos Austria, Lotterien, win2day) unter dem bis 2007 amtierenden Generaldirektor Leo Wallner zu den illustren Kunden der BZÖ-Agentur.

Im Jahr 2006 beauftragten die Lotterien die Orange Werbeagentur mit Erstellung eines Gutachtens. Das zehn Seiten schlanke Papier mit dem Titel „Online-Glücksspiel und Responsible Gaming – Analyse, Vergleich, Perspektiven“ war rasch hergestellt. Und anstandslos wurde das mehr als üppige Honorar von 300.000 Euro (inklusive Umsatzsteuer) von den Lotterien überwiesen.

10 Seiten Gutachten für 300.000 Euro

Dass ein Seitenpreis von 30.000 Euro gerechtfertigt war, darf nach Lektüre der orangen Expertise ernsthaft bezweifelt werden. Einerseits, weil der Inhalt eine sinnlose Aneinanderreihung von Platitüden ist. Andererseits, weil der Erkenntnisgewinn aus dem Gutachten null ist. So kommen die Studienautoren zum Schluss: „Das hohe Niveau und die vorbildliche Umsetzung des Gedankens des responsible Gamings in der Unternehmensgruppe der Casinos Austria AG hat zur Folge, dass wesentliche Verbesserungen im eigenen Wirkungsbereich kaum mehr erzielt werden.“ Responsible Gaming gehöre „vielmehr in den Aufgabenbereich der öffentlichen Hand“, heißt es.

Martin Himmelbauer, Sprecher von Casinos Austria und Lotterien, bestätigt gegenüber FORMAT die seinerzeitigen Geschäftsbeziehungen mit der BZÖ-Agentur. Himmelbauer: „Orange hat den Österreichischen Lotterien Beratungsleistungen zum Thema Responsible Gaming angeboten, die Studie war ein Teil davon. Im Herbst 2006 wurden auch konkrete Veränderungen vorgenommen und die Zugangsbestimmungen auf win2day verbessert.“

Der Verdacht: Illegale Parteienfinanzierung

Der Vorwurf der illegalen Parteienfinanzierung wird von den betroffenen Stellen vehement zurückgewiesen. Wofür sollten die Casinos das BZÖ auch bezahlen? Womöglich für dessen Veto gegen die im Jahr 2006 geplante Novellierung des Glücksspielgesetzes. Zur Erinnerung: Der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser wollte das Glücksspielmonopol im Rahmen einer Novelle des Glücksspielgesetzes abschaffen. Die Änderungen waren paktiert und kurz vor der parlamentarischen Beschlussfassung. Da platzte die Bombe: Das BZÖ verweigerte kurzerhand die Zustimmung, woraufhin die Novelle scheiterte. Nutznießer des BZÖ-Meinungsumschwungs war Monopolist Casinos Austria.

Eine zentrale Rolle bei den Geldflüssen zwischen Casinos und BZÖ soll ein gewisser Kurt Lukasek gespielt haben. Der war früher Sekretär im FPÖ-Klub, persönlicher Referent des damaligen FPÖ-Klubobmanns Peter Westenthaler und wechselte 2002 mit „ Westi“ als Manager zur Bundesliga. Als Peter Westenthaler dann 2006 Wiener BZÖ-Spitzenkandidat wurde, wechselte auch Lukasek die Farbe. Ende 2006 zerkrachte er sich mit dem BZÖ im Allgemeinen und Westenthaler im Speziellen. Der im schlagenden Burschenschafter-Milieu beheimatete Lukasek gilt als exzellenter Kenner der blau-orangen Clique. Er soll zu den Autoren der Orange-Studie für die Lotterien zählen.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Lukasek Anfang 2010 bekannt. Er war jener Mann, der bei FPK-Chef Uwe Scheuch anrief, um im Auftrag von reichen Russen Staatsbürgerschaften zu kaufen. Das Telefonat wurde vom Nachrichtenmagazin „News“ veröffentlicht.

–Ashwien Sankolkar

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