OMV: Abu-Dhabi-Staatsfonds IPIC will noch mehr Einfluss

Der arabische Staatsfonds IPIC greift nach mehr Macht im Mineralölkonzern OMV. Den letzten Schutzwall gegen die reichen Scheichs aus Abu Dhabi bildet das neue Außenwirtschaftsgesetz.

Das Herrscherhaus vertraut ihm. Khadem Abdulla Al Qubaisi steht seit 1994 im Sold Seiner Königlichen Hoheit Scheich Khalifa Bin Zayed Al Nahyan. Im Namen des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate und Emirs von Abu Dhabi managt der 40-Jährige dessen milliardenschwere Staatsfonds IPIC und Aabar. Als Chef der International Petroleum Investment Company (IPIC) und als Chairman der Aabar Investments (Aabar) hat Al Qubaisi seit 2007 sogar umfassende Vollmachten im Umgang mit fast allen strategischen Auslandsbeteiligungen. Dazu zählt auch der österreichische Mineralölkonzern OMV, wo die IPIC mit 24,9 Prozent hinter der Staatsholding ÖIAG zweitgrößter Aktionär ist.

Al Qubaisi ist seit fast zwei Jahren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der OMV. In der Zeit dürfte sein Appetit auf mehr gewachsen sein. Denn in Dubai, London und New York finden seither raffinierte Rechenspiele statt, die sich nur um eine Frage drehen: Wie können die Abu Dhabis ihre Machtbasis diskret ausbauen? Der Masterplan wurde im mächtigen Supreme Petroleum Council (SPC) entwickelt. Das zehnköpfige SPC ist in Fragen der Ölpolitik und -strategie die höchste Instanz in Abu Dhabi und wird vom Emir höchstpersönlich präsidiert. Al Qubaisi soll die SPC-Vorgaben durchsetzen, wenn möglich, ohne die diplomatischen Beziehungen mit Österreich zu gefährden. Gesichtsverluste sollen vermieden werden. Man wolle "friendly investor“ bleiben, heißt es.

Doch das wird nur schwer möglich sein. Private Fondsvehikel, die im Einflussbereich der Herrscherfamilie stehen, sollen laut zuverlässigen FORMAT-Informationen bereits größere OMV-Pakete erworben haben. Weil die Orders nicht vom Staatsfonds IPIC stammen und die Aktienpakete unter der meldepflichtigen Fünf-Prozent-Marke liegen, sind sie auch der Börse nicht bekannt. Nach unbestätigten Informationen sollen auf diese Art zusätzliche fünf bis zehn Prozent unter Kontrolle gebracht worden sein. Im IPIC-Headquarter geht man auf Tauchstation. Eine FORMAT-Anfrage um ein Interview mit IPIC-Managing-Director Al Qubaisi blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Die Pressestelle der OMV schreibt: "Eigentümerfragen kommentieren wir nicht.“ Und ÖIAG-Chef Markus Beyrer betont, dass die IPIC-Vertreter ihm erst im Februar versichert hätten, "bei der OMV nicht über 25 Prozent gehen“ zu wollen. Also alles nur Gerüchte?

Trotz offizieller Dementis: Der Machtanspruch der Abu Dhabis wird ernstgenommen. Denn plausibel ist er. Mehrere Signale deuten darauf hin: Im Herbst erhöhten die Scheichs ihre Anteile von 20,4 auf 24,9 Prozent - Kostenpunkt: 327 Millionen Euro. Seit dem Einstieg 1994 war das die erste große Aufstockung. Anfang Dezember stellten sie einen Antrag bei der Bundeswettbewerbsbehörde - Grund: Anstreben der Sperrminorität. Seither ist klar, dass die Araber mehr wollen. Den Kunststoffhersteller Borealis will IPIC schon länger. Beim Joint Venture hält IPIC schon jetzt die Mehrheit, die OMV ist mit 36 Prozent Minderheitsaktionär. Dass die Österreicher sich nicht auskaufen lassen, ärgert die IPIC. Ende Februar wurde das deutlich: IPIC-Boss Al Qubaisi wurde als Borealis-Aufsichtsratschef bestätigt, OMV-Boss Gerhard Roiss zog sich aus dem Borealis-Aufsichtsrat zurück.

