Österreich: Den Reichen reicht's noch lange nicht

Österreich: Den Reichen reicht's noch lange nicht

Das wird der Reichensteuerdebatte neuen Schwung verschaffen: Laut dem "Vermögensreport 2013“ des Liechtensteiner Investmenthauses Valluga ist 2012 die Zahl der Millionäre hierzulande stärker gestiegen als in der Schweiz.

77.600 Millionäre gibt es demnach in Österreich, 5.500 neue kamen im Vorjahr dazu. Berücksichtigt wurde für die Studie nur Anlagevermögen; Immobilien, die selbst benutzt wurden, fanden in die Berechnung keinen Eingang.

Auch wenn 2012 die Eurozone in der Rezession steckte und die Durchschnittsbevölkerung Spuren der Krise spürte - Superreiche standen auf der Sonnenseite, auch in Österreich. Ihr Vermögen stieg um zehn Prozent auf 245 Milliarden Euro. Die Millionäre konnten politische Maßnahmen wie etwa die Ausdehnung der Liquidität gezielt zur weiteren Vermehrung ihres Vermögens nutzen, heißt es in dem Bericht - und nicht etwa in einem Papier der Arbeiterkammer.

Unternehmen als Geldquelle

Reinhard Berger, Präsident von Valluga, hat eine Erklärung, warum die Reichen immer reicher werden: "Die Streuung ihres Vermögens ist recht gut, meist wird das Geld in fünf bis sieben verschiedenen Kategorien angelegt. Zudem sind viele der Millionäre Unternehmer.“ Und die verstehen sich eben auf Geldangelegenheiten.

Auffällig: Unter den Allerreichsten des Landes finden sich viele, für die das eigene Unternehmen die wichtigste Vermögensquelle ist. Sei es Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, sei es Andritz-Chef und Aktionär Wolfgang Leitner. Das Vermögen der Milliardäre ist übrigens im vergangenen Jahr stärker gestiegen als das der "einfachen” Millionäre.

Diese seien meist bodenständig und würden ihr Geld patriotisch daheim investieren, glaubt Berger. "Je reicher jemand ist, desto größer ist der Anteil des Vermögens, der im Ausland angelegt wird.“ Dass sich darunter besonders oft anonyme Offshore-Trusts oder Stiftungen finden, die der heimischen Finanz verschwiegen werden, hält Berger nicht für realistisch. "80 bis 90 Prozent der Bevölkerung sind ehrlich. Das gilt auch für die Millionäre.“

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Die trend-Reichenliste: Österreichs Geldadel in Zahlen auf trendtop500.at
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Doch Steuerehrlichkeit hin oder her, auffällig ist auch die hohe Konzentration: Ein Prozent der Bevölkerung in der Region Deutschland-Österreich-Schweiz verfügt über 33,4 Prozent des gesamten Privatvermögens.

In der SPÖ wünscht man sich, Privatvermögen über einer Million Euro mit 0,3 bis 0,7 Prozent zu besteuern. Auch Erbschaftssteuern sollen wieder eingeführt werden. Insgesamt sollen so 1,5 bis zwei Milliarden Euro an Steuereinnahmen erzielt werden. Hierzulande würden nur 2,3 Prozent des Steueraufkommens aus vermögensbezogenen Steuern stammen, in den EU-27-Ländern seien es durchschnittlich 6,6 Prozent, argumentiert die Arbeiterkammer. Auch ein OECD-Vergleich lässt Österreich eher Reichen-freundlich wirken: Derzeit liegt Österreich bei den Vermögenssteuern in einem OECD-Vergleich von 34 Ländern auf dem 25. Platz, bei der Gesamtsteuerlast aber auf dem achten.

In der ÖVP stößt die Idee jedoch nach wie vor auf keine Gegenliebe. Im Institut für Höhere Studien (IHS) wurde errechnet, dass die Wiedereinführung der Vermögenssteuer zu einem Rückgang von Ersparnissen, Investitionen und Beschäftigung führen könnte - und die Wirtschaftsleistung langfristig um 0,65 Prozentpunkte dämpfen würde. Außerdem würden nach Schätzung von IHS-Chef Christian Keuschnigg 30 Prozent der Einnahmen durch Steuerflucht verloren gehen. Für Deloitte-Chef Bernhard Gröhs sind die Möglichkeiten, an der Steuerschraube zu drehen, ohenhin begrenzt. "Staaten werden aber versuchen, Geld, das etwa in Offshore-Gebiete floss, zurückzuholen“, sagt Gröhs.

Unabhängig von der Vermögenssteuerdebatte, von Offshore-Listen und internationalen Abkommen zum automatischen Datenaustausch dürften den wirklich reichen Mitbürgern weiterhin gute Jahre bevorstehen: Bis 2016 rechnet Valluga mit einer jährlichen Steigerung von deren Vermögen um 4,3 Prozent - das ist deutlich mehr, als die Prognosen an Wirtschaftswachstum versprechen.

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