Österreichs grüne Energie-Zukunft

Österreichs grüne Energie-Zukunft

Mit international beachteten Leitprojekten etabliert sich Österreichs Solarindustrie an der Weltspitze. Gleichzeitig entwickeln heimische Forscher die "intelligente“ Stadt der Zukunft und sorgen für das Rüstzeug zur Energiewende.

Robert Kanduth blickt zufrieden in die Wüste, in die er sich und sein Solar-Unternehmen GREENoneTEC im vergangenen Jahr höchst erfolgreich geschickt hat. Seit Ende 2011 versorgen über 36.000 Quadratmeter Solarkollektoren das Fernwärmenetz der Princess Nora Bint Abdul Rahman University für Frauen in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad. Das Kärntner Unternehmen hat damit gemeinsam mit dem steirischen Forschungsinstitut AEE Intec die größte solarthermische Anlage der Welt im Wüstensand am Rande Riads errichtet. Ein grünes Vorzeigeprojekt, das weltweit für viel Aufmerksamkeit sorgt.

Das gesamte Areal des acht Quadratkilometer großen Campusgeländes, das 40.000 Studentinnen, dem Lehrkörper und anderen Universitätsmitarbeitern Platz bietet, gleicht mit 13 Fakultäten, den Unterkünften und Forschungseinrichtungen sowie einem eigenen Krankenhaus mit 800 Betten einer kleinen Stadt. Die gesamte Warmwasseraufbereitung und die Heizungsunterstützung - die Nächte in der Wüstenstadt sind empfindlich kalt - erfolgt über die österreichischen Solarkollektoren. Gerechnet auf die Lebensdauer der Anlage, können so 52 Millionen Liter Heizöl oder 125 Millionen Kilogramm CO2 eingespart werden. "Das Projekt beweist: Nur durch permanente Forschung und Entwicklung können wir unsere weltweite Spitzenposition verteidigen“, sagt Firmenchef Robert Kanduth, der gleichzeitig betont, dass die Kollektoren in Österreich entwickelt und produziert werden und die Wertschöpfung im Land bleibt.

Solarnation Österreich

Das Mega-Projekt in Riad macht deutlich, dass Österreich eine der global führenden Solarnationen ist. Jeder dritte Sonnenkollektor in der EU wird in Österreich produziert. Der Umsatz der Branche beträgt 420 Millionen Euro jährlich, der Exportanteil liegt bei beachtlichen 80 Prozent. "Durch die langjährige Technologie- und Innovationsförderung ist Solartechnologie Made in Austria zum gefragten Exportschlager geworden. Allein heuer fördert mein Ressort Energieforschung und -entwicklung mit mehr als 70 Millionen Euro“, sagt Infrastrukturministerin Doris Bures. 4.700 Beschäftigte entwickeln und produzieren im Land Solartechnologien, die auch maßgeblich zur Erreichung der Klimaziele Österreichs beitragen. So werden bereits mehr als 400.000 Tonnen CO2 durch die solare Warmwassererzeugung und Heizung eingespart. Die aktuelle durch fast fünf Millionen Quadratmeter Sonnenkollektoren in Österreich erzeugte Warmwasserproduktion ist groß genug, um den Bedarf Niederösterreichs abzudecken. "Wenn wir in den nächsten Jahren genauso viel investieren wie bisher, können wir im Jahr 2025 ganz Österreich umweltfreundlich mit Warmwasser versorgen“, weist Bures auf die Dimensionen dieses Technologiewechsels hin. Dieses Ziel ist durchaus erreichbar, denn Österreich liegt bei den Solarinstallationen pro Kopf weltweit auf Platz vier. Die thermische Leistung pro Kopf ist nach Zypern am zweitgrößten unter den 27 EU-Staaten.

Neben der thermischen Solarnutzung entwickelt sich Österreich beständig zu einem Solarstromland. Seit Beginn des Photovoltaik-Förderprogramms der Bundesregierung im Jahr 2008 wurden 14.000 neue Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von mehr als 50 Megawatt errichtet. Das entspricht der durchschnittlichen Produktionskapazität von zwei Donaukraftwerken. Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds: "Wir festigen die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen auf Zukunftsmärkten - und das nachhaltig.“ Das Forschungsprogramm "neue Energien 2020“ ist direktes Ergebnis dieser Vorgangsweise. Die Kerninitiative des Klimafonds unterstützte bisher rund 570 Projekte aus dem Bereich erneuerbare Energien und Smart Energy F&E.