Modellfall CEPSA

Beim spanischen Ölriesen CEPSA ("Compañía Española de Petróleos“) hat der schlaue Al Qubaisi jedenfalls bewiesen, was möglich ist. Dort schlug der Staatsfonds nach mehr als 20 Jahren Wartezeit zu. Der CEPSA-Take-over im Zeitraffer: 1988 stieg IPIC mit 9,5 Prozent ein. In weiterer Folge wurde der Anteil auf 47,1 Prozent (2009) erhöht. Und Anfang 2011 wurde ein Übernahmeangebot gelegt, das 25 Prozent über dem damaligen Kurs lag. Finanzierungsprobleme hatten die Abu Dhabis selbst in Krisenjahren nicht: Das 48,8-prozentige CEPSA-Aktienpaket wurde dem französischen Ölkonzern Total im Vorjahr für 3,5 Milliarden Euro abgelöst.

Warum soll Ähnliches nicht in Österreich möglich sein? Denkbar ist eine schleichende OMV-Übernahme allemal. Der Spekulant Ronny Pecik hat der Telekom Austria gezeigt, dass ein reicher Investor in kurzer Zeit 20 Prozent des Aktienkapitals kontrollieren kann. Peciks Übernahmeplan deckte FORMAT im September 2011 auf. Bis dahin lief alles diskret und hinter dem Rücken von Telekom-Präsident Markus Beyrer ab.

Auch in der OMV vertritt Beyrer als Aufsichtsratsvorsitzender die Eigentümerinteressen der Republik Österreich. Bisher sind ÖIAG und IPIC über einen Syndikatsvertrag miteinander verbunden. Der Kontrakt verpflichtet die Partner gegenseitig, strategische Entscheidungen über die Zukunft der OMV abzusprechen. Durch das gewachsene Machtbewusstsein der Abu Dhabis unter Al Qubaisi dürfte sich auch die Zufriedenheit mit dem seit weniger als einem Jahr amtierenden OMV-General Roiss verringert haben. "Roiss (galt) viele Jahre als der inoffizielle IPIC-Mann im Konzern“, schreibt "Die Presse“. "Jetzt ist die Stimmung deutlich unterkühlt.“ Die Abu Dhabis, die Roiss zum Chef kürten, machen ihm angeblich die teure Übernahme der türkischen Petrol Ofisi und die Flaute im schwachen Raffineriegeschäft zum Vorwurf.

Die Lex OMV

Das Misstrauen geht so weit, dass Roiss bei den Scheichs sogar als Miterfinder des neuen Außenwirtschaftsgesetzes gesehen wird - Stichwort: "Lex OMV“. Denn das seit Herbst 2011 geltende Gesetz torpediert alle OMV-Planspiele der Scheichs. Der Grund: Sollte ein Nicht-EU-Investor mehr als 25 Prozent an wichtigen Infrastrukturbetrieben übernehmen wollen, dann sieht das Gesetz ein Vetorecht des Wirtschaftsministeriums vor. Das betrifft vor allem die IPIC, die jede direkte oder indirekte Aufstockung der Exportkontrolle im Wirtschaftsministerium melden müsste, was sie bislang nicht tat. So wurde ein legistischer Schutzwall rund um die OMV gezimmert, der den IPIC-Einfluss eindämmt.

Doch die Wüstensöhne sind geduldig. Dass die OMV früher oder später Kapital braucht, ist kein Geheimnis. Die Scheichs haben das Geld. Auch wenn Sozialminister Hundstorfer auf die Frage, was, wenn die IPIC bei der OMV ihre Anteile aufstockt?, sagt: "Dann müssen wir mitgehen.“ Chefstratege Al Qubaisi weiß: Der Staat muss sparen, und die Schlacht um die OMV wird noch dauern.

Einen einflussreichen Unterstützer hat Al Qubaisi jedenfalls: Niki Lauda. Der IPIC-Fonds Aabar ist seit September 2011 Nikis neuer Kapperlsponsor - und wird das wohl noch länger bleiben.

- Ashwien Sankholkar

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