Oligarch Firtash gerät zwischen die Fronten von USA und EU

Oligarch Firtash gerät zwischen die Fronten von USA und EU

Titan ist laut Wikipedia ein äußerst korrosionsbeständiges Material. Die Gewinnung des Metalls dürfte hingegen besonders korruptionsanfällig sein. Schließlich befinden sich die Vorkommen zumeist in Ländern, deren Rechsstaat nicht ganz westlichen Vorstellungen entspricht. Dem vor zwei Wochen in Wien in Auslieferungshaft genommenen ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtash könnte genau das zum Verhängnis werden.

Ihm wird von der US-Justiz vorgeworfen, im Zusammenhang mit einem Titanförderprojekt 18,5 Millionen Dollar Schmiergeld an offizielle Amtsträger in Indien gezahlt zu haben. Firtash bestreitet die Vorwürfe und ortet in seiner Verhaftung eine rein politisch motivierte Aktion der Amerikaner im Zusammenhang mit der Krim-Krise.

Firtash selbst hat sich nach seiner Enthaftung vergangenen Freitag von der Öffentlichkeit komplett zurückgezogen. Eine gut informierte Quelle berichtet allerdings FORMAT, dass sein Unternehmen, die Group DF, ein internes Audit veranlasst hat, um sicherzugehen, dass das Business in Indien legal war. Weiters wird berichtet, dass Firtash bezüglich des Auslieferungsverfahrens gelassen ist und überzeugt, dass die österreichische Justiz in kurzer Frist seine Unschuld belegen wird.

Austro-Connection

Tatsächlich sind die heimischen Justizbehörden nicht untätig. Sie prüfen laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft, ob gegen Firtash und drei weitere, ebenfalls in der Festnahmeanordnung genannte Personen, wegen des Verdachts auf eine kriminelle Vereinigung ein sogenanntes Inlandsverfahren eingeleitet wird. Hinzu kommt, dass wesentliche Teile des indischen Titanförderprojekts über eine in Wien beheimatet Firma abgewickelt wurden.

FORMAT liegt ein Memorandum of Understanding vor, in dem die Stork Handelsgesellschaft mit Hauptsitz in der Wiener Reichsratstraße unter ihrem indischstämmigen Präsidenten Jugendra Singh Raghav den Titan-Deal skizziert. Stork verfügt über ein höchst umfangreiches Rohstoff-Portfolio, das von Minen in Mozambique bis zu Seltenen Erden in Tadschikistan reicht.

Die Firma Stork war einst Teil von Firtashs Schweizer Unternehmen Bothli Trade und sollte „aktiv an der Koordination des Projekts teilnehmen“. Die Gesamtsumme des Investments in Indien beträgt demnach zwischen 550 und 670 Millionen Dollar. Die indische Regionalregierung wurde über ein Joint Venture eingebunden. Rudolf Kirchmayr von der an derselben Adresse wie die Stork logierenden FIS ­Finance & Investment Services versucht gegenüber FORMAT zu kalmieren: „Wir verwalten die Gesellschaft (gemeint ist Stork) und machen deren Jahresabschluss. Es stimmt, dass Stork vor Jahren 7,5 Prozent von Bothli übernommen hat, aber es gab keine Geschäftsbeziehungen.“

Fakt ist indes, dass die im Firtash- Haftantrag ebenfalls genannten Personen Andreas (alias Andras) K., Suren G. und Gajendra L. wichtige Funktionen im Firmenkonglomerat von Firtash (teilweise auch in Österreich) hatten. Der US-Finanznachrichtendienst Bloomberg berichtet, dass Suren G. der Weichensteller für das Projekt war.

Juristscher Knackpunkt

Jetzt kommt aber die mögliche juristische Trumpfkarte von Firtash auf den Tisch. Die im Haftantrag – die genauen Unterlagen ist Staatsanwalt Zachary T. Fardon aus Chicago der österreichischen Justiz noch schuldig – angeführten Produkte aus dem Titanprojekt sollen an ein amerikanisches Unternehmen verkauft worden sein.

Ursprünglich sollte das laut den vorliegenden Unterlagen tatsächlich der US-amerikanische Flugzeughersteller Boeing sein (damaliger Hauptsitz ebenfalls Chicago).

Allerdings gibt es solche Produkte noch gar nicht, da die indische Titanmine noch überhaupt keine verkaufsfähigen Abbauerzeugnisse herstellt. Daher konnte auch noch nichts an US-Unternehmen verkauft werden.

Vielmehr spielt die Strafverfolgung von Dymtro Firtash eine zentrale Rolle im geopolitischen Machtspiel zwischen der Ukraine, Russland, der Europäischen Union und den USA. Indiz: Ausgerechnet die im Eigentum des US-Hedgefonds Cerberus stehende Bawag erstattete wegen der Kautionsüberweisung von Firtash eine Geldwäsche-Verdachtsmeldung. Ein Verdacht, der übrigens nicht länger als 24 Stunden haltbar war.

Insider vermuten jedenfalls, dass die Entscheidung über die Auslieferung von Firtash bis zu den vorgezogenen Präsidentenwahlen in der Ukraine am 25. Mai dauern könnte. So lange darf der Oligarch Österreich keineswegs verlassen - sonst verfällt die 125 Millionen Euro Rekordkaution. Hintergrund: Firtashs Einfluss in der Ukraine dürfte noch weitaus größer sein als bisher angenommen.

Er soll mehr oder weniger direkt über rund 20 Abgeordnete im dortigen Parlament verfügen. Zudem ist er Präsident des ukrainischen Arbeitgeberverbandes (vergleichbar der Wirtschaftskammer), dessen Mitgliedsunternehmen rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes beisteuern. Nicht zu vergessen: Firtash ist mit seinen zahlreichen Fabriken (Rohstoffverarbeitung, Düngemittel), der größte Arbeitgeber der Streitregion Krim.

Keine Fluchtversuche

Kommt es tatsächlich zur Auslieferung von Firtash an die Vereinigten Staaten, droht ihm dort eine hohe Strafe. Das will der Ukrainer selbstredend vermeiden. Dennoch wird er wohl keine Fluchtversuche aus Österreich unternehmen. Erstens wird er diskret, aber äußerst effektiv vom Innen­ministerium und wohl auch von US-­Marshalls überwacht.

Das Aufkommen von auffällig unauffälligen Fahrzeugen in der Nähe seines Domizils ist enorm. Zweitens will er sich dem Verfahren in Österreich stellen und arbeitet alle diesbezüglichen Unterlagen penibel durch, auch wenn er, der gut informierten Quelle nach, noch nicht im Bilde ist, wer in der Festnahme-Aktion der eigentliche Drahtzieher ist und welche Ziele genau verfolgt werden.

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