Österreichs größte Wohltäter

Peter Bertalanffy - 10 Mio. Euro

Dem Forschungszentrum IST in Gugging in Niederösterreich schenkte Peter Bertalanffy (rechts) zehn Mio. Euro. Auch Wohltätigkeitsorganisationen berichten von großzügigen Spenden des früheren Pharma-Unternehmers.

Dietrich Mateschitz - 70 Mio. Euro

Die größte Spende 2012 in Höhe von 70 Mio. Euro überwies der Red-Bull-Boss der Salzburger Paracelsus Universität. Er unterstützt u. a. "Wings for Life“ (Rückenmarksforschung) und ist Stifter von "eigenständig werden“ (Jugendgesundheit).

FORMAT holt die großzügigsten Wohltäter und ihre Spenden-Motive erstmals vor den Vorhang – national und international

Die Summe war riesig, die mediale Resonanz gering: 70 Millionen Euro hat Dietrich Mateschitz vor rund einem Jahr der Salzburger Paracelsus Medizinuniversität zur Verfügung gestellt. Das ist mehr, als Red Bull für den Stratos-Sprung von Felix Baumgartner aufgewendet hat. Dennoch war die größte Spende in der Geschichte Österreichs und die drittgrößte Spende in Europa kein Gesprächsthema im Land. "Nur eine einzige Zeitung hat die Meldung darüber zunächst aufgegriffen“, sagt Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraisingverbands Österreich.

Anders als in den USA passieren Spenden in Österreich meist im Kleinen und im Stillen: Großspenden sind selten, die Geldgeber bleiben gerne im Hintergrund und hüllen sich in Schweigen. Für den Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner gibt es einen einzigen Grund, warum er manchmal in der Öffentlichkeit von seinem sozialen Engagement spricht: um "möglichst viele Nachahmer zu finden“. Doch wie viel er gibt, darüber möchte er nicht reden.

Reinhard Millner von der Abteilung für Nonprofit-Management der Wirtschaftsuniversität Wien kennt aus Studien die Motive der Großspender. Oft spiele das Gefühl, der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen, eine Rolle. Andere wieder wollen sich eine Art Denkmal setzen und sich eine gute Nachrede sichern. "Soziales Engagement sehe ich als Verpflichtung, die einfach zu meinem Leben gehört und auch in meiner Familie schon lange Tradition hat“, sagt hingegen Hilde Umdasch, Miteigentümerin der Umdasch-Group und Gründerin von Bellaflora. Ihr ist wichtig, dass die Gartencenter-Kette fünf bis zehn Prozent des Jahresüberschusses gemeinnützigen Zwecken widmet, auch ihre Privatstiftung unterstützt gemeinnützige und medizinische Projekte. Doch wie Umdasch denken längst nicht alle Unternehmer.

Geizige Millionäre?

"Es gibt in Österreich rund 40.000 Millionäre, und nur eine Handvoll davon spendet. Das ist eine traurige Bilanz“, meint Lutschinger. Helmut Spudich, Autor des Buchs "Reich & gut“, glaubt zwar, dass die meisten Reichen spenden, allerdings nicht herausragend viel. Spudich ortet zwei Herangehensweisen der Spender: "Die einen geben, weil ihnen eine Organisation sympathisch ist. Andere haben eine richtige Strategie, wollen ihr Geld nicht nur vererben und spenden mit System. Weil es interessant und sehr spannend ist, zu sehen, was mit diesem Geld passiert.“

Zu diesen gehören vor allem die Sinnstifter, eine Vereinigung von mittlerweile acht Privatstiftungen. Vor zwei Jahren haben die ersten sechs sich zusammengeschlossen, um bei Sozialprojekten gemeinsam mehr Schlagkraft zu haben, gute Ideen zu multiplizieren und dauerhafte Veränderungen zu ermöglichen. Mit dabei sind etwa die Essl Foundation, die Schweighofer Privatstiftung und die Unruhe Privatstiftung von Wanda Moser-Heindl. Ihr Ziel war, mit ihrem Erbe etwas Sinnvolles zu machen. Die Unruhe-Stiftung vergibt die "SozialMarie“ für innovative Lösungen und versucht mit dem Projekt "Pimp your life“ Jugendlichen zu helfen.

