ÖOC-Affäre: Neue Vorwürfe gegen den
Ex-Generalsekretär Heinz Jungwirth

Heinz Jungwirth am Pranger: Die Untersuchungskommission entdeckte wiederholt Überweisungen in sechsstelliger Höhe vom ÖOC auf ein bisher geheimes Privatkonto.

Die Herren haben ganze Arbeit geleistet. Wirtschaftsprüfer Walter Knirsch und Arbeitsrechtsexperte Franz Marhold haben fünf Monate akribisch alle Unterlagen und Rechnungen im Österreichischen Olympischen Comité (ÖOC) durchforstet. Das Ergebnis: ein 15 Zentimeter dicker Bericht, der sich gewaschen hat. Schon der Zwischenbericht der von OÖC-Präsident Karl Stoss eingesetzten Kommission, der Mitte März präsentiert wurde, ließ Schlimmes erahnen: Geldtransfers in Millionenhöhe und ein gut gefülltes Geheimkonto. Die stellvertretende Generalsekretärin des ÖOC wurde aufgrund des Papiers fristlos entlassen.

Eine „neue Dimension“
Der Endbericht, der nächste Woche vom ÖOC der Öffentlichkeit präsentiert wird, hat aber noch einmal eine ganz „neue Dimension“, wie ein Insider sagt. Statt der zuletzt genannten gut sechs Millionen Euro an ungeklärten Geldflüssen ist nun schon von rund neun Millionen Euro die Rede. Für Heinz Jungwirth, den ehemaligen Generalsekretär des ÖOC und die Hauptfigur in dem Skandal, dürfte es immer enger werden: Es wurde nämlich ein neues Konto bei der UniCredit, lautend auf den Namen Heinz Jungwirth, geortet. Auf dieses langten Überweisungen von ÖOC-Konten, auf die Jungwirth Einfluss hatte, ein. Insgesamt hat man über fünf Jahre etwa 17.000 Kontobewegungen gezählt, mehrfach sind Beträge in der Größenordnung von 300.000 Euro auf das Jungwirth-Konto gewandert.

ÖOC als Selbstbedienungsladen
Der einstige Generalsekretär, für den die Unschuldsvermutung gilt, dürfte seinen früheren Arbeitgeber ÖOC als eine Art Selbstbedienungsladen gesehen haben. So soll er sich mit ÖOC-Geldern eine Fußbodenheizung für seinen Pferdestall im Bezirk Hollabrunn gekauft haben – oder die Abschleppung seines Pferdeanhängers in Rechnung gestellt haben. Auch einen Rasenmähertraktor und einen Schlagbohrer genehmigte sich der Mann, gegen den die Staatsanwaltschaft Salzburg wegen Untreue ermittelt, offenbar auf ÖOC-Kosten.

Privat und beruflich auf großem Fuß
Damit nicht genug: Luxusurlaube mit der Familie auf Ibiza und Mallorca wurden mutmaßlich vom ÖOC bezahlt. Aber nicht nur privat lebte Jungwirth in Saus und Braus, auch für das Olympische Comité selbst war ihm nichts zu teuer. Im Bericht wird etwa ein VW-Bus um 58.000 Euro erwähnt, der alle Stückeln spielte: Ledersitze und Stereoanlage vom Feinsten wurden mit ÖOC-Geldern zugekauft. Wofür der Bus benötigt wurde, konnte nicht geklärt werden. Generell scheint Jungwirth eine ausgesprochene Affinität zu Autos gehabt zu haben. Acht Fahrzeuge aller Größen und Klassen waren im ÖOC-Fuhrpark zu finden.

Viel Stoff für die Staatsanwältin
Für die ermittelnde Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat wird der Bericht jedenfalls ein gefundenes Fressen. Sie soll zeitgleich mit der Information an die Öffentlichkeit nächste Woche den Endbericht bekommen. ÖOC-intern wird das quasi als Strafanzeige gegen Jungwirth gewertet. Weiters müssen auch einige andere Olympia-Funktionäre mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Im Zwielicht stehen vor allem die entlassene Jungwirth-Stellvertreterin Manuela Kovarik und der frühere Kassier, der Anwalt Gottfried Forsthuber. Der interimistische Generalsekretär Matthias Bogner muss laut Erkenntnissen aus dem Bericht zumindest als „Mitwisser“ angesehen werden. „Er muss gesehen haben, was da läuft“, heißt es aus dem ÖOC. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Ex-ÖOC-Präsident nicht verwickelt
Aufatmen kann indes der frühere ÖOC-Präsident Leo Wallner: Die Kommission konnte offenbar keine Hinweise finden, dass er auch in die Machenschaften verwickelt war. Auch wenn er juristisch fein raus sein dürfte, so haftet ihm doch ein reichlich ramponiertes Image an, denn unter seiner Ägide wurden die fragwürdigen Geld-Transaktionen erst möglich.
Wenn der neue ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel im Juni sein Amt antritt, dürfte der Großteil des ÖOC-Sumpfes bereits aufgearbeitet sein. Allerdings wird sich auch Mennel noch mit der Vergangenheit befassen müssen. Wird Jungwirth tatsächlich angeklagt, will sich das ÖOC der Klage zivilrechtlich anschließen – in der Hoffnung, dass ein wenig Geld wieder in die Kassen zurückkommt.

A. Kramer, A. Lampl, A. Weber

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