Österreicher leitet T-Mobile Deutschland:
Georg Pölzl soll aus Imagetief herausführen

Georg Pölzl hat mit T-Mobile Deutschland ein Himmelfahrtskommando übernommen. Er soll nach dem Datenklau-Skandal neu durchstarten.

Seit Jänner 2007 besteigt Georg Pölzl jeden Montag frühmorgens in Wien einen Flieger und begibt sich nach Bonn, in die Zentrale der Deutschen Telekom. Ein beschwerlicher Job, der Pölzl dadurch versüßt wurde, dass er immer schon am Donnerstag wieder zurückkehrt, um drei Tage pro Woche in seinem Domizil in Mödling zu verbringen. Pölzls Frau und seine drei Kinder hatten keine Lust, nach Bonn zu übersiedeln.

Himmelfahrtskommando
Ab Anfang Jänner wird Georg Pölzl, 51, seine Familie aber noch seltener sehen. Denn mit der Vier-Tage-Woche ist es dann vorbei. Der gebürtige Grazer wurde zum Boss von T-Mobile Deutschland bestellt. Ziemlich aufreibend war schon die bisherige Tätigkeit als Berater des Telekom-Vorstands für das Restrukturierungsprogramm: fürs Sparen auf allen Ebenen des Konzerns. Die neue Top-Position ist aber ein echtes Himmelfahrtskommando. T-Mobile steht in Deutschland massiv unter Beschuss.

Super-GAU: Daten-Klau
Der Handy-Marktführer des Nachbarlandes muss sich mit einer Bespitzelungsaffäre herumschlagen. Über längere Zeit wurden bis vor etwa zwei Jahren die Mobiltelefon-Protokolle von Aufsichtsräten der Telekom, von Gewerkschaftern und Journalisten ausgewertet, um den Informationsfluss zu kontrollieren. Noch schwerer wiegt der Diebstahl von insgesamt 17 Millionen Kundendaten der T-Mobile in den Jahren 2006 und 2007, die dann via Internet und in dubiosen Kreisen zum Verkauf angeboten wurden.

Image am Boden
Das Image des Handy-Betreibers ist am Boden. Kaum eine Woche vergeht, in der deutsche Medien nicht neue Details zum Datenklau enthüllen. T-Mobile-Chef Philipp Humm legte vor wenigen Wochen sein Amt nieder. Nachfolger Pölzl, bis 2006 Geschäftsführer der österreichischen T-Mobile-Tochter, muss jetzt beinhart aufräumen. Von ihm erwartet René Obermann, der Boss der Deutschen Telekom, dass er das Vertrauen in das Unternehmen wieder zurückgewinnt.

Neue Zugangscodes
Der Bereich Datenschutz und die Sicherheitsabteilung werden künftig direkt bei Pölzl angesiedelt sein. Der einstige Berater bei McKinsey hat bereits veranlasst, dass der Zugang zu den Kundendaten besser abgesichert wurde. Deutsche, die etwa bei einem Händler einen Handyvertrag verlängern wollen, bekommen jetzt per SMS einen TAN-Code geschickt. Erst dann kann der Kundenbetreuer auf den Datensatz zugreifen. Das Problem: Es dauert länger als bisher. Die Prozesse wurden verlangsamt, was vor allem im laufenden Weihnachtsgeschäft ein Wettbewerbsnachteil ist. Pölzl muss die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen erst noch verfeinern.

Sparen, Klappe die zweite
Unabhängig davon gehen die Umsätze in der Branche generell zurück, auch in Deutschland, wo die Handytarife noch höher sind als hierzulande. Pölzl, jetzt Herr über 5.400 Mitarbeiter und acht Milliarden Euro Umsatz, wird um ein weiteres Sparprogramm nicht herumkommen. Seine Strategie, die Zahl der Call Center von fast 90 auf 20 zu reduzieren, ist bereits im Laufen. Wickel mit der Sicherheit hatte Pölzl schon in Österreich. Exinnenminister Ernst Strasser hatte einst von den Handyfirmen eine lockere Handhabung von Abhör-Wünschen verlangt. Pölzl winkte ab.

Von Andreas Lampl

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