Österreichs Unternehmen rechnen in Ungarn täglich mit Überraschungen

Neue Gesetze führen zu Umsatzeinbußen, Konsum und Investitionstätigkeit bleiben bestenfalls konstant.

Ungarns Wirtschaft rutscht in die Rezession, und die politische Situation sorgt für anhaltende Unsicherheit. Das spüren nicht nur österreichische Banken, sondern auch heimische Unternehmen, die in Ungarn tätig sind – allerdings nicht erst seit den vergangenen Wochen. „Wir haben schon zwei harte Jahre hinter uns“, sagt Erika Teoman-Brenner, Wirtschaftsdelegierte in Budapest.

Vor allem die Baubranche ist seit der letzten Krise um über 30 Prozent eingebrochen. Private Häuslbauer hatten ihren Aufholbedarf gestillt oder kein Geld mehr, öffentliche Investitionen blieben aus. Der österreichische Ziegelproduzent Wienerberger hat deshalb in den vergangenen Jahren seine Kapazitäten halbiert. „Wir können die Produktionsstätte aber in Betrieb nehmen, sobald sich die Situation verbessert“, sagt Unternehmenssprecherin Barbara Braunöck. Auch die Porr hat das Ungarn-Problem schon gelöst – und Zahlungsverzögerungen der öffentlichen Hand als Verlust verbucht. Ein Schiedsgericht soll den Streit klären, andernfalls würde die Porr über einen Rückzug nachdenken.

Unsicherheit

Für das Entsorgungsunternehmen A.S.A. ist das momentan kein Thema. Noch sei die wirtschaftliche Lage zufriedenstellend, sagt der für das Ungarn-Geschäft zuständige Manager Wolfgang Leitner. Kommt es, wie es die Regierung angekündigt hat, 2013 zur Quasi-Verstaatlichung der Entsorgungsbranche, werde sich die Lage aber wesentlich verschlechtern.

Die Konkurrenten AVE und Saubermacher rechnen in so einem Fall mit Umsatzeinbußen zwischen 40 und 55 Millionen Euro. Der Regierungsbeschluss ist nur eines von zahlreichen Beispielen, die zeigen, wie unberechenbar das Land für ausländische Investoren geworden ist. „Wir erleben täglich neue Überraschungen, und das in einem Land, in dem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ohnehin nicht die vorzüglichsten sind“, kritisiert Ottakringer-Chef Siegfried Menz, der zehn Prozent seines Umsatzes in Ungarn macht.

Die Wirtschaft soll 2012 um ein Prozent schrumpfen, die Arbeitslosigkeit bei über elf Prozent liegen und der Konsum stagnieren. Nach den Niederlanden und Deutschland ist Österreich der drittgrößte Auslandsinvestor in Ungarn. Und Ungarn liegt in Österreichs Exportstatistik auf Platz sieben, Tendenz steigend. „Wir setzen auf einen positiven Ausgang der Kreditgespräche Ungarns mit IWF und Europäischer Union“, betont Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner die Wichtigkeit des Nachbarn.

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