Moser-Heindl würde mittlerweile aber keine Stiftung mehr gründen, aufgrund der bürokratischen Vorgaben. Jede Zuwendung an ein eigenes Projekt oder einen Bedürftigen muss mit 25 Prozent versteuert werden, nur wenn an steuerbegünstigte Organisationen gespendet wird, fällt die Abgabe nicht an. "Außerdem herrscht allgemein eine eigenartige Einstellung zu Stiftungen, als würden wir was Böses, Geheimes machen“, meint Moser-Heindl.

Problem mit den Stiftungsgesetzen

Auch der Industrielle Hannes Androsch hat als Stifter seine liebe Not mit den Vorgaben. Seiner Stiftung, die seit 2004 jedes Jahr 100.000 Euro für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit ausschrieb, wurde die Gemeinnützigkeit aberkannt. Dies deshalb, weil der Preis nicht hätte ausgeschrieben werden dürfen, sondern direkt an jemanden gegeben werden hätte müssen. Die Folge: Der Preisträger hätte seinen Preis besteuern müssen. "Die österreichische Finanz tut alles, um gemeinnützige Aktionen unmöglich zu machen“, sagt Androsch. Ob jemals wieder ein Preis vergeben wird, weiß er nicht.

Von den rund 3.000 Privatstiftungen sind derzeit etwa 200 gemeinnützig. In Deutschland oder der Schweiz hingegen ist ein Großteil der Stiftungen als gemeinnützig eingerichtet. "Die Zahl der Privatstiftungen geht allgemein zurück“, sagt WU-Experte Millner. Einige sind mit ihren Stiftungen ausgewandert. Etwa die Horten Stiftung, die sich für die Verbesserung des Gesundheitswesens in Kärnten einsetzt. Auch der Investor Peter Pühringer geht seit kurzem lieber in der Schweiz stiften.

"Der Staat hat eine gesellschaftspolitische Aufgabe, Rahmenbedingungen für gemeinnützige Stiftungen zu schaffen“, sagt Rupert Roniger, Geschäftsführer von "Licht für die Welt“. Nur zehn Prozent der Spenden für diese Organisation kommen von Stiftungen und davon wieder nur ein geringer Anteil von österreichischen Stiftungen.

Trotz mehrfacher Urgenz tut sich in gesetzlicher und steuerlicher Hinsicht aber nichts. Zu groß ist angeblich der Widerstand der eigennützigen Stifter, die Angst davor haben, dass Stiftungen dann in gute und böse eingeteilt werden könnten. Und so wichtig ist das Thema für Finanzministerin Maria Fekter offenbar auch nicht. Dabei könnten so indirekt andere Probleme gelöst werden, etwa die Finanzierung von Universitäten.

Der 100-Millionen-Dollar-Scheck

Die heimischen Hochschulen bemühen sich immer mehr um Mäzene. "Was sich nüchtern ‚Einwerben von Drittmitteln‘ nennt, ist heute ein essenzieller und zusehends strukturierter Teil der Finanzierung von Universitäten“, sagt Christiane Druml, Vizerektorin der MedUni Wien. Vorbild sind die USA, dort werden enorme Beträge von Privaten aufgebracht: Seit den 70er-Jahren wurden 54 Großspenden von je 100 Millionen Dollar für Universitäten gezählt. Einer der großzügigsten Geldgeber ist übrigens ein Österreicher: Der gebürtige Linzer Gerhard Andlinger schenkte Princeton 100 Millionen Dollar.

Von solchen Summen kann man in Wien nur träumen. "Bisher fanden sich Spender und Institution vor allem durch persönliche Beziehungen - wir wollen neue Wege gehen und aktiv die Attraktivität einer erfolgreichen Medizinischen Universität für Investoren bewerben. Wir sind für Gespräche offen und können auch maßgeschneiderte Pakete anbieten“, sagt Druml.

Einer der größten Geldgeber für die Universitäten ist Frank Stronach. Der Austrokanadier fördert nicht nur seine neu gegründete Partei, sondern gibt auch etwas von seinem Vermögen für soziale Zwecke ab. 36 Millionen Euro will er nach eigenen Angaben allein für Bildung und Universitäten hergegeben haben.

Doch während Universitäten immer mehr Spenden lukrieren können, ist das eine Stufe darunter bei den Schulen eine Ausnahme. "Das kommt wahrscheinlich daher, dass Bildungsministerin Claudia Schmied lieber eine Reichensteuer hätte, als sich ein paar Millionäre zu suchen, die Vorzeige-Schulen unterstützen“, glaubt Buchautor Spudich.

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