OMV-Boss Ruttenstorfer: " Ich habe immer alle Rechtsvorschriften eingehalten"

OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer über seinen umstrittenen Insiderdeal, die Steuerpläne der Regierung inklusive Erhöhung der Mineralölsteuer und seine Zeit nach der OMV.

Format: Herr Ruttenstorfer, die Staatsanwaltschaft hat anscheinend Ihrer Version des Insiderdeals keinen Glauben geschenkt. Warum?
Ruttenstorfer: Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich werde zwar laufende Verfahren nicht kommentieren, aber ich halte fest: Ich habe immer alle Rechtsvorschriften eingehalten. Ich habe diese Aktien gekauft, um eine Eigeninvestmentverpflichtung zu erfüllen. Das wurde auch ordnungsgemäß gemeldet. Der Vergütungsausschuss der OMV hat an dem Tag, als ich die Aktien gekauft habe, den Beschluss zu diesem Longterminvestment-Programm gefasst. Diese Aktien müssen drei Jahre gehalten werden. Also, wo da die Spekulation ist, möchte ich wissen. Sehen Sie sich doch einmal den Aktienkurs an!

Format: Haben Sie die Befürchtung, dass Sie – ähnlich wie der ehemalige Voest-Chef Franz Struzl – als der Insiderfall Ruttenstorfer und nicht als der erfolgreiche OMV-Manager Ruttenstorfer in die Annalen eingehen werden?
Ruttenstorfer: Nein, sicher nicht. Ich warte jetzt einmal das Ergebnis der Ermittlungen ab.

Format: Sie gehen nächstes Jahr bereits in Pension. Warum?
Ruttenstorfer: Nächstes Jahr bin ich 60 ½ Jahre und war 20 Jahre im Vorstand der OMV. Fast zehn Jahre davon als CEO. Ich denke, da kann man schon ans Aufhören denken. Operative Funktionen möchte ich jedenfalls keine mehr ausüben.

Format: Vielleicht reizt es Sie ja, in die Politik zurückzugehen?
Ruttenstorfer: Nein. Ich habe das drei Jahre gemacht, und das war reizvoll. Aber das Kapitel ist für mich erledigt.

Format: Mit Ihrem Abgang nächstes Jahr gibt es mit Christian Kern als ÖBB-Chef nur noch einen SP-nahen Manager an der Spitze eines großen staatsnahen Unternehmens. Woran liegt das?
Ruttenstorfer: Es geht nicht darum, welcher Partei jemand angehört, sondern wie kompetent er ist. Ich bin stolz darauf, dass in der OMV die Posten nur nach Kompetenz besetzt werden. Die politische Einstellung der Leute zählt für mich nicht.

Format: Das hört sich so an, als wären Sie gar nicht mehr SP-nahe?
Ruttenstorfer: Ich stehe der SPÖ natürlich weiterhin nahe.

Format: Wie beurteilen Sie die Performance der aktuellen Regierung?
Ruttenstorfer: Österreich ist gut durch die Krise gekommen. Daran ist auch die heimische, aber auch die EU-Politik beteiligt. Natürlich ist auch der Wirtschaftsstandort an sich dafür verantwortlich, dass die Krise gut gemeistert wurde. Damit meine ich, dass wir einen starken industriellen Sektor haben und nicht nur auf Dienstleistungen, etwa Banken, vertrauen. Die breite Aufstellung hat eine robuste Position verschafft.

Format: Ist die Krise, Ihrer Meinung nach, wirklich vorbei?
Ruttenstorfer: Nein, das glaube ich nicht. Man sollte nicht zu sorglos in die Zukunft blicken, ein weiterer Rückschlag ist durchaus vorstellbar. Deshalb sollte man vorsichtig agieren und auch Unerwartetes erwarten.

Format: Was heißt das für die OMV?
Ruttenstorfer: Wir werden mit unserer konservativen Finanzpolitik fortfahren. Wie Sie wissen, haben wir eine Gearing Ratio von 29 Prozent, das ist eine sehr gesunde Finanzierungsstruktur. Außerdem haben wir die Kosten seit 2008 um 300 Millionen Euro gesenkt.

Format: Ist da noch etwas drinnen?
Ruttenstorfer: Bei der Produktivität geht immer was. Wir wollen Kosteneinsparungen von insgesamt 500 Millionen Euro bis 2012 erreichen.

Format: Zurück zur Regierung. Was sagen Sie dazu, dass das Budget erst so spät vorgelegt wird?
Ruttenstorfer: An der Diskussion über den Zeitpunkt des Budgets möchte ich mich eigentlich nicht beteiligen, nur so viel: Wir Unternehmen haben die Krise nicht verursacht, deshalb wollen wir auch gestärkt daraus hervorgehen. Das heißt: möglichst wenig neue Steuern.

Format: Das gilt auch für die Erhöhung der Mineralölsteuer?
Ruttenstorfer: Selbstverständlich. Sollte eine Erhöhung kommen, wird das der Konsument tragen müssen. Sie dürfte sich allerhöchstens im einstelligen Cent-Bereich abspielen, sonst kommt es zu Verlagerungen speziell bei Diesel. Es muss dem Finanzminister bewusst sein, dass es zu Abflüssen ins Ausland kommt.

Angelika Kramer

Zur Person: Seit 2002 steht Wolfgang Ruttens­torfer an der Spitze der OMV. Der dreifache Vater war zwischen 1997 und 1999 unter Rudolf Edlinger Staatssekretär für Finanzen. Zuletzt geriet der 59-Jährige ins Gerede, weil er einen umstrittenen Aktienkauf getätigt hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Seit heuer ist er auch im Aufsichtsrat der Telekom Austria und der Vienna Insurance Group. Ende März 2011 scheidet er aus und übergibt an Gerhard Roiss.

Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen FORMAT Nr. 34

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