Ötsch im Sumpf von Siemens? Verdacht
auf Steuerhinterziehung und auf Untreue

Die Staatsanwaltschaft in Nürnberg hat Alfred Ötsch im Visier. In der brisanten AUB-Siemens-Affäre wird der Austrian-Airlines-Chef der Steuerhinterziehung und der Untreue verdächtigt. Wie aus einem einem FORMAT exklusiv vorliegenden Vorhabensbericht hervorgeht, ist nämlich der Ex-Siemens-Manager der Nächste, den sich Anklägerin Gabriels-Gorsolke vorknöpft.

"Der Beschuldigte Ötsch als Bereichsvorstand des Geschäftsbereichs Automation und Drives hat von 2001 bis zu seinem Ausscheiden Ende 2005 (…) Rechnungen zur Zahlung freigegeben bzw. entsprechende Bestellanforderungen erstellt. Insoweit besteht der Verdacht, dass auch er (…) Vergehen der Untreue und der Steuerhinterziehung begangen hat."

Verhör steht bevor
"An der Verdachtslage hat sich nichts geändert", bestätigt Richter Andreas Quentin, Leiter der Justizpressestelle am Oberlandesgericht Nürnberg. "Die Ermittlungen gegen Herr Ötsch sind noch nicht abgeschlossen. Wir warten nur das Ende der Hauptverhandlung gegen Feldmayer und Schelsky ab." Danach sei die erste Einvernahme vorgesehen. Alfred Ötsch werde im Kern vorgeworfen, das von Feldmayer betriebene AUB-Schmiergeldsystem fortgesetzt zu haben. Quentin: "Das kann die Staatsanwaltschaft natürlich beweisen."

Zudem wird Ötsch von mehreren Siemens-Managern schwer belastet. So betonte Feldmayer im aktuellen Prozess mehrfach, dass er seinen Nachfolger an der Spitze des Geschäftsbereichs Automation & Drives, Alfred Ötsch, über alle Beziehungen mit Schelsky informiert habe: "Er wusste alles."

Ötsch weist Involvierung in Skandal zurück
Alfred Ötsch – für ihn gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung – will zu konkreten Vorwürfen vorerst gar nichts sagen. Grundsätzlich weist er aber in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber FORMAT jede kriminelle Verwicklung in die Siemens-AUB-Affäre zurück. Alfred Ötsch: "Mein Bereich fungierte lediglich als Rechnungsadresse, die inhaltliche und kostenmäßige Verantwortung lag ausschließlich in der Siemens-Zentrale in München. Ich war über die Hintergründe der Zahlungen, nämlich die verdeckte Unterstützung der AUB, nicht informiert. Aufgrund meines Wissensstandes konnte ich davon ausgehen, dass es sich um einen korrekten Vorgang handelte, dem entsprechende Gegenleistungen in der Zentrale, die ja die Kosten trug, gegenüberstanden. Darüber hinaus habe ich ausschließlich geprüfte und anerkannte Rechnungen zur Zahlung angewiesen. Ohne vorherige schriftliche Anerkennung gab es von mir keine Anweisung."

Die selbstbewusste Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke wird die Angaben des Österreichers schon bald auf Herz und Nieren prüfen. Keine leichte Sache für Ötsch. Denn laut Gerichtsakt traut sie der Siemens-Bruderschaft nicht wirklich: "Die Beteiligten handelten bei Abschluss von Verträgen und Vereinbarungen äußerst konspirativ. So wird der Schriftverkehr mit den Verantwortlichen der Firma Siemens stets über deren Privatadressen geführt. Mehrfach finden sich Anmerkungen und Hinweise wie ‚Dies darf man eigentlich nicht zu Papier bringen‘, ‚Dieses Papier ist aus Sicherheitsgründen zu vernichten‘, ‚Außer der Rechnung bitte ich Sie, die anderen Blätter möglichst zu vernichten‘."

Den kompletten Beitrag können Sie im aktuellen FORMAT 47/08 nachlesen!

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