ÖOC: Wallners Abgang ist programmiert, als Nachfolger zeichnet sich Karl Stoss ab

Im ÖOC bleibt nach der Affäre um Exgeneralsekretär Jungwirth kein Stein auf dem anderen: Casinos-Boss Karl Stoss soll den langjährigen Präsidenten Leo Wallner ablösen.

Eigentlich wäre Leo Wallner gerne noch als ÖOC-Präsident kommenden Februar zu den Olympischen Winterspielen ins kanadische Vancouver aufgebrochen. Allein die Wahrscheinlichkeit, dass er dann noch in Amt und Würden ist, steht für den 73-Jährigen schlecht. Sein 19. Jahr an der Spitze des Österreichischen Olympischen Comités (ÖOC) wird wohl auch sein letztes werden, obwohl sein Vertrag noch bis ins Jahr 2013 läuft und er sich mit einem Rücktritt bislang noch ziert.Aus dem Schlamassel, in das ihn sein langjähriger Generalsekretär Heinz Jungwirth mit dubiosen Geldflüssen gebracht hat, wird er wohl nicht so leicht rauskommen. Gegen Jungwirth und gegen Erwin Roth, einen Strategieberater für die Salzburger Olympiabewerbung, laufen mittlerweile Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Salzburg wegen des Verdachts der Untreue. 120.000 bis 180.000 Euro, die genaue Summe ist unbekannt, gingen im ­Trubel um die Bewerbung Salzburgs für die Winterspiele 2014 verloren.

Generationswechsel wird gefordert
Wallner fühlt sich von Jungwirth hintergangen und will von den umstrittenen Zahlungen nichts gemerkt haben, denkt aber dennoch über Rücktritt nach. Diesen Überlegungen haben wohl auch die Aussagen von Sportminister Norbert Darabos etwas nachgeholfen, der diese Woche gemeint hatte, ein Generationswechsel würde dem ÖOC insgesamt guttun – auch wenn die Wiederwahl Wallners noch kein Jahr her ist. Von den möglichen Kandidaten (Exkanzler Wolfgang Schüssel, Staatssekretär Reinhold Lopatka und Casinos/Lotterien-Boss Karl Stoss), die für Wallners Nachfolge genannt werden, soll Stoss die besten Karten haben. „Wenn er etwas für den Sport tun kann und auch gefragt wird, wird er sicher nicht nein sagen“, ist aus Stoss’ Umfeld zu hören. Was für den Casinos-Boss spricht: Obwohl etwas mehr dem schwarzen Lager zuordenbar, ist er bei beiden Großparteien akzeptiert. Darüber hinaus ist die Casinos/Lotterien-Gruppe – neben der öffentlichen Hand – einer der größten Geldgeber des ÖOC.

Neue Pläne in Ausarbeitung
Als „Vatermörder“ möchte Stoss aber keinesfalls dastehen, weswegen man seinem Vorgänger bei den Casinos noch etwas Zeit für den freiwilligen Rücktritt einräumen möchte. Wahrscheinlichstes Szenario: Wall­ner nimmt auf einer außer­ordentlichen Vollversammlung des ÖOC, die Ende Oktober stattfinden soll, seinen Hut, darf aber noch nach Vancouver fahren. Bis dahin will er aber noch aktiv an der Neuaufstellung des Vereins mitarbeiten, um bei seinem Abgang einen positiven Eindruck zu hinterlassen, ist aus dem ÖOC zu hören. Eine Kommission unter der Führung von ÖOC-Beirat Herbert Hübel ist gerade damit befasst, Vorschläge für ein „ÖOC neu“ zu erarbeiten. Schon auf einer ÖOC-Vorstandssitzung Ende September soll eine Statutenreform beschlossen werden. Die Zauberformel hierbei lautet „mehr Kontrolle“.

Kontrolle sollen verstärkt werden
Das bestätigt auch Anna-Maria Hochhauser, Wirtschaftskammer-Generalsekretärin und kooptiertes Mitglied im ÖOC-Vorstand: „Es wird stärkere Kontrollen geben, das wurde bei der letzten Vorstandssitzung intensiv diskutiert, nämlich sowohl intern als extern.“ Auch Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka fordert im FORMAT-Interview eine externe Kontrolle des ÖOC durch den Rechnungshof. Dass es im Verein Malversationen und Intrigen gibt, ist durch die Anzeige offensichtlich. Übersicht über die zwei Finanzkreise, einen für die öffentlichen Mittel, einen für das Sponsorengeld, hatten offenbar wenige. Aber auch nach Jungwirths Rausschmiss wird mit ÖOC-Geldern weiter sorglos umgegangen: Die erst kürzlich erfolgte Übersiedlung des ÖOC in ein Haus nach Oberwaltersdorf ist umstritten. Um mehr als eine Million Euro wurde das Haus von einem Cousin des jetzigen Generalsekretärs gekauft.

Die neue Struktur
Dass das ÖOC die Aufräumarbeiten allein bewältigt, trauen dem Verein immer weniger zu. Daher könnte das derzeitige Chaos zu einer gänzlich neuen Struktur im österreichischen Sportbereich führen: Denn ÖOC und die Bundes-Sportorganisation (BSO) sollen in einen großen Verband zusammengeführt werden. Für eine solche Lösung, wie sie in anderen europäischen Ländern Usus ist, plädieren immer mehr Politiker der SPÖ und der ÖVP. Auch der ehemalige SP-Sportstaatssekretär und jetzige BSO-Präsident Peter Wittmann: „Das Zusammenführen der Fördertöpfe wäre sicher sinnvoll.“ Eine entsprechende Strukturreform müsste allerdings zuerst vom ÖOC in einer Vorstandssitzung und dann von der Hauptversammlung der BSO entsprechend abgesegnet werden. Bis dahin könnte die BSO das ÖOC für die Vancouver-Vorbereitungen unterstützen. Wer letztlich von den österreichischen Sportfunktionären nach Kanada fährt und Österreich repräsentiert, ist im Moment Nebensache. Derzeit gilt es, größeren Schaden als eine schlechte Medaillenbilanz abzuwenden.

Von Angelika Kramer, Miriam Koch

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