Bestes Beispiel für eine umfassende Klimaschutzoffensive bei Gebäuden ist der zügige Umbau der TU Wien zum größten Plus-Energie-Bürogebäude Österreichs. Das ehemalige Chemiehochhaus am Getreidemarkt wird im Zuge von Sanierungsarbeiten mit der größten fassadenintegrierten Photovoltaikanlage Österreichs ausgestattet und wird ein Höchstmaß an Energieeffizienz bringen. Das Bauvorhaben wird im Rahmen von "Haus der Zukunft Plus“ durch das BMVIT, die FFG, die KPC und die Stadt Wien gefördert.

Welche Bedeutung die Solarwirtschaft für Österreich hat, zeigt auch die Verleihung des diesjährigen Wittgenstein-Preises, des wichtigsten Forschungspreises Österreichs, an den Solarzellen-Pionier Serdar Sariciftci von der Universität Linz. Der gebürtige Türke leitet dort die Institute für Physikalische Chemie und Organische Solarzellen und erforscht seit Jahren or-ganische Halbleiter, die er für eine direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom nutzen will. Organische Zellen haben gegenüber herkömmlichen Siliziumzellen zahlreiche Vorteile, etwa die kostengünstige Produktion und ihre mechanische Flexibilität, die sie für viele Oberflächen, etwa auch an Taschen oder Kleidungsstücken, tauglich macht.

Intelligente Urbanität

Der zügige Ausbau der Solartechnologie ist nur ein Weg zur Energiewende in Österreich. Ein weiteres wichtiges Forschungs- und Produktionsgebiet ist die Entwicklung der intelligenten Städte der Zukunft. Schon heute verbrauchen Städte weltweit 75 Prozent der Energie und sind für 80 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Ohne den Einsatz moderner Technologien würden die wachsenden Ballungszentren automatisch zu noch mehr Staus, mehr Luftverschmutzung und noch mehr Energieverbrauch führen. Zur Ressourcenschonung setzt die Stadt der Zukunft auf Gebäude, die keine oder wenig Energie von außen brauchen, auf umweltfreundliche Mobilität und ausreichend grüne, naturnahe Erholungsräume.

Seit zehn Jahren investiert das BMVIT strategisch in die Erforschung und Entwicklung neuer Technologien für "Smart Cities“. 70 Millionen Euro werden jährlich für die Energieforschung aufgewendet. Mit diesem Geld werden etwa Lösungen für mehr Energieeffizienz in Gebäuden, die solare Energieerzeugung im urbanen Raum oder die Entwicklung von E-Mobilitätskonzepten gesucht. Eine Forschungsförderungsstrategie, die sich bezahlt macht: Österreich nimmt eine weltweite Spitzenposition bei der Entwicklung von Passivhäusern ein. Ein Drittel der gesamten Passivhaus-Fläche der EU steht in Österreich. Projekte wie der LifeCycle-Tower, ein energieeffizientes, 20 Stockwerke hohes Bürohochhaus, welches in Dornbirn aus Holzfertigteilen errichtet wird, sind internationale Vorzeigeobjekte.

International findet jedes zehnte Smart-Cities-Projekt der EU in Österreich statt. Smart-City-Technologien sind auch ein bedeutendes Exportgut: So hat das Austrian Institute of Technology im Vorjahr den Zuschlag für die Umgestaltung der Fünf-Millionen-Metropole Nanchang in China zu einer Low-Carbon-City erhalten.

Smart Cities: Vorzeige-projekt Seestadt Aspern

Österreich ist eines der weltweit führenden Länder bei der Entwicklung von intelligenten Energie-, Mobilitäts- und Urbanisierungskonzepten für die nachhaltige, umwelt- und menschengerechte Stadt der Zukunft. 70 Millionen Euro investiert etwa das BMVIT in die Energieforschung, einen Kernbereich der "Smart Cities“. Längst ist Österreich - hier die Seestadt Aspern - weltweit das führende Land bei Passivhaustechnologie.

LifeCycle Tower: Holz-häuser statt Beton

In Dornbirn in Vorarlberg entsteht das erste energieeffiziente Bürohochhaus der Welt, das aus einem Holzfertigteil-Baukastensystem besteht. Mit diesem Bau soll das nachhaltige Gebäudekonzept dieses "Haus der Zukunft“-Projekts unter realen Nutzungsbedingungen auf seine Funktionstüchtigkeit hin überprüft werden. In der Folge soll das System industriell gefertigt und international vermarktet werden.

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